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11.08.2008
 

Prügelei auf dem Campus

Neonazi erhält Bewährungsstrafe

Ein hessischer NPD-Funktionär, der an der Uni Mainz studiert, ist wegen Körperverletzung zu elf Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden und muss zudem 100 Sozialstunden ableisten. Er hatte auf dem Mainzer Campus einen linken Mitstudenten verprügelt.

Mario Matthes, stellvertretender Vorsitzende des hessischen NPD-Landesverbandes, hat vom Mainzer Amtsgericht einen Strafbefehl über elf Monate Gefängnis auf Bewährung erhalten. Wegen gefährlicher Körperverletzung muss der 24-jährige Student obendrein zu 100 sozialen Arbeitsstunden antreten.

Rechts trifft Links: Ein NPD-ler verprügelte einen Mitstudenten aus der Antifa an der Uni
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AP

Rechts trifft Links: Ein NPD-ler verprügelte einen Mitstudenten aus der Antifa an der Uni

Nach Überzeugung des Gerichts hat er im Januar einen Mitstudenten, der auch Mitglied einer antifaschistischen Gruppe ist, auf dem Campus der Universität Mainz geschlagen und getreten. Der 23-jährige Geschichtsstudent verlor dabei einen Zahn und erlitt Prellungen, Abschürfungen sowie einen Riss der Lippe.

Mario Matthes und sein Anwalt waren zunächst nicht vor Gericht erschienen mit der Begründung, einen Zug verpasst zu haben und deshalb zehn Minuten später einzutreffen. Als der Angeklagte auch geraume Zeit später nicht im Gericht ankam, erging der Strafbefehl. Bei der Geschäftsstelle des Amtsgerichts wurde ihm später der Inhalt des Strafbefehls mitgeteilt. Gegen das Urteil kann Matthes Einspruch einlegen; dann würde der Fall erneut vor dem Amtsgericht verhandelt.

Die Uni lehnte eine Exmatrikulation ab

Außer als stellvertretenden Landesvorsitzenden führt der NPD-Landesverband Hessen Matthes auch als Kreisvorsitzenden in Mainz-Bingen. Matthes selbst hatte die Prügelei auf dem Campus in einem Interview als eine Art Duell unter Männern geschildert, das nach einer Begegnung in der Bibliothek auf dem Parkplatz ausgetragen worden sei. Er habe seinen Gegner niedergeschlagen und ihm am Ende "meinen Respekt dafür ausgesprochen, dass er sich überhaupt getraut hat, sich auf einen fairen Kampf einzulassen". Der Geschichtsstudent schilderte die Auseinandersetzung so, dass Matthes "wie von Sinnen" auf ihn eingetreten habe.

Der Exmatrikulationsausschuss der Mainzer Universität hatte Ende Juli den Rauswurf von Mario Matthes geprüft - und entschieden, ihn weiterstudieren zu lassen, weil in diesem Fall nicht "klar Gewalt gegen die Universität verübt, also der Frieden der Hochschule gestört" worden sei. Einen Vorfall vom November 2006, als Mario Matthes mit gut einem Dutzend anderer Neonazis eine Veranstaltung an der Uni Mainz zu stürmen versucht hatte, spielte für die Hochschule bei ihrer Entscheidung keine Rolle.

Der Asta hatte kritisiert, dass Matthes sein Studium fortsetzen kann. Damit akzeptiere die Universität Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung. Spöttisch empfahlen die Studentenvertreter der Uni-Leitung den "irischen Code Duello von 1777". Danach sollten Kämpfe um die Mannesehre künftig ausgetragen werden, witzelten sie: "Bei Bedarf stehen Referentinnen und Referenten des Asta als Sekundanten bereit und stellen einen unabhängigen Ehrenrat, der Schwere der Beleidigung und Hergang des Duells verhandelt."

jol/dpa

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