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11.08.2008
 

Deutscher Tibet-Demonstrant

"Natürlich hatte ich Angst"

David Demes, 21, demonstrierte auf dem Platz des Himmlischen Friedens gegen Chinas Tibet-Politik. Die Polizei verhaftete und verhörte ihn, wies ihn dann aus. Jetzt ist der Gießener Student zurück in Deutschland - und wird nach dem Zehn-Minuten-Protest wie ein Held gefeiert.

David Demes versucht, sich betont locker zu geben. Eben ist sein Flieger gelandet, David kommt zurück aus China. Er ist braungebrannt, hat einen Drei-Tage-Bart, den Rucksack lässig über der Schulter. Er könnte ein normaler Tourist sein oder ein Austauschstudent, der wieder nach Hause kommt. Ist er aber nicht.

In der Ankunftshalle des Frankfurter Flughafens warten Journalisten auf ihn, Exil-Tibeter und politische Aktivisten wollen ihn hochleben lassen. Auf einmal ist David Demes, 21, doch ein wenig beeindruckt von dem ganzen Rummel. "Mir geht es gut", sagt er, "man hat uns relativ gut behandelt."

Eigentlich studiert David Demes in Gießen Medizin im vierten Semester, seine Freundin Aileen drückt er jetzt erstmal innig. David ist am Samstag auf einen Schlag bekannt geworden, weil er mit einer Handvoll Kollegen von der Initiative Studenten für ein freies Tibet auf dem Platz des himmlischen Friedens demonstriert hat: Fünf Studenten legten sich, mit Kunstblut beschmiert, wie Tote auf den Platz und bedeckten sich mit Tibet-Flaggen. Die anderen vier kamen aus den USA und Kanada. Ein paar Minuten ließ man sie gewähren, dann verhafteten Polizisten in Zivil die Gruppe.

Ein "Gerechtigkeitsfanatiker" sei er, sagt seine Mutter

Jetzt, auf dem Flughafen, gibt David Demes geduldig Auskunft zur Protestaktion und seiner anschließenden Verhaftung. Aileen und Davids Mutter Gabriele posieren Arm in Arm mit einer Tibetflagge für die Fotografen. Ein knappes Dutzend Exil-Tibeter hält bereits selbstgebastelte Schilder hoch, mit denen sie David für sein Engagement danken. "Thank you for supporting free Tibet" steht auf dem Pappschild, das die Exil-Tibeterin Dolma, 40, hochhält. Sie kommt aus Offenbach und ist "sehr glücklich" über die Unterstützung durch David Demes und seine Mitstreiter.

Auch Mutter Gabriele Demes, 55, ist "sehr stolz" auf ihren Sohn. "Wir haben ihn so erzogen", sagt sie, "und ihm beigebracht, dass auch schon eine einzelne Stimme helfen kann." Ihr Sohn sei halt ein "Gerechtigkeitsfanatiker", angefangen habe sein Engagement, nachdem er ein Buch über Tibet gelesen habe. "Ein Buch kann viel verändern", sagt die Mutter.

Seit vier Jahren arbeitet David für die Gruppe und ist mittlerweile Deutschland-Koordinator. Über Davids Pläne in China sei sie informiert gewesen, sagt Gabriele Demel: "Wir wussten nur nicht, wann und wo es passiert." Bereits am 31. Juli war David nach Peking gereist und hatte sich mit den anderen Aktivisten zunächst als Tourist ausgegeben. Am 6. August hatte er sich noch einmal telefonisch aus Hongkong gemeldet. "Seit vergangenem Dienstag lief bei uns alles: Radio, Internet, Fernsehen." Sie habe sich schon gesorgt, und als sie von der Aktion hörte, "war der erste Schock groß".

Sechs Stunden Verhör, dann zum Flughafen

"Ich hatte relativ viel Glück, nach chinesischem Gesetz hätte man mich auch 15 Tage festhalten können", sagt David. Die Protestaktion dauerte etwa zehn Minuten. Dann seien die Zivil-Polizisten gekommen, hätten ihn und die anderen vier dann mit einem als Krankenwagen getarnten Polizeifahrzeug auf eine Wache gebracht.

Ein sechsstündiges Verhör folgte. "Natürlich hatte ich Angst", sagt David. Aber die Beamten hätten lediglich "komische organisatorische Dinge" wissen wollen, etwa woher die Aktivisten ihre T-Shirts gehabt hätten. Demes glaubt, dass er als Europäer wesentlich glimpflicher davon kam als Tibeter oder Chinesen bei einer vergleichbaren Aktion.

"Dann ging es mit 160 Sachen über die Autobahn zum Flughafen", sagt Demes und sieht aus, als hätte er das noch lange nicht verarbeitet. Zunächst flog er nach Hongkong, von dort rief er seine Eltern in Limburg an.

Seine Freundin erzählt, wie sich David auf die Aktion vorbereitet hatte: Drei Wochen, bevor es nach China ging, habe er an einem Crash-Kurs der Tibetinitiative teilgenommen, die spendenfinanzierte Organisation bezahlte die Reise auch. Bei dem Kurs in London habe er Verhaltensregeln mit auf den Weg bekommen, die eher nach einem Spionagefilm klingen: Wann immer David fortan mit Freundin und Familie über seine Reisepläne sprach, nahm er den Akku aus seinem Handy. Am Telefon habe er sich nur noch verschlüsselt geäußert, sagt Aileen. Auch beim Abschied am 31. Juli am Flughafen mussten David Demes und seine Angehörigen ruhig bleiben: "Wir durften nicht weinen, weil es ja wie ein Urlaub aussehen musste", sagt sie.

Sein Protest war für David Demes ein Erfolg - er will damit weitermachen. Wann er allerdings wieder nach China einreisen darf, weiß er nicht so genau: "Die einen haben gesagt nach fünf Jahren, die anderen nach zehn, und wieder andere meinten: nie."

maf/ddp/AFP

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