Von Frank van Bebber
Plastikskelett: Schon bezahlt - und was kaufen wir jetzt?
Haller hat es ausgerechnet: Bei 50.000 Euro Überschuss bekäme jeder Student seines Fachbereiches 100 Euro zurück. Den Antrag hat er mit einem Studentenvertreter beim zuständigen Gremium eingereicht. Sie hoffen im Oktober auf eine Mehrheit für ihre ungewöhnliche Geld-zurück-Aktion.
Haller pocht auf das Versprechen, mit der Gebühr werde nichts bezahlt, was bislang der Staat finanziert habe. "Außerdem haben wir schon alle Räume mit Beamern ausgerüstet, für alles Tutorien eingeführt", erklärt er , "wir können gar nicht mehr Geld guten Gewissens ausgeben." Von den 120.000 Gebühren-Euros für seinen Fachbereich blieben so 50.000 Euro übrig.
Beim zwanzigsten Beamer stellt sich die Sinnfrage
Einst klamme Universitäten, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld? Der Saarbrücker Professor ist mit diesem Problem nicht allein. So türmte sich an der Universität Heidelberg über den Winter fast die Hälfte der Gebühreneinnahmen eines Jahres von 19 Millionen Euro auf Konten der Fachbereiche. Erst als die Uni-Leitung mit dem Rückruf des Geldes drohte, kam Bewegung in den Kapitalstock.
Im studentenstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen müssen die Hochschulen mittlerweile Rechenschaft über die Gebühreneinnahmen und die Ausgaben ablegen. Was den Streit über die sinnvolle Verwendung keineswegs beendet hat. So mahnte NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) mahnte nach Berichten über angehäufte Einnahmen an der Universität Köln, die Hochschulen sollten die Gebühren notfalls senken.
Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hatte bereits vor einem Jahr gewarnt, das Ausgabeverhalten der Hochschulen führe in die Irre: "Wenn der zwanzigste Beamer angeschafft ist und überall neue Computer stehen, stellt sich die Sinnfrage."
Das Studenten-Geld darf bislang nicht in die Lehre fließen
Inzwischen mehren sich Berichte über eher kuriose Investitionen. Die Universität Konstanz bezahlte teure Designerpapierkörbe und Segelboote aus Gebühreneinnahmen. In Saarbrücken dürfen die Studenten dank der Campus-Maut kostenlos ins hochschuleigene Fitnessstudio.
Doch dem Rat der meisten Fachleute, mehr Lehrpersonal anzuheuern, können die Hochschulen nur schwer nachkommen. Professoren dienen auch der Forschung. Lehrgeld darf in ihr Einkommen darum nur beschränkt fließen.
Noch strenger als in anderen Ländern sind die Regeln an der Universität Saarbrücken. Nicht einmal befristete Dozenten darf Präsident Linneweber aus Gebühren bezahlen. Der absurde Sperrvermerk wurde aus lauteren Motiven eingeführt: Man wollte gerade verhindern, dass die Campusmaut für ureigene Landesaufgaben verwendet wird. In Baden-Württemberg dagegen ernähren Gebühreneinnahmen inzwischen zahlreiche Lecturer, meist junge Wissenschaftler, die für einige Jahre die Lehre verstärken.
Volker Linneweber ist darum auch nicht sauer auf Haller, der in Saarbrücken als sympathischer Gebührengegner gilt. "Ich finde gut, wenn in dem Thema Dynamik bleibt", sagt der Uni-Präsident. Die Studiengebühr, im Saarland 300 Euro für die ersten zwei Semester, später 500 Euro, dürfe nicht enden wie die Öko-Steuer. Die sei einst aus guten Motiven eingeführt worden, versickere aber heute spurlos im Staatsetat.
"Das System muss ja auch erst lernen"
Die Universität will ihre Gebührenordnung überarbeiten. Uni-Rat und Senat sollen bis Oktober zustimmen, dass auch Personal mit der Campus-Maut bezahlt werden darf, ebenso wie Bauvorhaben für die Lehre. "Das System muss ja auch erst lernen", dämpft Linneweber die Aufregung.
Er verweist auf Erfolge: Hunderte neue Tutoren-Stellen ermöglichten Studenten Nebeneinkünfte. Das Sprachzentrum biete mehr Kurse an. Linneweber sieht die Gebühr als Chance und Pflicht, die Universität zu profilieren, vor allem gegenüber kostenlosen Hochschulen im nahen Rheinland-Pfalz.
Haller aber versteht seine Geld-zurück-Initiative auch als Signal, dass Gebühren sinnlos und unsozial seien. Der für das Zukunftsthema maschinelle Übersetzung zuständige Professor erklärt: "Deutschland wird sich noch über jeden freuen, der eine Uni-Ausbildung beginnt, auch wenn ein paar Leute sie vorzeitig abbrechen."
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Mein Vater musste für meinen Schulbesuch noch Schulgeld zahlen. Vor 60 Jahren war es klar, dass ich anschließend auch Studiengebühren zahlen musste. Eine Vorstellung von der Höhe erhält man daraus, dass die Studiengebühren [...] mehr...
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Um das zu vermeiden, werden die Bafög-Beträge ja angehoben. Wieso können Kinder des Prekariats kostenfrei einen Kindergarten besuchen? Dort wird doch Auswahl getroffen!! mehr...
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