Von Christoph Titz
Auch heute, 25 Jahre später, ist das Geld deutscher Jungmediziner willkommen: "Wir wollen Innovationen, Ungarn ist ein armes Land - also brauchen wir eine Quelle", sagt Rektor Tulassay über die zahlende Kundschaft.
ZVS-Flüchtling Bernhard Lamprecht führte ein Umweg über Zahnmedizin schließlich nach Budapest; Astrid Kleinbongardt machte erst ein Praktikum und einen bezahlten Vorkurs zur Studienvorbereitung - dann studierte auch sie für viel Geld in Budapest. 11.200 Euro jährlich kostet die Ausbildung an der Semmelweis-Uni im deutschsprachigen Ausbildungsgang. In Hamburg sind es jetzt sogar 14.400 Euro. Beiden bezahlt das Studium die Familie. Einen Deal, ob und wann sie ihren Eltern das Geld zurückzahlen, gebe es noch nicht, sagen sie.
Bei der Eröffnung feierte Frank Ulrich Montgomery mit. Der Präsident der Hamburger Ärztekammer betonte, dass für die Ungarn nicht allein die Zahlungsfähigkeit entscheide, wer an der Donau Medizin studieren darf: "Das ist keine Sache nur für die mit der dicken Geldbörse, die Ungarn haben ein sehr stringentes Auswahlverfahren."
Die Plätze sind auch an der Ausweich-Uni knapp
Erzsébet Ligeti organisiert die Zulassung der deutschen Anwärter in Budapest. "Unsere Plätze sind fünffach überbucht", für die aktuell 200 Studienplätze stünden schon tausend deutsche Bewerber Schlange. "Wir gewichten die Abiturnoten in Naturwissenschaften. Auch ein medizinischer Vorkurs, Arbeit als Sanitäter oder in der Pflege kann sie dabei hoch stufen."
Dass die Studenten eine tadellose Ausbildung bekommen, daran hat Montgomery keinen Zweifel: "Die Semmelweis-Universität hat einen ausgezeichneten Ruf", sagt der Ärztefunktionär. Besonders in der Lehre und der vorklinischen Ausbildung seien die Budapester Mediziner für ihre solide Ausbildung bekannt.
Auch die Studenten beschreiben das Studium in Budapest als erstklassig. "Alle Prüfungen sind dort mündlich, da gibt es kein Multiple Choice wie in Deutschland", sagt Melina Lutz, 22, im fünften Semester und frisch in Hamburg angekommen. "Die Ansprüche sind in Ungarn höher, in mündlichen Prüfungen kann man eben nicht abschreiben oder spicken. Weiß man was nicht, fällt man durch." Bernhard Lamprecht, der in Deutschland bereits Zahnmedizin studiert hat, sieht das auch so: "In Ungarn ist es auf jeden Fall mehr Stoff."
Der Plan, die Mediziner an deutschen Krankenbetten den klinischen Teil ihrer Ausbildung machen zu lassen, existiert bereits seit 2003. Doch erst in diesem Sommer gelang es der Semmelweis-Uni, die Hamburger Dependance ordentlich beim ungarischen Bildungsministerium akkreditieren zu lassen.
Rektoren und Ärzte sind einverstanden
Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg bleibt bei seiner Einschätzung aus dem Dezember, als die Gründung der Medical School bekannt wurde. Damals sagte Medizin-Dekan Uwe Koch-Gromus, er freue sich über einen Wettbewerber, der das Geschäft belebe. Er verwies aber auf die hohen Gebühren und sagte, das UKE werde "auch in Zukunft seine Studierenden ausschließlich aufgrund von Leistungskriterien aussuchen".
Solange es "keine Alarmsignale aus der Medizin in Hamburg" gebe, hat auch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) nichts gegen die ungarische Filiale, so Generalsekretär Joachim Weber. Die Gründung sei nun mal "rechtlich möglich, und wenn die Qualität stimmt, ist nichts einzuwenden".
In Deutschland ist es für Nicht-EU-Mediziner schwer, an die Zulassung zum Praktizieren zu kommen - seit dem EU-Beitritt Ungarns kein Problem mehr für die Studenten der Semmelweis-Uni. Die Bundesärztekammer erkennt den dortigen Abschluss als "gleichwertig" an, so Sprecher Alexander Dückers. Der Doktortitel sei "vergleichbar mit dem österreichischen und muss mit dem Zusatz 'univ.' versehen werden".
Ebenso akzeptiert der Wissenschaftsrat die Studienleistungen der Semmelweis-Absolventen als vollwertig. "Bei diesem ungarischen Abschluss habe ich noch nie von Problemen gehört", so Generalsekretär Wedig von Heyden. Das EU-Recht garantiere, dass sich ein Arzt überall in der EU niederlassen dürfe.
Wenn sie also durchhalten, werden die ersten Studenten der "Asklepios Medical School" in vier Jahren fertige Ärzte sein - und damit am ersehnten Ziel, für das sie, zweijähriger Auslandsaufenthalt inklusive, 80.000 Euro Gebühren locker machen mussten. Alle, die dieses Geld von ihren Eltern nicht bekommen, bleibt auch weiterhin nur das beste Abitur.
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