Von Britta Mersch und Dorothee Fricke
Erste These: An der FH studieren Praktiker, Uni-Studenten pauken die Theorie.
Ursprünglich gab es diese Aufteilung tatsächlich. FHs wurden mit dem Ziel gegründet, während des Studiums möglichst viel Praxis zu vermitteln. Mit den neuen Abschlüssen Bachelor und Master wird das nun anders: Auch Studiengänge an den Unis sollen stärker auf den Beruf vorbereiten.
Und tatsächlich: Es bewegt sich etwas. "Vor allem in den Geisteswissenschaften ist eine Veränderung deutlich spürbar", sagt Doris Herrmann, Geschäftsführerin der Akkreditierungsagentur AQAS in Bonn, "Praktika werden stärker in die Stundenpläne integriert."
Die insgesamt sechs Akkreditierungsagenturen in Deutschland prüfen die neuen Angebote auf Tauglichkeit und Berufsorientierung. Selbst klassische Orchideenfächer wie Ostasien-Studiengänge bekommen einen Berufsbezug. Die Ruhr-Universität Bochum hat etwa den neuen Bachelor-Studiengang "Wirtschaft und Politik Ostasiens" eingeführt, bei dem Studenten acht Wochen lang Praktika absolvieren oder gleich nach Asien fahren.
In Fächern wie den Ingenieurwissenschaften dagegen legen auch Unis traditionell viel Wert auf eine ausgeprägte Praxisorientierung - die theoretischen Grundlagen spielen jedoch in der Regel eine größere Rolle als an der FH.
Bei der Wahl der Hochschule sollten Studieninteressierte auf das eigene Bauchgefühl hören: "Die Lernkultur der Hochschultypen sollte ausschlaggebend sein", rät Wolfgang Loggen von der Zentralen Studienberatung an der RWTH Aachen. Das Studium an einer FH zeichne sich etwa durch kleinere Lerngruppen aus. "Studieninteressierte, die sich nicht vorstellen können, mit mehreren hundert Kommilitonen im Hörsaal zu sitzen, sollten lieber eine FH wählen", so Loggen.
Tatsächlich zeigt der aktuelle Studienqualitätsmonitor des Hochschul-Informations-Systems (HIS): Besonders Uni-Studenten leiden unter überfüllten Hörsälen. 50 Prozent sehen sich beim Lernen beeinträchtigt, bei den FH-Studenten sind es nur 20 Prozent.
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