Von Markus Verbeet
Wissenschaftliche Werke sind, vorsichtig formuliert, nicht immer von praktischem Nutzen. Wenn aber Dominic Orr, Hochschulforscher aus Hannover, am Freitag eine neue Studie vorstellt, dürfen sich Studenten in ganz Europa freuen: Sein Report erleichtert die Partnersuche.
Auf Seite 19, ganz unten, finden sich die aktuellen Single-Charts. Eine übersichtliche Grafik zeigt, in welchen Ländern nur wenige Hochschüler bereits in festen Händen sind. Besonders Italiener, Portugiesen und Spanier sind demnach ungebunden. 90 Prozent oder mehr bezeichnen sich als Single. Die Deutschen hingegen geben sich außergewöhnlich bieder. Nicht einmal die Hälfte der Studenten, nur 43 Prozent, gibt an, weder verheiratet zu sein noch einen festen Partner zu haben.
Drei Jahre lang haben Orr und seine Kollegen von der hannoverschen Hochschul-Informations-System GmbH unterschiedlichste Daten aus Europa zusammengetragen und ausgewertet. Gefördert von Bundesbildungsministerium und EU-Kommission, ging es ihnen um mehr als Forschungen zum Familienstand. Herausgekommen ist ein Hochschul-Atlas, wie es ihn noch nicht gegeben hat. Der große Report "Eurostudent" vergleicht die soziale und wirtschaftliche Lage der Hochschüler in 23 europäischen Staaten.
Wie gerecht geht es in Deutschland zu?
An diesem Freitag werden die Forscher ihren Bericht in Berlin vorstellen und damit vermutlich die nächste Runde der großen Debatte einläuten, die kurz vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern im Oktober immer lauter geführt wird: Wie gerecht geht es in Deutschland zu? Bestimmt die Herkunft und nicht die Begabung, ob jemand studiert?
Die Studie macht deutlich, dass die deutschen Hochschulen nach wie vor ein exklusiver und elitärer Zirkel sind. Auf- und Quereinsteiger sind hierzulande seltener zu finden als in vielen anderen europäischen Staaten.
Verfügt der Vater nicht über ein Uni-Diplom, studieren in Deutschland die Kinder seltener als etwa in den Niederlanden oder in Finnland. Auch in der Schweiz ist es deutlich wahrscheinlicher als in Deutschland, dass ein Kind ein Studium aufnimmt, wenn sein Vater selbst nur eine niedrige Qualifikation besitzt. Wenig tröstlich erscheint es da, dass wenigstens ein Land konsequent schlechter abschneidet als die Bundesrepublik – das postkommunistische Bulgarien (siehe Grafiken).
"Bislang eine homogene Gruppe"
Ähnlich schwer scheinen es auch Quereinsteiger in Deutschland zu haben. Zwar führen mittlerweile auch hierzulande verschiedene Wege an die Hochschulen. Die Forscher legten aber besonders strenge Maßstäbe an und fragten, inwieweit Berufserfahrung das Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss ersetzen könne.
Sie kamen zu einem erstaunlichen Ergebnis: In Deutschland hat nur jeder hundertste Student einen solchen Lebenslauf. In Großbritannien, der Schweiz oder Norwegen liegt die Quote deutlich höher.
Das soll sich allerdings ändern. Auf dem Bildungsgipfel im Oktober wollen Bund und Länder beschließen, mehr Studenten an die Hochschulen zu locken. Ein "Aufstiegspaket" solle geschnürt werden, heißt es in einem vorläufigen Konzept für den Gipfel. Die Politiker wollen demnach beschließen, dass "der allgemeine Hochschulzugang für Meister, Techniker, Fachwirte und Inhaber gleichgestellter Abschlüsse" leichter möglich wird.
Italiens Studenten: Große Mehrheit wohnt bei den Eltern
Wer einen Berufsabschluss besitzt und mindestens drei Jahre gearbeitet hat, soll einfacher mindestens einschlägige Fächer studieren dürfen. Das Ziel: deutlich mehr Studenten ohne Abitur schon in vier Jahren. Zudem könnten sich Bund und Länder darauf einigen, "die Entwicklung von praxisnahen und berufs- und ausbildungsbegleitenden Studiengängen" voranzutreiben, wie es in dem Entwurf heißt.
Werden diese Pläne Wirklichkeit, müssen sich die deutschen Hochschulen umstellen. Die Professoren wären dann mit mehr Studenten neuen Typs konfrontiert. "Bislang haben sie es mit einer vergleichsweise homogenen Gruppe zu tun", sagt Forscher Orr. Viele Studenten haben eben einen ähnlichen sozialen Hintergrund, fast alle studieren Vollzeit, und die Einkommensunterschiede zwischen ihnen sind relativ gering. Die traditionelle Universität als elitäre Gelehrtenanstalt lebt in Deutschland stärker als in anderen Ländern fort.
Vermutlich 2011 wird sich zeigen, inwieweit die deutschen Hochschulen diesen Sonderweg fortsetzen. Dann soll der nächste Report erscheinen. Die Deutschen werden dann auch sehen können, ob ihre Studentenschaft weiterhin knapp mehrheitlich männlich ist; die Bundesrepublik ist nur einer von vier Staaten mit mehr Studenten als Studentinnen. Und die Italiener, Spanier und Portugiesen werden wissen, ob sich das Paarungsverhalten dem europäischen Durchschnitt annähert und mehr Studenten in festen Beziehungen leben.
Dagegen könnte ein anderes Ergebnis der Studie sprechen. In den drei Süd-Staaten leben überdurchschnittlich viele Hochschüler noch zu Hause. Besonders die Italiener sind Muttersöhnchen, fast drei Viertel von ihnen wohnen bei den Eltern oder anderen Verwandten. Die große Mehrheit, auch das zeigt die Studie, ist damit glücklich und zufrieden.
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Guten Tag! Entschuldigen Sie mir bitte, wenn meine Frage zum Thema nicht genau passt. Koennen Sie mir bitte sagen, was das Studium an einer deutschen Uni ungefaehr kosten kann (z.B. Berliner od. Goettingener Uni). Ich studiere [...] mehr...
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Hier geht unser Prüfungsausschuß wohl einen anderen Weg. Auch im neuen Bachelorstudiengang ergehen die Noten fachweise. Abstufungen schlechter als 4,0 existieren nicht und Leistungen unterhalb dessen führen automatisch zur 5,0. [...] mehr...
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