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09.10.2008
 

Narzissten entlarvt

Egomanen führen auch nicht besser

Manches Ego ist ja groß genug für eine eigene Postleitzahl: Doch wer gerne den Chef macht, entscheidet auch nicht weiser als andere, fanden Forscher der Universität Ohio heraus. Damit nicht genug der Leader-Schelte: Sprunghafte Narzissten könnten auch an der Bankenkrise mit schuld sein.

Der Namensgeber der Narzissten trieb die Selbstliebe auf die Spitze: Selbst als Göttersohn Narziss schon in eine Osterglocke verwandelt in der Unterwelt herumstand, fand er sich noch so toll, dass er den Blick von seinem Spiegelbild im Todesfluss nicht abwenden konnte.

Wo geht's lang? Manager sind oft Narzissten - und die neigen zu Fehlern durch Übereifer
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Wo geht's lang? Manager sind oft Narzissten - und die neigen zu Fehlern durch Übereifer

Bankmanagern dürfte das gerade genauso gehen: Erstarrt stehen sie am Todesfluss und können nicht fassen, dass alles den Bach runtergeht, während sie doch weiterhin makellos und schön mit Maßanzug in einer Trümmerlandschaft stehen - von Selbstzweifeln hört man bislang nichts.

Dass Führertypen Narzissten sind, hat jetzt eine US-amerikanische Studie belegt. Chefposten werden demnach am ehesten von nach vorne stürmenden Charismatikern übernommen. Allerdings sind diese besonders egoistischen und machtbewussten Personen dafür gar nicht besser geeignet als andere Menschen.

Narzissten treffen riskante Entscheidungen

Leute mit besonders ausgeprägtem Ego, Narzissten eben, zeichnen sich laut einer Studie von Psychologen der US-Universität Ohio in Newark wie folgt aus: Sie schätzen die eigenen Fähigkeiten besonders hoch ein, kümmern sich wenig um andere Menschen und treffen riskante Entscheidungen. Das ergab ein Experiment mit Studenten und Wirtschaftsmanagern, dessen Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift "Personality and Social Psychology Bulletin" veröffentlicht wurde.

In der Studie teilten Psychologen mehr als 432 Studenten in Vierergruppen ein, die dann für eine fiktive Aufgabe gemeinsam einen Leiter unter sich auswählen sollten. Jene Teilnehmer, die besonders machtbewusst waren, strebten nicht nur am stärksten nach dieser Position, sondern wurden auch eher von den anderen als Führungspersönlichkeit angesehen.

Eine ähnliche Studie an rund 150 Managern bestätigte, dass die narzisstischen Personen auch im realen Wirtschaftsleben am ehesten die Führung in Gruppen übernehmen. Die Psychologin Amy Brunell glaubt, dass die Resultate der Studie auch einen Teil der derzeitigen Finanzmarktkrise erklären. Studien hätten gezeigt, dass Narzissten zu sprunghaften und riskanten Entscheidungen neigen, auch wenn hinter den Problemen von Regierung und Wirtschaft mehr stecke "als nur die Charaktere der Führungspersönlichkeiten."

Keine bessere Einsame-Insel-Kompetenz

Dass narzisstische Menschen nicht unbedingt die besten Entscheidungen treffen, zeigt eine dritte Untersuchung: Darin sollten sich 408 der Studenten aus der Voruntersuchung in Vierergruppen einteilen und sich vorstellen, als Schiffbrüchige auf einer unbewohnten Insel zu stranden. 15 Gegenstände, die sie vom Schiff retten konnten, mussten in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht werden, je nachdem, wie gut sie beim Überleben helfen können.

Die Auswahl der Anführer der Grüppchen wurde mit der Auswahl der anderen Studenten und einer Liste eines Experten des US-Militärs für Überlebenstraining verglichen. "Um dabei die Punkte zu vergleichen, sahen wir uns die Punktabstände zwischen den Bewertungen an", sagte Studienleiterin Amy Brunell SPIEGEL ONLINE. "Setzte der Teilnehmer das Schweizer Taschenmesser auf vier und der Experte auf zwei, nahmen wir davon die Differenz." Ergebnis: Die narzisstischen Gruppenführer trafen keine bessere Wahl als die übrigen Teilnehmer.

"Dass Narzissten Führungspositionen einnehmen, ist nicht verwunderlich", sagte Studienleiterin Amy Brunell im Gespräch mit der Fachzeitschrift. "Sie sind machtbewusst, sie sind egoistisch, und sie sind normalerweise reizend und extrovertiert. Das Problem ist nur, dass sie nicht unbedingt bessere Anführer sind."

cht/AP

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