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27.10.2008
 

Ökowelle an US-Unis

Duschen mit Stoppuhr

von Gregor Peter Schmitz

2. Teil: Der Uni-Präsident schaut auf einen Veggie-Burger vorbei - und eine grüne Miss Rhode Island wirbt auf YouTube

Ihre Erfahrungen berichten Brown und seine Mitbewohner anderen Studenten bei Seminaren und Führungen durchs Haus. Zu ihren Grillfesten - mit vegetarischen Hamburgern - kommt der Uni-Präsident. Beim letzten Mal hat er seine Tochter mitgebracht, aus pädagogischen Gründen - sie lässt zu Hause immer das Licht brennen.

Auch sonst ist das Interesse enorm: Brown beantwortet Fragen zum Haus längst routiniert wie ein Pressesprecher, so viele Medienanfragen hat er schon gemeistert. Sechs US-Unis haben schon angefragt, ob sie das Oberlin-Experiment nachmachen dürfen. Oberlin plant bereits ein zweites SEED-Haus.

Woher kommt diese Bereitschaft, der Umwelt zuliebe ungeduscht ins Seminar zu gehen? Den Winter im Wollpulli am Schreibtisch zu verbringen? Woher die Radikalität, mit der die umweltbewegten Jungakademiker die europäischen Ökos der Achtziger fast in den Schatten stellen?

"Niemand wartet mehr auf die Regierung", sagt Peter Goldmark vom einflussreichen Environmental Defense Fund. Auf anderen Ebenen tue sich dagegen sehr viel, weil die jüngeren Leute sich in der Pflicht sähen. "Der Klimaschutz hat für diese Generation eine Bedeutung wie in den sechziger Jahren die Bürgerrechtsfrage", sagt Brianna Cayo Cotter von der Energy Action Coalition, einem Zusammenschluss von rund 50 Organisationen.

Bestens organisierte Ökos mit landesweitem Netzwerk

Cotter gehörte zu den Organisatoren eines Treffens an der University of Maryland, bei dem vor einem Jahr mehr als 5500 Studenten ein ganzes Wochenende lang Klimaschutz und mögliche Lösungen diskutierten.

Die Uni-Ökos sind alles andere als ein chaotischer Haufen. Sie sind organisiert, sie haben Geld und öffentliche Unterstützung - zumindest an den mehrheitlich liberalen Unis.

In Harvard ist die Initiative strukturiert wie eine Elite-Einheit: 24 Festangestellte arbeiten in dem Büro, kaum einer ist älter als 30, dazu kommen 20 Studenten, die in den Wohnheimen ihre Kommilitonen zum Ökoleben anstiften sollen. Die Mitarbeiter der Initiative organisieren das Recycling, die Biodiesel-Busse auf dem Campus und kümmern sich um die Solarzellen auf den Gebäuden.

Mit dem Zimmerschlüssel fürs Wohnheim bekommen Erstsemester auch gleich Umwelttipps in die Hand gedrückt - und die Ausschreibung zum Green Cup, dem jährlichen Wettbewerb um das umweltfreundlichste Wohnheim auf dem Campus.

Zwölf Millionen Dollar stellt Harvard allein jedes Jahr als Kredit für neue Ökoideen zur Verfügung. "Aber langfristig trägt sich das Programm selbst", glaubt Brandon Geller. "Wir haben unseren CO2-Ausstoß um 80 Prozent reduziert. Das spart der Uni jedes Jahr sieben Millionen Dollar."

Miss Rhode Island preist Recycling

Und doch: Die Aktivisten wissen um die Hürden. "Viele Kommilitonen sind sehr interessiert. Aber oft hört man auch, ein kleiner Beitrag könne eh nix verändern", sagt Lucas Brown. Das frustriert ihn, doch Indoktrination sei nicht die Lösung. "Wir hoffen, dass Leute das hier sehen, es gut finden - und ihren Freunden davon erzählen."

Brandon Geller kann seine Überzeugungskraft schulen, wenn er nach Hause fährt. Seine Familie lebt in Oklahoma, einem sehr konservativen US-Bundesstaat. "Mein Vater glaubt nicht einmal, dass es den Klimawandel wirklich gibt." Auch seine Freunde dort können mit der Berufsbezeichnung eines Umweltberaters wenig anfangen. Denen erzählt er lieber, dass eine seiner Vorgängerinnen ihren Ökojob in Harvard geschmissen hat, weil sie zur Miss Rhode Island gewählt wurde - das beeindruckt selbst in Oklahoma.

"Und irgendwie dient das ja auch dem Umweltschutz", sagt Brandon und grinst. "Sie nutzt den Titel nämlich, um Reden zum Klimawandel zu halten. Und sie hat ein eigenes YouTube-Video - in dem sie Recycling preist."

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insgesamt 19 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.12.2008 von Tarja13:

Deutsche Unis sind mehrheitlich extrem ökologisch, denn sie bauen sich seit Jahrzehnten von selbst ökologisch ab, weil die Politik nichts gegen marode Uni-Gebäude unternimmt, auch dort nicht, wo sie den Studenten Gebühren für [...] mehr...

07.11.2008 von thawonda:

Was wird denn an den Unis verschwendet? Ist eh schon kein Geld da. mehr...

30.10.2008 von inci:

und selbst wenn das ginge. des resultat dürfte dann auch sein, daß es eben keine unis (oder nur noch sehr wenige) gäbe, denn in einem agrarstaat wird jede hand an der knolle, und nicht an der maus benötigt. es sei denn es [...] mehr...

29.10.2008 von MarkH: ooo

ökologische Unis machen nur Sinn, wenn wir uns auf einen Agrarstaat herunterfahren. das geht aber nicht mehr nach Landreform in den 60/70er Jahren mehr...

28.10.2008 von inci:

aber das ist doch ganz einfach. energiesparlampen sind weltweit ein gigantisches geschäft, das sich auch die weniger vermögenden leisten können (und wohl auch irgendwann müssen). daß dann aber bei vielen die gesichter lang [...] mehr...

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