Berlin - Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat dafür geworben, Jungen und Mädchen teilweise getrennt zu unterrichten. "In einzelnen Fächern in bestimmten Altersstufen kann getrennter Unterricht von Jungen und Mädchen durchaus sinnvoll sein. In manchen Bundesländern sehen die Schulgesetze diese Möglichkeit auch vor", sagte die CDU-Politikerin kurz vor dem Bildungsgipfel an diesem Mittwoch dem "Hamburger Abendblatt".
Sie begründete ihre Forderung mit dem unterschiedlichen Lernverhalten von Jungen und Mädchen. Gerade in Naturwissenschaften oder Sprachen gelinge es "nicht immer, Jungen und Mädchen in gleicher Weise anzusprechen". Das liege an einer "gewissen Schwellenangst". Unterricht müsse "so angelegt sein, dass Jungen und Mädchen gleichermaßen Zugang finden. Wo getrennter Unterricht das besser leiste, kann man ihn vorziehen."
Vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern in Dresden verteidigte Schavan die Einführung von Studiengebühren in mehreren unionsregierten Bundesländern in den vergangenen zwei Jahren. "Die Beiträge zum Studium stärken die Weiterentwicklung der Hochschulen. So werden sie auch von den meisten Studierenden wahrgenommen", sagte die Ministerin. Studiengebühren seien auch international üblich. Haushalte von Hochschulen könnten nicht nur aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert werden.
Schavan verteidigt Vorgehen bei Studiengebührenstudie
Eine seit mehreren Wochen im Bundesbildungsministerium vorliegende Studie zu den Auswirkungen von Studiengebühren war zu Wochenbeginn in Teilen öffentlich geworden. Demnach haben sich 2006 bis zu 18.000 Abiturienten wegen der drohenden finanziellen Belastung durch Studiengebühren gegen den Besuch einer Hochschule entschieden. Im Anschluss daran war Kritik an den Gebühren laut geworden - und an der Ministerin, die die Studie vor dem Bildungsgipfel nicht veröffentlichen wollte. Gebührengegner forderten, den Obolus von bis zu 500 Euro pro Semester abzuschaffen, darunter der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck.
Das Bildungsministerium entgegnet den Kritikern, die Studie zeige in Kombination mit einer weiteren Untersuchung, dass die Gebühren in Wahrheit nur wenige junge Menschen vom Studium abschrecken. Außerdem sei in den Bundesländern, in denen Studiengebühren erhoben werden, die Zahl der Studienanfänger jetzt deutlich gestiegen.
Die Ministerin nannte den Vorwurf der SPD, sie habe unliebsame Erkenntnisse über Studiengebühren unterdrückt, falsch und leicht durchschaubar. "Die SPD wusste, dass es zwei Studien gibt, die gemeinsam präsentiert werden. Das geschieht, sobald die zweite Studie fertiggestellt ist. Es gibt auch keinen Grund, angesichts der Ergebnisse die Studien zurückzuhalten."
Die Hannoveraner Bildungsforscher des Hochschul-Informations-Systems (HIS) bestätigten am Dienstagabend die am Montag bekannt gewordenen Ergebnisse ihrer Untersuchung: "Überdurchschnittlich ausgeprägt ist der Studienverzicht bei Frauen und Kindern aus hochschulfernen Elternhäusern", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme.
Schavan will bundesweit vergleichbares Abitur
Schavan wies im "Abendblatt" außerdem Forderungen einiger Bundesländer nach mehr Geldern für Bildungsinvestitionen zurück. "Wir werden den Forderungen nach Umsatzsteueranteilen nicht nachkommen." Im Vordergrund des Bildungsgipfels stehe der "Konsens über Inhalte und Ziele der Weiterentwicklung des Bildungssystems".
Stark machen will sich Schavan für ein bundesweit vergleichbares Abitur: "Ein Wechsel eines Schülers in ein anderes Bundesland darf nicht zum Fiasko werden", sagte sie der "Mittelbayerischen Zeitung". "Es wäre viel gewonnen, wenn wir uns darauf einigen könnten, was ein 18-Jähriger in der Schule gelesen haben sollte." Den Bildungsgipfel in Dresden nannte die Ministerin "eine Etappe auf dem Weg zur Bildungsrepublik".
Sie kündigte außerdem an, Bund und Länder würden sich auf Maßnahmen zur Stärkung der frühkindlichen Bildung und auf die Halbierung der Abbrecherzahlen an Schulen, Hochschulen und in der Berufsausbildung verständigen. Das werde "zu mehr Chancen und mehr Durchlässigkeit des Bildungssystems führen."
cht/dpa/AFP
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