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Numerus clausus Uni-Flucht über die grüne Grenze

2. Teil: Spottgesänge beim Fußball: "Ohne Numerus clausus wärt ihr gar nicht hier!"

In Österreich, dem traditionellen Zielland deutscher NC-Flüchtlinge, waren die Studiengebühren mit 726,72 Euro pro Jahr vergleichsweise niedrig, jetzt werden sie fast vollständig abgeschafft. Doch anders als in den ärmeren östlichen Ländern ist in der Alpenrepublik der Zuzug der "Piefkes" ein Politikum.

Deshalb erfand Österreich, um deutsche Medizinstudenten fernzuhalten, eigens eine Vorfahrtsregelung für Einheimische: Seit 2006 reserviert eine Schutzquote drei Viertel der Medizin-Studienplätze für Österreicher, 20 Prozent für andere EU-Bürger und 5 Prozent für Nicht-EU-Bürger.

Zwar schneiden die Deutschen im Schnitt besser ab bei den Zulassungstests fürs Medizinstudium in Wien, Innsbruck oder Graz, aber davon ließen sich die Österreicher nicht beirren, auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2005, das auf mehr Offenheit pochte, haben sie durch neue Zulassungsbeschränkungen umgangen.

Frotzeleien, aber keine echte Feindseligkeit

Nur noch wenige deutsche Medizinstudenten kommen seither in Österreich unter. Einer ist der Kölner Sandro Coenzler, 26. Trotz der Konkurrenz fühlt sich der Kölner dort wohl. Über die Deutschen werde zwar an der Uni viel gewitzelt, echte Feindseligkeit gebe es aber nicht. Die Frotzeleien seien eher harmlos, wie beim gemeinsamen öffentlichen Fernsehschauen der Studenten beim EM-Spiel Österreich gegen Deutschland im Sommer. Da sangen die Österreicher gegen die Deutschen an: "Ohne Numerus clausus wärt ihr gar nicht hier!"

Auch Nichtmediziner zieht es ins Gastgeberland 2008 - für sie gilt die fragwürdige Quotenregelung nicht. So finden sich unter den aktuellen Erstsemestern in Psychologie an der Uni Salzburg nur etwa ein Drittel Österreicher - der Rest stammt zum großen Teil aus Deutschland. "Für mich war die Grenznähe sicher ausschlaggebend", sagt Sarah Huneke, 23, die seit 2006 in Salzburg Psychologie studiert, ein Fach, das in Deutschland mit hohem NC belegt ist.

Auch im grenznahen Innsbruck dominieren die Deutschen. In beiden Städten haben sich Gemeinden deutscher Exilanten gebildet. "Am Anfang sucht man neue Kontakte, und das machen eben vor allem Deutsche", sagt Huneke, "Österreicher kommen aus der Gegend und kennen schon Leute." So erklärt sie, dass auch sie sich vornehmlich in einer Clique von NC-Flüchtlingen bewegt.

NC-bedingter Anstieg der Mieten

Der Ansturm der Deutschen wirkt sich sogar auf den Wohnungsmarkt aus: Die Mieten für WG-taugliche Wohnungen und Single-Apartments sind in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen. Der Salzburger Immobilienmakler Wolfgang Stocker schätzt den "NC-bedingten" Preisanstieg auf 10 bis 15 Prozent, es gebe sogar schon Wohnungsbörsen speziell für deutsche Studenten in Österreich. Zumeist, sagt er, bezahlten direkt die Eltern für die Bude ihres Kindes.

Mancherorts werden die potentiellen Mediziner aus Deutschland sogar umschwärmt - von privaten Unis. Die Medizinische Privatuniversität Paracelsus in Salzburg, eine Boutique-Uni für 42 Studenten pro Jahrgang, wirbt mit einem kurzen Studium: In nur fünf Jahren will die Hochschule mehr Inhalte vermitteln als die öffentlichen Mitbewerber in sechs, Auslandsaufenthalt inklusive.

Wie das gehen soll? Mit verkürzten Ferien und intensiver Betreuung der Studierenden in kleinen Lerngruppen. Die Studiengebühren belaufen sich auf 9530 Euro pro Jahr, im Juli konnte Paracelsus die ersten promovierten Absolventen ins Berufsleben verabschieden. "Etwa ein Viertel unserer Studenten sind Deutsche, davon 30 bis 40 Prozent NC-Flüchtlinge", berichtet Gottfried Stienen von der Paracelsus Universität.

Budapester Uni-Filiale in Hamburg

Im Herbst 2009 wollen zwei ähnliche Hochschulen den Betrieb aufnehmen: Die öffentliche Donau-Universität Krems will in Niederösterreich einen privaten Medizin-Ableger für ebenfalls etwa 40 Studierende gründen. Und in Wien plant die heute auf Psychotherapie und Psychologie spezialisierte Sigmund Freud Privatuniversität, ihren Schwerpunkt auf Humanmedizin auszuweiten, mit Platz für etwa 80 Studenten pro Jahrgang.

Den neuesten Coup landete die Semmelweis Universität in Budapest, als ehemalige Devisenbeschafferin eine etablierte Kraft im Wettbewerb um ausländische Studenten. Die findigen Ungarn gründeten in Zusammenarbeit mit den Asklepios Kliniken einen neuen Ableger - im Hamburger Stadtteil St. Georg.

Dort absolvieren seit dem Wintersemester 28 Studenten für 7200 Euro Gebühren pro Semester die bewährte Medizinerausbildung made in Hungary. Keiner von ihnen musste sein Heimatland dafür verlassen - alle sind Deutsche.

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