Von Sebastian Wieschowski
Sie stellen fest, ob eine identische Diplomarbeit bereits vor fünfzehn Jahren abgegeben wurde. Auch einzelne Satzfragmente können sie wiedererkennen, und sogar umformulierte Passagen sollen vor ihnen nicht sicher sein - intelligente Programme zur Plagiatserkennung gelten als Alptraum vieler Studenten.
Um die Fähigkeiten der Software ranken sich Legenden. Dabei hatten Wissenschaftler der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin im vergangenen Jahr festgestellt, dass die Kopienerkenner in Wahrheit zahnlose Tiger sind. Bei einem neuerlichen Test stellten die Fälschungs-Forscher jedoch fest, dass die Programme inzwischen ein bisschen gefährlicher geworden sind.
"Die Systeme haben sich deutlich verbessert", sagt Debora Weber-Wulff, Professorin für Internationale Medieninformatik. "Während man bis vor kurzem genau so gut eine Münze hätte werfen können, vermochten die guten Softwareprodukte jetzt mindestens 75 Prozent der Testfälle richtig zu erkennen. Da immer mehr Dozenten googeln, sollten sich die Plagiatoren vorsehen."
Die getesteten Programme vergleichen digital vorliegende Inhalte mit Texten aus dem Internet oder mit internen Datenbanken oder leisten beides. Dabei suchen sie nach Übereinstimmungen, melden Verdächtiges und versuchen am Ende eine Antwort auf die Frage zu geben, ob es sich bei dem vorliegenden Text um ein Plagiat handelt oder nicht.
Der Versuchsaufbau gibt ganz nebenbei auch einen Einblick in den unübersichtlichen Markt der Plagiatserkenner: 24 Softwareprodukte haben die Berliner Forscher unter die Lupe genommen. Und die Dienste gehen bei der Recherche nicht identisch vor: "Manche errechnen eine Art Fußabdruck zum gesamten Text, andere suchen mehr oder weniger große Abschnitte vom Text mit einer Suchmaschine. Die meisten Programme stören sich aber nicht daran, ob Wörter vertauscht sind oder ein Wort fehlt oder dazugenommen worden ist. Solche Bearbeitungen fliegen schnell auf", sagt Debora Weber-Wulff.
"Man muss sich auf seine Intuition verlassen"
Deshalb haben die Berliner Softwaretester in diesem Jahr erstmals systematisch Tests zur Erkennung von sogenannten "Kollusionen" vorgenommen. Dahinter verbrgen sich Betrugsversuche mittels bereits existierender Arbeiten, die leicht modifiziert und dann als eigene Arbeit abgegeben werden.
Auch wenn Softwaretesterin Debora Weber-Wulff den Schummel-Schnüfflern noch immer kein gutes Zeugnis ausstellt, sollten Studenten die Fähigkeiten der Programme ernst nehmen: "Wenn die Quellen der unter Plagiatsverdacht stehenden Abschlussarbeit auch im Internet verfügbar sind, ist es für die Programme kein Problem, die Texte zu erfassen und Überschneidungen festzustellen", sagt Weber-Wulff.
Problematisch wird es hingegen, wenn für eine Software eine eigene Datenbank mit wissenschaftlichen Arbeiten angelegt werden muss. Denn wenn Studenten eine Arbeit beim Dozenten abgeben, erklären sie sich nicht automatisch damit einverstanden, dass ihre Werke digital weiterverarbeitet werden. Nicht umgehen können alle Programme zudem mit Plagiaten aus Büchern oder Übersetzungsplagiaten: "Da hilft nur ein aufmerksamer Dozent", erklärt Weber-Wulff.
Absteiger des Jahres ist der Studie zufolge das deutsche Produkt "Plagiarism-Finder", das in der Vergangenheit immer wieder gelobt und 2004 noch als Testsieger gefeiert wurde. Seitdem hat die Konkurrenz stark aufgeholt - und überholt. "Das System liefert unterschiedliche Ergebnisse, teilweise stieg die gemeldete Plagiatsquote in kurzer Zeit von 43 auf 80 Prozent - bei identischer Quelle", berichtet Debora Weber-Wulff.
Doch nicht nur beim "Plagiarism-Finder", auch bei allen anderen Programmen gilt weiterhin: "Man muss sich auf seine Intuition als Lehrkraft verlassen - ist der Autor dazu in der Lage, so zu schreiben? Gibt es irgendetwas Seltsames an diesem Aufsatz?", rät Debora Weber-Wulff. Deshalb können Dozenten durchaus einem Verdacht mit der nächstbesten Suchmaschine nachgehen. Sie sollten sich aber nicht unbegrenzt auf die maschinelle Suche verlassen - sondern lieber selbst hingucken.
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