Jetzt ist es amtlich: Noch nie haben in Deutschland so viele junge Menschen ein Studium aufgenommen wie im Jahr 2008. Das Statistische Bundesamt ermittelte 385.500 Erstsemester, damit besuchen gute 39 Prozent eines Altersjahrgangs eine Universität oder Fachhochschule.
Besonders die Fachhochschulen verzeichnen in diesem Herbst starken Zulauf: Die Zahl der Neueinschreibungen stieg an den im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent - dagegen legten die Universitäten nur um drei Prozent zu. Im Mittel kletterte die Zahl der Studienanfänger um sieben Prozent.
Mit dem aktuellen Rekord ist die Quote der Studienanfänger eines Altersjahrgangs noch höher ausgefallen als zuvor angenommen. In den letzten Jahren entwickelte sich die Quote allerdings uneinheitlich. Der bisherige Rekord datierte aus dem Jahr 2003: Damals nahmen 38,3 Prozent eines Jahrgangs ein Studium auf, das waren rund 377.000 Studienanfänger. Bis 2006 fiel die Quote stetig auf 35,9 Prozent, kletterte zum Jahr 2007 allerdings wieder auf 37,2 Prozent.
Mehr als zwei Millionen Studenten in Deutschland
Die Gesamtzahl der Studenten an deutschen Universitäten und Fachhochschulen knackte durch den Boom bei den Neueinschreibungen wie erwartet die Zwei-Millionen-Marke. Dieser Wert war zuletzt vor fünf Jahren erreicht worden. Sieben von zehn Studenten besuchen eine Universität, nur ein knappes Drittel der Studenten in Deutschland studiert an einer FH.
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erklärt den Zuwachs mit vier Gründen. Verantwortlich seien vor allem...
Zum letzten Punkt sagte Thomas Feuerstein, Hochschulexperte beim Statistischen Bundesamt: "Wir vermuten, dass wegen der verschlechterten Arbeitsmarktlage mehr Abiturienten anfangen zu studieren." Mit der aktuellen Quote sei die politische Zielvorgabe, 40 Prozent eines Jahrgangs an die Hochschulen zu bringen, beinahe erreicht, sagte Feuerstein.
| Erstsemester an deutschen Hochschulen 1998 bis 2008 | |||
| Jahr | Anzahl | Anfänger-Quote* | Trend |
| 1998 | 271.999 | 29,2 | ![]() |
| 1999 | 290.983 | 31,7 | ![]() |
| 2000 | 314.539 | 33,6 | ![]() |
| 2001 | 344.659 | 36,6 | ![]() |
| 2002 | 358.792 | 38,3 | ![]() |
| 2003 | 377.395 | 38,3 | ![]() |
| 2004 | 358.704 | 37,1 | ![]() |
| 2005 | 355.961 | 36,9 | ![]() |
| 2006 | 344.822 | 35,9 | ![]() |
| 2007 | 358.673 | 35,9 | ![]() |
| 2008 | 385.500 | 39,3 | ![]() |
| *Anteil am Altersjahrgang Quelle: Bildung in Deutschland 2008 |
|||
Mit diesem Pakt, den Bund und Ländern vor zwei Jahren nach zähem Ringen beschlossen haben, entstanden 90.000 zusätzliche Studienplätze. Denn entscheidend ist nicht allein, ob Abiturienten studieren wollen, sondern mehr noch, ob sie es auch dürfen - ob also die Bundesländer für genügend Kapazitäten sorgen.
Ulla Burchardt (SPD), Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, sagte, der Anstieg bei den Studienanfängern sei zwar erfreulich, aber "bei weitem nicht genug". Bund und Länder müssten sich schnell über die Fortsetzung des Hochschulpakts einig werden. Bislang haben sich das Bundesbildungsministerium und die Länder lediglich verständigt, bis zum Jahr 2015 insgesamt 275.000 weitere Plätze zu schaffen - ums Geld soll es erst im Frühjahr 2009 gehen.
Die Rektoren forderten drei Milliarden mehr pro Jahr
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) forderte angesichts des Erstsemesterrekords von der Politik, den Hochschulpakt bis zum Jahr 2020 besser auszustatten. Für einen neuen Hochschulpakt seien drei Milliarden Euro jährlich nötig, das entspricht 36 Milliarden Euro in den kommenden zwölf Jahren. Die Hochschulen hätten sich bislang nicht gut auf den Ansturm vorbereiten können, die Politik habe die notwendigen Ausgaben klein gerechnet, kritisierte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel.
Das Deutsche Studentenwerk (DSW) betonte, es dürfe nicht bei einem "Zwischenhoch" bleiben. Um die geburtenstarken Jahrgänge und die doppelten Abiturjahrgänge in hohe Studienanfängerzahlen zu übertragen, müssten Bund und Länder die Hochschulen und Studentenwerke nachhaltig ausbauen.
"Die deutsche Hochschulpolitik darf jetzt nicht die Hände in den Schoß legen", sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde. Verglichen mit dem bisherigen Rekordjahr 2003 sei die Zahl der Erstsemester lediglich um 2,1 Prozent gestiegen, während aber die Zahl der Zugangsberechtigten fast 20 Prozent höher liege, so Meyer auf der Heyde.
Der Dachverband der Studentenvertretungen fzs kritisierte die Studienanfängerquote von 39,3 Prozent als im internationalen Rahmen zu gering. Im OECD-Durchschnitt nähmen 56 Prozent eines Jahrgangs ein Studium auf.
Den stärksten Zuwachs unter den Bundesländern verzeichnen das Saarland (plus 15 Prozent), Brandenburg und Hessen (plus 14 Prozent) sowie Hamburg (plus zwölf Prozent). Nur in Sachsen und Bremen sank die Zahl der Studienanfänger im Vergleich zum Vorjahr leicht. Ein Schwerpunkt der Erhebung lag auf den technischen Studienfächern, hier gab es einen besonders deutlichen Zustrom der Erstsemester in den Bereichen Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie Bauingenieurswesen mit elf Prozent.
cht, AP/AFP/dpa
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