Es werden mehr, aber es sind noch immer wenige: Stipendiaten - jene ausgewählten Studenten, die weder aufs Bafög angewiesen sind noch aufs Jobben, weil sie Geld von einem der elf Begabtenförderungswerke bekommen. Zwar haben im Jahr 2008 so viele Studenten wie nie zuvor in Deutschland ein solches Stipendium bekommen. Doch ist der Kreis der Geförderten nach wie vor sehr klein.
Gerade mal 20.765 Studenten wurden von den großen Förderwerken unterstützt, wie die Bundesregierung mitteilte. Bei knapp zwei Millionen Studenten entspricht das einem Anteil von 1,1 Prozent, etwa jeder Hundertste bekommt also ein Stipendium. Immerhin: Das sind rund 7000 Stipendiaten mehr als noch vor drei Jahren. Rechnen man andere Geldgeber, darunter viele kleinere Stiftungen, zusammen, bekommen rund zwei Prozent der deutschen Studenten Stipendien.
Ein Großteil der Stipendiengelder stammt aus dem Bundeshaushalt. Die Bundesregierung beziffert die Ausgaben im Jahr 2008 auf 113 Millionen Euro - und kündigt für 2009 noch einmal 20 Millionen mehr an, insgesamt also 132 Millionen Euro.
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, die Bundesregierung habe "beispielhafte Vorleistungen" erbracht. Zugleich appellierte sie an die Wirtschaft, "gerade in Krisenzeiten" mehr in die Bildung zu investieren. "Wir hoffen sehr, dass dies von anderen als Signal aufgefasst wird, ihrerseits die Anstrengungen zu intensivieren."
Förderwerke bauen Aufnahmeverfahren radikal um
Zu den bekanntesten Stipendiengebern gehören die Studienstiftung des deutschen Volkes, aber auch kirchliche Organisationen oder parteinahe Stiftungen. Die großen Förderwerke zahlen den Studenten bis zu 585 Euro pro Monat. Wer den Doktor macht, kann sogar bis zu 1050 Euro bekommen. Die genaue Höhe des Stipendiums richtet sich wie beim Bafög nach dem Einkommen der Eltern. Im Unterschied zum Bafög muss das Geld später aber nicht zurückgezahlt werden.
Obendrauf gibt es ein Büchergeld von 80 Euro - unabhängig davon, wieviel die Eltern verdienen. Dazu kommen oft Seminare und die Förderung durch Mentoren und Ratgeber.
Um mehr Studenten den Zugang zu Stipendien zu ermöglichen, bauen die Stiftungen ihre Aufnahmeverfahren um. Bei der Studienstiftung des deutschen Volkes können sich Studenten ab 2009 selbst bewerben - bisher mussten sie vorgeschlagen werden.
Die SPD-nahe Ebert-Stiftung bietet seit einem Jahr ein Stipendium auf Probe an, für das sich schon Abiturienten bewerben können. Ähnliche Programme gibt es von der liberalen Naumann-Stiftung und der CSU-nahen Seidel-Stiftung.
Trotz der Angebote gilt für die meisten Studenten allerdings weiterhin: Sie müssen ihr Studium auf herkömmliche Weise finanzieren - durch Nebenjobs, Geld der Eltern oder Bafög.
otr/dpa
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