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10.01.2009
 

Vertraulicher Bericht

Finanznot von Privatuni Witten schlimmer als bekannt

Die älteste Privatuniversität Deutschlands ist in großer Geldnot - ein vertraulicher Bericht zeigt das verheerende Ausmaß. Selbst wenn die Hochschule Witten/Herdecke ihren gesamten Besitz verkaufen würde, könnte sie kaum die Schulden decken, schreiben Wirtschaftsprüfer in einem Gutachten.

Offenbar ist die Finanzlage der Universität Witten/Herdecke noch dramatischer als bislang bekannt. In einem vertraulichen Bericht im Auftrag der Universität empfehlen Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, "umgehend" den Liquidationswert von Deutschlands ältester Privatuniversität zu ermitteln.

Die Prüfer gehen "tendenziell davon aus", dass der Verkaufswert sämtlichen Besitzes der Hochschule nicht ausreichen würde, "eine Unterdeckung unter Überschuldungsgesichtspunkten" zu verhindern, heißt es dazu in dem Papier, das bei einem Krisentreffen am 5. Januar im Düsseldorfer Wissenschaftsministerium präsentiert wurde.

Das Land hatte kurz vor Weihnachten Zuwendungen in Höhe von 4,5 Millionen Euro für das Jahr 2009 gestoppt und überdies drei Millionen Euro für 2007 zurückverlangt. Sollte das Land seine Zuschüsse nicht weiter zahlen, würde laut Bericht zudem "planerisch (…) mit der Fälligkeit der Februar-Gehälter" eine "Liquiditätsunterdeckung eintreten".

Der Sprecher der Privatuniversität, Ralf Hermersdorfer, wollte sich "zu vertraulichen Gutachten nicht äußern". Indessen hat der Trägerverein des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke 15 Prozent der Gesellschafteranteile der Privatuni gekauft, was der notleidenden Hochschule aber nur eine Finanzspritze von 1,9 Millionen Euro bringt.

Millionenlöcher in den kommenden Jahren

Mit einer nächtlichen Krisensitzung zwei Tage vor Heiligabend hatte die unmittelbar drohende Insolvenz gerade noch abgewendet werden können. Aus dem Kreis von drei "potentiellen strategischen Partnern" wurde die Zahlungsfähigkeit zunächst gesichert. Seitdem verhandelt die stark angeschlagene Hochschule weiter mit dem Gesundheits- und Bildungskonzern SRH Holding. der Darmstädter Software AG Stiftung sowie dem Gemeinnützigen Verein zur Entwicklung von Gemeinschaftskrankenhäusern Herdecke.

Für den 22. Januar wurde eine neuerliche Sitzung im Düsseldorfer Wissenschaftsministerium anberaumt. Welchen enormen Finanzbedarf die Privatuniversität hat, zeigt das 29 Seiten starke Gutachten deutlich. In der Businessplanung für die nächsten Jahre offenbart es Millionenlöcher: 2.938.000 Euro im Jahr 2009, 5.491.000 für 2010 und sogar 8.140.000 für 2011.

Bereits in diesem Jahr sollen die Personalkosten stark sinken und die Beiträge der Studenten steigen. Die Businessplanung geht bis 2011 von einer Verdoppelung der Studiengebühren im Vergleich zum Geschäftsjahr 2007/08 aus. Das alles reicht indes nach Auffassung der Wirtschaftsprüfer nicht, um die "Liquiditätsunterdeckung" zu beseitigen.

abr/jol

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