Von Dorothee Fricke
Die großen Technischen Universitäten, die sich unter dem Label TU9 zusammengeschlossen haben, wollen hingegen möglichst alle eigenen Bachelor-Absolventen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften zum Master zulassen. Horst Hippler, Rektor der Uni Karlsruhe und Sprecher der TU9, fordert, dass der Master in diesen Fächern an den Unis zum Regelabschluss wird.

Bachelor, und dann? Besonders in Wirtschaftswissenschaften herrscht beim Masterstudium mehr Nachfrage als Angebot
"Mit Bachelor ist man kein Ingenieur", sagt der entschiedene Gegner von Quoten und Kapazitätsverordnungen. "Ich kann es zwar nicht garantieren, gehe aber davon aus, dass wir jedem unserer Bachelor einen Master-Studienplatz anbieten können." Studenten, die ihren Bachelor an einer Fachhochschule oder Universität gemacht haben, die nicht zum Kreis der TU9 zählt, müssen sich jedoch auf harte Auswahlverfahren einstellen.
Lehrämtler sind mit einem Bachelor aufgeschmissen
Die Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure haben mit einem Bachelor, anders als Horst Hippler das sieht, durchaus Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wer hingegen in eine Branche strebt, die für Bachelor-Absolventen bisher kein Berufsbild vorsah, dürfte jetzt auf der Strecke bleiben. Das gilt zum Beispiel für Lehramtsstudenten.
Versuche, eine neue Stufe des Pädagogen light einzuführen, scheiterten bisher kläglich. An der Uni Hannover gilt, dass Bewerber für die Master-Studiengänge im Lehramt eine Gesamtnote von mindestens 2,5 benötigen. Durch eine besondere Gewichtung bestimmter Module kann die Note möglicherweise verbessert werden. Im vergangenen Wintersemester wurden im Auswahlverfahren für das Lehramt Gymnasium fünf Kandidaten abgelehnt, weil sie die Mindestnote trotz der Möglichkeit zur Verbesserung nicht erreicht hatten.
Birgit Bargmann-Reineke, Referentin für Lehre im Präsidialstab der Uni Hannover, ist bewusst, dass der Berufseinstieg für diese Kandidaten nicht einfach sein wird. Das gelte aber für alle Bachelor-, Diplom- und Magister-Kandidaten, die die Universität mit schlechten Noten verließen. "Immerhin können die Bachelor-Absolventen einen Abschluss nachweisen, der die im Studium erworbenen Kompetenzen für Arbeitgeber sehr genau belegt", so Bargmann-Reineke. "In den bisherigen Studiengängen konnten Lehramtsstudierende, die das Studium abbrachen, weil sie bestimmte Scheine oder die Zwischenprüfung nicht schafften, bei ihrer Bewerbung um eine Stelle Arbeitgebern nur ein Sammelsurium von häufig unbenoteten Bescheinigungen über erbrachte Studienleistungen vorlegen."
Oft hilft es schon, mit dem Anwalt zu drohen
Andreas Keller von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) befürchtet, dass die Zugangsbeschränkung im Master bereits auf Abiturienten eine abschreckende Wirkung hat: "Wir brauchen ein bundesweites Hochschulzugangsgesetz ohne zusätzliche Hürden für das Master-Studium."
Auch in Potsdam wollen die Studenten weiter für den freien Zugang zum Master kämpfen: Rückhalt bekommen sie durch ein Rechtsgutachten des Münsteraner Anwalts Wilhelm Achelpöhler. Dieser geht davon aus, dass pauschale Beschränkungen, etwa über Mindestnoten, nicht mit dem im Grundgesetz (Artikel 12) verankerten Recht auf freie Berufswahl und freie Wahl der Ausbildungsstätte vereinbar ist. Im Auftrag des Potsdamer Asta prüft Achelpöhler derzeit die entsprechenden Studienordnungen. "Damit wollen wir die Uni-Leitung zum Einlenken bringen", so Studentenvertreter Florian Piepka. Wenn das nicht hilft, will der Asta möglicherweise vor Gericht ziehen und in einem sogenannten Normenkontrollverfahren die Verfassungsmäßigkeit der Regelungen prüfen lassen.
Wilhelm Achelpöhler rät betroffenen Studenten in jedem Fall dazu, eine Ablehnung fürs Master-Studium nicht klaglos zu akzeptieren. "Wichtig ist, dass man auf sich aufmerksam macht." Oft nutze es bereits, sich an die Studentenvertretung zu wenden und mit rechtlichen Schritten zu drohen. Der Anwalt ist sich sicher: In naher Zukunft werden die ersten Bachelors gegen ihre abgelehnte Zulassung fürs Master-Studium klagen. "Die Chancen, dass sie Recht bekommen, stehen nicht schlecht."
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