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Neue Uni-Abschlüsse Wenn der Bachelor zur Sackgasse wird

2. Teil: Hoffnung für Techniker? "Mit Bachelor ist man kein Ingenieur."

Die großen Technischen Universitäten, die sich unter dem Label TU9 zusammengeschlossen haben, wollen hingegen möglichst alle eigenen Bachelor-Absolventen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften zum Master zulassen. Horst Hippler, Rektor der Uni Karlsruhe und Sprecher der TU9, fordert, dass der Master in diesen Fächern an den Unis zum Regelabschluss wird.

Bachelor, und dann? Besonders in Wirtschaftswissenschaften herrscht beim Masterstudium mehr Nachfrage als Angebot
DPA

Bachelor, und dann? Besonders in Wirtschaftswissenschaften herrscht beim Masterstudium mehr Nachfrage als Angebot

"Mit Bachelor ist man kein Ingenieur", sagt der entschiedene Gegner von Quoten und Kapazitätsverordnungen. "Ich kann es zwar nicht garantieren, gehe aber davon aus, dass wir jedem unserer Bachelor einen Master-Studienplatz anbieten können." Studenten, die ihren Bachelor an einer Fachhochschule oder Universität gemacht haben, die nicht zum Kreis der TU9 zählt, müssen sich jedoch auf harte Auswahlverfahren einstellen.

Lehrämtler sind mit einem Bachelor aufgeschmissen

Die Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure haben mit einem Bachelor, anders als Horst Hippler das sieht, durchaus Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wer hingegen in eine Branche strebt, die für Bachelor-Absolventen bisher kein Berufsbild vorsah, dürfte jetzt auf der Strecke bleiben. Das gilt zum Beispiel für Lehramtsstudenten.

Versuche, eine neue Stufe des Pädagogen light einzuführen, scheiterten bisher kläglich. An der Uni Hannover gilt, dass Bewerber für die Master-Studiengänge im Lehramt eine Gesamtnote von mindestens 2,5 benötigen. Durch eine besondere Gewichtung bestimmter Module kann die Note möglicherweise verbessert werden. Im vergangenen Wintersemester wurden im Auswahlverfahren für das Lehramt Gymnasium fünf Kandidaten abgelehnt, weil sie die Mindestnote trotz der Möglichkeit zur Verbesserung nicht erreicht hatten.

Birgit Bargmann-Reineke, Referentin für Lehre im Präsidialstab der Uni Hannover, ist bewusst, dass der Berufseinstieg für diese Kandidaten nicht einfach sein wird. Das gelte aber für alle Bachelor-, Diplom- und Magister-Kandidaten, die die Universität mit schlechten Noten verließen. "Immerhin können die Bachelor-Absolventen einen Abschluss nachweisen, der die im Studium erworbenen Kompetenzen für Arbeitgeber sehr genau belegt", so Bargmann-Reineke. "In den bisherigen Studiengängen konnten Lehramtsstudierende, die das Studium abbrachen, weil sie bestimmte Scheine oder die Zwischenprüfung nicht schafften, bei ihrer Bewerbung um eine Stelle Arbeitgebern nur ein Sammelsurium von häufig unbenoteten Bescheinigungen über erbrachte Studienleistungen vorlegen."

Oft hilft es schon, mit dem Anwalt zu drohen

Andreas Keller von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) befürchtet, dass die Zugangsbeschränkung im Master bereits auf Abiturienten eine abschreckende Wirkung hat: "Wir brauchen ein bundesweites Hochschulzugangsgesetz ohne zusätzliche Hürden für das Master-Studium."

Auch in Potsdam wollen die Studenten weiter für den freien Zugang zum Master kämpfen: Rückhalt bekommen sie durch ein Rechtsgutachten des Münsteraner Anwalts Wilhelm Achelpöhler. Dieser geht davon aus, dass pauschale Beschränkungen, etwa über Mindestnoten, nicht mit dem im Grundgesetz (Artikel 12) verankerten Recht auf freie Berufswahl und freie Wahl der Ausbildungsstätte vereinbar ist. Im Auftrag des Potsdamer Asta prüft Achelpöhler derzeit die entsprechenden Studienordnungen. "Damit wollen wir die Uni-Leitung zum Einlenken bringen", so Studentenvertreter Florian Piepka. Wenn das nicht hilft, will der Asta möglicherweise vor Gericht ziehen und in einem sogenannten Normenkontrollverfahren die Verfassungsmäßigkeit der Regelungen prüfen lassen.

Wilhelm Achelpöhler rät betroffenen Studenten in jedem Fall dazu, eine Ablehnung fürs Master-Studium nicht klaglos zu akzeptieren. "Wichtig ist, dass man auf sich aufmerksam macht." Oft nutze es bereits, sich an die Studentenvertretung zu wenden und mit rechtlichen Schritten zu drohen. Der Anwalt ist sich sicher: In naher Zukunft werden die ersten Bachelors gegen ihre abgelehnte Zulassung fürs Master-Studium klagen. "Die Chancen, dass sie Recht bekommen, stehen nicht schlecht."

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insgesamt 312 Beiträge
mws 09.02.2009
Als jemand, der noch ein klassisches Diplom erhielt, beobachte ich das Master/Bachelor-Treiben mit gemischten Gefühlen. Die Absicht, einen europäischen Abschluss-Standard zu schaffen ist eigentlich zu begrüssen. Allerdings [...]
Als jemand, der noch ein klassisches Diplom erhielt, beobachte ich das Master/Bachelor-Treiben mit gemischten Gefühlen. Die Absicht, einen europäischen Abschluss-Standard zu schaffen ist eigentlich zu begrüssen. Allerdings klaffen hier Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Was nützt ein vereinheitlichter Standard auf europäischer Ebene, wenn weiterhin auf Bundesländerebene herumdilettiert werden darf?
Vincent_Vega 09.02.2009
Sowas kommt von sowas. Die "Internationalisierung" der Studienabschlüsse, um eine Vergleichbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu erzielen, war ein Schnellschuß und führt automatisch zur Deklassierung des Bachelor, was die [...]
Sowas kommt von sowas. Die "Internationalisierung" der Studienabschlüsse, um eine Vergleichbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu erzielen, war ein Schnellschuß und führt automatisch zur Deklassierung des Bachelor, was die angewandte Praxis beweist. Mit dem Hebel, wie er in Potsdam angewand wird, kann man prima die Zahl der Studierenden klein halten aber gleichzeitig auch dafür sorgen, daß "die Besten" (gibt es die überhaupt?) den Master machen. Allen Argumenten aus früheren Diskussionen zum Trotz ist mir die Abschaffung der Diplomstudiengänge immer noch unverständlich und nicht gerechtfertigt. Ich jedenfalls bin stolz auf mein Universitätsdiplom.
sagichned 09.02.2009
Und wider, um welchen studiengang handelt es sich? Bei naturwissenschaftlichen fächern (physik, chemie) und mathe is es garantiert nicht so. bei so lala fächern wie bwl und co. sehe ich erlich gesagt kein verlust für die [...]
Zitat von sysopErst den Bachelor, dann den Master? Das klappt nicht automatisch. Viele Universitäten sieben streng aus und nehmen nur die besten Studenten in die Meisterklasse auf. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Und wider, um welchen studiengang handelt es sich? Bei naturwissenschaftlichen fächern (physik, chemie) und mathe is es garantiert nicht so. bei so lala fächern wie bwl und co. sehe ich erlich gesagt kein verlust für die allgemeinheit.
olekaven 09.02.2009
So schwierig die Eingliederung der Bachelor/Masters-abschluesse auch sein mag, gelten fuer beide Abschluesse, dass sie einen gerechten Leistungsnachweis darstellenn. Wenn diese Leistung nicht ausreichend ist um einen [...]
So schwierig die Eingliederung der Bachelor/Masters-abschluesse auch sein mag, gelten fuer beide Abschluesse, dass sie einen gerechten Leistungsnachweis darstellenn. Wenn diese Leistung nicht ausreichend ist um einen Mastersstudiengang zu beginnen, dann ist das sicher auf persoenlicher Ebene ernuechternd. Allerdings wurde die erforderliche Leistung nicht erbracht. Diese Erkenntnis mag schwer verdaulich sein, aber schuetzt vor weit groesserer Ernuechterung nach weiteren Jahren an der Uni ohne anschliessende Jobaussichten. Der grosse Vorteil am Batchelor/Master-Studium ist, meiner Meinung nach, die Moeglichkeit das eigene Vermoegen schneller bewerten (oder bewerten lassen) zu koennen und dadurch die passendere Jobauswahl treffen zu koennen.
homann5 09.02.2009
Als jemand, der sowohl eine Berufsausbildung als auch ein Studium abgeschlossen hat, finde ich die Aussage "Absolventen, die es nur bis zum ersten Abschluss schaffen, könnten von Arbeitgebern auf eine Stufe mit Absolventen [...]
Als jemand, der sowohl eine Berufsausbildung als auch ein Studium abgeschlossen hat, finde ich die Aussage "Absolventen, die es nur bis zum ersten Abschluss schaffen, könnten von Arbeitgebern auf eine Stufe mit Absolventen einer Ausbildung gestellt werden." als ein Frechheit gegenüber allen Auszubildenden. Der Bachelor ist qualitativ ein Witz, jeder Auszubildende eines guten Ausbildungsbetriebs ist in Punkto Fachwissen und Praxiserfahrungen deutlich überlegen. Wie soll es denn auch anders sein, schließlich soll der Master das "neue" Diplom sein, da muss alles, was davor kommt, ja schlechter sein. Ob man hingegen mit Artikel 12 weiterkommt, mag ich bezweifeln. Man kann ja auch nicht dagegen klagen, daß es im gewünschten Studiengang nicht genügend freie Plätze gibt und man deshalb leer ausgeht.
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