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Studieren in Dublin Hart feiern, früh aufstehen

2. Teil: Vor 1970 mussten Katholiken draußen bleiben

Angesichts des urbanen Trubels außerhalb seiner Mauern wirkt das Trinity College umso mehr wie eine "Oase inmitten der Stadt" - so nennt ein Uni-Gärtner seinen Arbeitsplatz. "Hier gibt es seit Jahrhunderten Ruhe." 1592 hat Königin Elisabeth I. die Hochschule für protestantische Studenten gegründet. Selbst als Irland 1921 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte, änderte sich nicht viel: Das College war durch und durch protestantisch, die katholische Kirche verbot ihren Anhängern bis 1970, Trinity zu besuchen.

Der "Long Room": Pracht der Bibliothek
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Der Zwist zwischen den Konfessionen, das ewige Leid auf der irischen Insel, war auch an der Universität spürbar. "Heute spielt hier Religion keine Rolle mehr", sagt Jürgen Barkhoff. Die zum großen Teil britische Geschichte des College teilt sich jedoch noch immer mächtig mit. Beim "Commons Dinner", einem feierlichen Abendessen, beten die Studenten jeden Abend auf Latein und schließen dabei Königin Elisabeth I. in ihre Fürbitten ein. Rund 350 Studenten dürfen zu dem Mahl in den Speisesaal von 1761 kommen, es gibt drei Gänge und ein Glas Guinness. Die Auserwählten haben durch besonders gute Leistungen den Status eines "Scholar", eines Stipendiaten der Universität, erlangt. Sie bekommen nicht nur das Abendessen frei Haus, sondern zahlen auch keine Semestergebühren und dürfen umsonst auf dem historischen Campus wohnen.

Lernen an der Uni von Oscar Wilde und Samuel Becket

Silvia Schmidt, 23, hat diese Privilegien ebenfalls erworben. Die Deutsche studiert Jura und Französisch und kam vor vier Jahren nach Dublin. Mit den altertümlich wirkenden Zeremonien hat sie keine Probleme. "Das gibt mir ein Gefühl der Kontinuität", sagt sie. "Vor mir haben das Tausende gemacht, und nach mir werden viele weitere kommen."

Das Traditionsbewusstsein hat kaum Kratzer; wer am Trinity studiert, fühlt sich zurückversetzt in die Zeit, als hier die Schriftsteller Samuel Beckett oder Oscar Wilde lernten. "In Irland gab es keine 68er, die mit der Vergangenheit brechen wollten", erklärt Jürgen Barkhoff. Von einer elitären Atmosphäre sei man aber weit entfernt. "Bei den Iren ist Snobismus verpönt."

Und so bietet das Trinity College eine Mischung aus britischem Flair und der lockeren irischen Art, gewürzt mit einem Hauch amerikanischer Fröhlichkeit. "Wir sind hier am Westzipfel Europas. Bis nach Amerika sind es nur sechs Stunden Flugzeit", sagt Silvia Schmidt. Viele Professoren kommen aus den USA, haben in Harvard oder an einer anderen Ivy-League-Universität studiert. Vier Jahre dauert am Trinity ein Bachelor-Studiengang, der Master nur ein Jahr. Für deutsche Bachelor-Absolventen ist das interessant: Trotz der kurzen Studienzeit haben die Master-Abschlüsse in Europa und den USA einen guten Ruf.

Ausgleich vom Studienstress holen sich die Trinity-Studenten an langen Sandstränden und Steilküsten, die nur 20 S-Bahn-Minuten von Dublin entfernt liegen. Im Winter ist es wegen des Golfstroms bedeutend wärmer als in Deutschland. Ansonsten erfüllt das irische Wetter oft die Erwartungen: Es regnet viel. Das verleitet bisweilen zu eigenwilligen meteorologischen Betrachtungsweisen, wie sie beispielsweise der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll in seinem "Irischen Tagebuch" anstellte. "Man kann diesen Regen schlechtes Wetter nennen, aber er ist es nicht. Er ist einfach Wetter, und Wetter ist Unwetter."

Böll löste Mitte der fünfziger Jahre einen Ansturm deutscher Touristen auf die Grüne Insel aus, und Dublin blieb ein beliebtes Reiseziel. Wer als Student morgens über den Campus zu einer Vorlesung hetzt, muss sich den Weg durch Touristenströme bahnen. "Es ist ein bisschen so, als ob man in einem Museum studierte", sagt Sabrina Marks. "Ich empfinde das als großes Privileg."

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