Von Christoph Titz
Es soll mächtig gestunken haben am Hof des selbsternannten Sonnenkönigs Ludwig XIV. - weil nämlich die Durchlauchten des 17. Jahrhunderts es mit der Körperpflege nicht so genau nahmen und sich stattdessen mit teuren Duftwässern besprengten, damit der Mief in den edlen Sälen und Gemäuern einigermaßen erträglich blieb.
Geld aber stinkt nicht. Und im Rektorat der Uni Hohenheim kann an der körperlichen Hygiene des Führungspersonals sowieso kein Zweifel bestehen. Doch glaubt man dem Asta, entwickelt sich Uni-Rektor Hans-Peter Liebig derzeit mehr und mehr in Richtung eines absolutistischen Herrschers vom Schlage des Franzosenkönigs, weshalb die Studentenvertreter ihren Rektor kurzerhand umtauften - in Hans-Peter, den XIV.
Absolutismus à la Uni Hohenheim
Ludwig XIV. gab vor gut 350 Jahren viele, viele Francs für seinen Hofstaat aus, Geld, das er zuvor den Hugenotten abgepresst hatte. Damit hielt er königlich Hof, vor allem renovierte und beheizte er rund um Paris mehrere prunkvolle Schlösser - während der Plebs in zugigen Hütten darbte. In der Rolle dieser Entrechteten sieht der Asta nun die Studenten der Universität Hohenheim bei Stuttgart: als zahlendes Fußvolk ohne ein Hauch Mitbestimmungsrecht.
Voll Stolz verwiesen Hochschule und Studenten in der Vergangenheit unisono auf ihre gute Kooperation, wenn es darum ging, die Einnahmen aus Studiengebühren zu verteilen. Niemals gegen den Willen der Studentenschaft wollte er bestimmen, was mit ihrem Geld geschieht, hatte Rektor Liebig versprochen. Präziser: Mehr als Prozent sollten Studentenvertreter uneingeschränkt entscheiden, mehr als zehn Prozent der Rektor - und mehr als 80 Prozent beide Seiten im Konsens.
Schloss-Universität Hohenheim: Perfekte Kulisse für ein Maskenspiel
Es war eine Selbstverpflichtung, ein "Gentlemen's Agreement", wie es Liebig selbst nennt. Doch als das Land der Uni Ende 2008 den Heizkostenzuschuss strich und weitere Haushaltslöcher klafften, wusste sich der Rektor nicht mehr zu helfen. Das Defizit summierte sich auf 3,2 Millionen Euro. Die Hälfte davon sollten die Studenten aufbringen, also 1,6 Millionen Euro. Und wenn die Studiengebühren schon mal da sind - warum damit nicht auch das Schloss beheizen, das die Uni in Teilen beherbergt?
Dieser Plan kam in den Augen der Gebührengegner einem Tabubruch gleich, denn ausschließlich für die Lehre, so das Mantra der Politik, sollten die Gebühren verwendet werden. Genau das geschehe aber nicht, so die Kritiker. Ihre stete Warnung: Ist das Geld der Studenten erst einmal im Säckel, dient es nur zu Beginn der Lehre. Früher oder später aber versickert es im Haushalt der Unis. Und alles bleibt so schlecht, wie es war - nur eben viel teurer als zuvor.
Mitbestimmung? Nur wenn ihr meine Pläne mittragt
Um das zu unterstreichen, startete Jan-Georg Plavec, stellvertretender Asta-Vorsitzender, am Dienstag eine satirische Protestaktion. Er kletterte im Ludwig-XIV.-Outfit, inklusive Perücke, bauschigem Gewand und einer Hans-Peter-Liebig-Maske, an ein offenes Fenster der Uni Hohenheim. Dann tat er, was sonst nur Könige können: Mit beiden Händen warf Plavec 1,2 Millionen Euro auf die staunende Zuhörerschaft hinab. Spielgeld zwar, aber die Botschaft war entscheidend. "Liebig sieht Hohenheim als sein Königreich, das er mit absoluter Macht zu regieren glaubt", sekundierte Asta-Chef Stefan Haffke seinem Kollegen im Königsgewand.
Der schwelende Streit über die Studiengebühren rührt an grundsätzliche Fragen - an dieser wie an anderen Unis: Wofür darf das Geld der Studenten ausgegeben werden, wofür nicht? Etwa für das neue Uni-Gebäude, für Heizkosten, für Professuren, gar für die Sanierung von Toiletten? Hohenheims Studenten blechen seit zwei Jahren 500 Euro pro Semester plus noch einmal 112 Euro Semester- und Verwaltungsgebühren. Haben sie als Zahlmeister ein Recht mitzubestimmen, was mit ihren fünf Millionen pro Semester geschieht?
Die meisten Uni-Leitungen lassen die Studenten allenfalls ein bisschen mitreden. Entscheiden aber darf das akademische Fußvolk am Ende wenig bis nichts. Hohenheims Rektor steuerte zunächst auf Kuschelkurs - bis es zum Streit über die Verwendung der Gebühreneuros kam. Mitentscheiden? Nur wenn ihr meinen Plan zu Haushaltsrettung mittragt, hieß es dann im Januar, als sich die Studenten über die Heizpläne ihres Rektors echauffierten.
Vergangene Woche schickte Liebig dann einen Brief an die Studentenvertreter und kündigte den Deal auf: Der konsensuelle Weg haben sich als "nicht tragfähig" erwiesen und werde daher "von mir nicht weiter verfolgt". Uni-Sprecher Florian Klebs schob nach, das Problem sei die "grundsätzliche Blockade" des Asta. Es gebe aber zwei Lager von "pragmatischen und grundsätzlich orientierten Studenten" - letztere würden den Konsens hintertreiben.
Erst "Dein Wille geschehe" , dann peinliches Eigentor
Der Asta sieht seine Position durch eine Urwahl Ende Januar gestärkt. Bei der Abstimmung stellten sich nach Asta-Angaben 92 Prozent der rund 1100 anwesenden Studenten gegen den Plan des Rektors Liebig, Studiengebühren im den Haushalt der Uni zu verklappen. "Unser Geld soll keine Haushaltslöcher stopfen", sagte Asta-Vorsitzender Haffke damals wie heute.
1,5 Millionen Euro sollen nach einem Beschluss des Universitätsrates in den drei Fakultäten der Hochschule, ein Zwerg unter den Unis von Baden-Württemberg, eingespart werden. Nach dem Machtwort des Rektors soll der Rest nun wohl aus den Gebühren kommen.
Universität und Studenten an der 6000-Seelen-Uni sind sonst sehr geschickt darin, sich hübsche Aktionen auszudenken. Im Sommer 2008 nutzten Uni und Studenten noch gemeinsam einen kleinen Streit um die Renovierung des Edel-Restaurants Speisemeisterei, das im Gebäude der Universität untergebracht ist, um Druck auf die Landesregierung auszuüben.
Im Dezember präsentierte sich die Uni dann als mildtätiges Weihnachtskommando und schickte für die Aktion "Dein Wille geschehe" Mädchen in Engelskostümen über den Campus, um für die Verwendung von Studiengebühren Vorschläge bei den Studenten zu sammeln - wenn auch nur für eine Bruchteil der eingenommenen Gesamtsumme. Im Januar musste die Hochschule nach Studentenprotesten eingestehen, den Großteil der Gebühren fürs Heizen verfeuern zu wollen.
Unterhaltsam ist das immer - aber vor allem zeigt es exemplarisch, wohin die Reise mit der Campusmaut in den Gebührenländern geht, wenn die Unis finanziell der Schuh drückt. Springt der Staat nicht bei oder streicht in der Krise dies und das, greifen Rektoren und Präsidenten eben doch in den vermeintlichen Topf für Lehre - Lippenbekenntnisse über Zweckbindung oder Studentenbeteiligung hin oder her.
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