Von Philipp Alvares de Souza Soares
Im Städtchen Pohlheim bei Gießen sind die Unterschiede zwischen Alt und Neu auf kleinstem Raum sichtbar. Da gibt es eine Wohngemeinschaft zweier Familien. In beiden Familien studieren Mutter und Vater, in beiden gibt es ein kleines Kind. Und doch unterscheidet sich der Alltag der beiden WG-Parteien mitunter extrem.
Familie eins: Sarah Benner-Kohlhof, 25, studiert Grundschullehramt und Jan Kohlhof, 28, Informatik, auf Staatsexamen und auf Diplom. Ihre einjährige Tochter Mia Lena haben sie bei der Tagesmutter Lida Maleki untergebracht.
Familie zwei: David Lütgenau, 24, studiert Sonderschulpädagogik und Kristin Rost, 23, Sozialwissenschaften, beide im neuen Bachelorstudiengang. Ihren sieben Monate alten Sohn Janusz betreut ebenfalls Lida Maleki.
Urlaubssemester nur im Zweierpack
Der himmelweite Unterschied: Während Sarah und Jan die Dienste von Lida eigentlich nur sporadisch benötigen, wären Kristin und David ohne sie aufgeschmissen. Sie haben sich der neuen Bologna-Macht unterworfen.
Bologna, Bachelor, das heißt, einem straffen Stundenplan zu folgen, das bedeutet Anwesenheitspflicht in vielen Modulen, Urlaubssemester häufig nur im Zweierpack wegen semesterübergreifender Seminare, ständige Prüfungen. Alles Dinge, die mit dem Zeitbedarf eines Säuglings schwer in Einklang zu bringen sind.
Also brauchen Kristin und David die Unterstützung ihrer Mitbewohner und der Tagesmutter. Doch manchmal finden sie niemanden, der ihnen Janusz abnimmt. "Zum Glück haben die meisten Professoren keine Einwände gegen ein Kind in der Vorlesung."
Ähnlich ergeht es derzeit vielen der rund 123.000 studentischen Eltern in Deutschland - erst recht den 15 Prozent unter ihnen, die ihr Kind allein erziehen. Das neue Turbo-Studium mit seinen Abschlüssen Bachelor und Master stellt sie vor große Organisationsprobleme. In der jüngsten Erhebung des Studentenwerks gab fast ein Viertel der Befragten an, dass sie sich nicht noch einmal für ein Kind während des Studiums entscheiden würden.
"Erstes Kind mit Mitte 30 wäre mir zu spät"
Dabei, sagt Sarah, sei "das Studium doch eigentlich eine gute Zeit zum Kinderkriegen". Sie sei mit ihrem Diplomstudiengang "zeitlich flexibler als im Job". Zudem fühle sie sich frisch genug für die Anforderungen des Elterndaseins: "Mein erstes Kind mit Mitte 30 zu bekommen wäre mir zu spät gewesen."
Die Politik will, dass Akademiker mehr Kinder bekommen. Auch Studenten haben Anrecht auf das von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) eingeführte Elterngeld, wenn auch meist nur auf den Mindestsatz von 300 Euro pro Monat. Und wer Bafög bezieht, erhält zusätzlich 113 Euro für das erste und 85 Euro für jedes weitere Kind. Außerdem haben studentische Eltern gegebenenfalls Anspruch auf Wohngeld. In einigen Bundesländern, in Bayern etwa, können sie Befreiung von den Studiengebühren beantragen.
Doch der Mangel ist dafür an anderer Stelle groß, da geht es den Studierenden wie den Berufstätigen: Es gibt nicht genügend Betreuung für die Kleinen. Gerade einmal 5500 Plätze bundesweit bieten die Studentenwerke in Krippen oder Kindergärten an. In vielen Fällen muss, wer einen ergattern will, Monate oder Jahre warten.
Teilzeitstudium? Nicht wirklich vorgesehen
Janke Reuschel, 29, hat einen der begehrten Plätze für ihre dreijährige Tochter Marlia bekommen. Doch wenn für die alleinerziehende Sozialökonomiestudentin aus Hamburg abends oder am Wochenende wichtige Veranstaltungen anstehen oder Marlia krank ist, muss sie eine Freundin um Hilfe bitten. "Im Bachelor kann man sich die Veranstaltungen ja meist nicht mehr aussuchen", erklärt sie. Janke hat ein Teilzeitstudium beantragt - das Curriculum der neuen Studiengänge nimmt aber auf Teilzeitlernende kaum Rücksicht.
Manchmal mangelt es an den Unis auch an Verständnis für die Zwänge, denen Eltern gehorchen müssen: "Einer meiner Professoren meinte, ich solle das Studium lieber sein lassen, wenn ich mich nicht an die normalen Anforderungen anpassen kann", erzählt die Lehramtsstudentin Barbara Prell aus Gießen. Auf einen Platz in der Uni-Kita wartet sie bislang vergebens, nur 18 Kinder können dort unterkommen. Dabei trägt die Uni Gießen das Zertifikat "familiengerechte Hochschule".
Dennoch wollen sich die studentischen Eltern von den Widrigkeiten nicht unterkriegen lassen und organisieren irgendwie ihren Alltag. So wie die angehende Literaturwissenschaftlerin Anne Küchler, 27, in Hamburg. Seit einem Jahr ist Anne Single, betreut ihren Sohn Simon aber abwechselnd mit ihrem Ex-Freund.
"Ich bin froh, nicht nur zu Hause sein zu müssen", sagt Küchler. Ihr altes Studentendasein vermisse sie nicht. "Jetzt lebe ich in zwei Welten, die aufeinanderprallen. Das macht das Leben aber gerade schön." Sie lacht. "Und abwechslungsreich sowieso."
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Unsere Gesellschaftsführung ist ganz offensichtlich Kurzsichtig bis Blind , tendenziell korrupt . Wozu braucht es all diese studierten Köpfe, wenn doch schon jeder halbwegs gebildete sehen kann daß "die" zu blöd [...] mehr...
Oh ich glaube Sie haben mich missverstanden. Ich meinte die Kabarettsendung im zdf, denn dort wäre ihr Statement angebracht. mehr...
Ich möchte ja wirklich niemandem, der bis vor 20 Jahren Unrecht erlitten hat, das absprechen. Aber ganz ehrlich frage ich mich manchmal, ob wir den Schaden vielleicht wenigstens _etwas_ abmildern könnten, wenn wir dieser Dame [...] mehr...
Man kann,-) Die Dame sollte in der "Anstalt", anstatt im Parlament auftreten, da könnte sie wenigstens keinen Schaden anrichten. mehr...
Das ist doch aber genau dass Problem nicht? Warum sollte man länger studieren um dass zu lernen was einen nicht nur praktisch zu gute kommt sondern einen auch interessiert. Fakt ist so wie das Bachelor Studium weltweit [...] mehr...
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