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10.06.2009
 

Studiengebühren-Stau

Alles muss raus, aber dalli

Etwas Druck von oben, und schon öffnen sich die Schleusen: 6,5 Millionen Euro aus Studiengebühren hat die Hochschule Niederrhein gebunkert - intern "Stausee" genannt. Auf Druck der Politik muss sie das Geld jetzt ausgeben. Und plötzlich geht es überaus hektisch zu.

An der Hochschule Niederrhein wurde es am Dienstag etwas ungemütlich. Wie die Ameisen, so hört man aus der Fachhochschule, sollen Mitarbeiter der technischen Fachbereiche durcheinander gelaufen sein. Durch die Gänge wuselten manche mit Beschaffungsanträgen, auf denen die Tinte noch nicht getrocknet war.

Hochschule Niederrhein: Idyllisch gelegen am "Stausee" aus Studiengebühren
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Hochschule Niederrhein

Hochschule Niederrhein: Idyllisch gelegen am "Stausee" aus Studiengebühren

Grund für die so unakademische Hast: Es muss Geld ausgegeben werden. Viel Geld. Und zwar so schnell wie möglich. Am besten schon gestern.

Große Zahlen schwirrten durch die Flure und Labore. Zwei Millionen, gar zweieinhalb Millionen Euro sollen schleunigst raus. Anweisung von ganz oben. So stand ein Maschinenbau-Professor am Dienstagmorgen leicht irritiert im Hörsaal: 800.000 Euro solle er ausgeben, von jetzt auf gleich, und er wisse noch gar nicht wie, beichtete der Hochschullehrer seinen Studenten.

Bisher kennen Deutschlands Hochschulen das "Dezemberfieber" sehr gut: Knapp vor Jahresende werden allerhand größere Ausgaben getätigt, Laborgeräte oder neue Schreibtischstühle bestellt, nur damit das Geld nicht verfällt und im nächsten Haushaltsjahr der Etat nicht gekürzt wird. An der Krefelder Hochschule ist nun das "Junifieber" ausgebrochen. Es geht um einen Überhang im Haushalt von 6,5 Millionen Euro aus Studiengebühren, aufgelaufen in den vergangenen zwei Jahren.

"Unser Stausee" wird der randvoll mit Studentengeld gefüllte Topf im Umfeld des Rektorats auch genannt. Geld, das Rektor Hermann Ostendorf bewusst einbehielt und für seine Personalplanung der kommenden Jahre vorsah.

Kommando: Schleusen auf, raus mit dem Geld

Ostendorfs Problem: Seit einigen Wochen empört seine kreative und weit vorausschauende Haushaltsführung nicht nur die Studentenvertreter, sondern auch das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium. Am Freitag rüffelte der zuständige Minister Andreas Pinkwart (FDP) die Niederrheiner und drei weitere Hochschulen, sie seien verpflichtet, gebunkerte Gebühren-Euros alsbald auszugeben - bis Mitte Juni müsse klar sein, wo das Geld "zeitnah" investiert werden soll. Tenor: "Studentengeld gehört nicht in den Sparstrumpf."

In einer Krisensitzung am Montag, zu der Rektor Hermann Ostendorf und sein Vizepräsident für Lehre Michael Lent die Dekane geladen hatten, hieß es darum: Schleusen auf, und raus mit dem Geld, bevor es uns das Ministerium am Ende wegnimmt - denn genau damit hatte Pinkwarts Sprecher den Hochschulen gedroht.

Das knappe Ultimatum Pinkwarts erklärt die Turbulenzen auf den Fluren, denn das Rektorat gab den Druck wohl direkt an die Dekane weiter. "Innerhalb dieses Jahres" müssten die Millionen ausgeben werden, sagte Michael Lent SPIEGEL ONLINE.

"Bis in die Abendstunden" hätten Leitung und Dekane am Montag zusammengesessen, sagte Lent. Am Dienstag sprach der Vizepräsident dann mit den einzelnen Fachbereichen detailliert darüber, wo die Mittel eingesetzt werden können.

Frohe Dekane, unfrohe Studenten

Vom jähen Investitionsfeuerwerk profitieren vor allem die Labore der technischen, organischen und physikalischen Chemie, außerdem der Fachbereich Verfahrenstechnik, die Robotik und instrumentelle Analytik. "Froh" seien die Dekane gewesen, "dass wir an das Geld jetzt ran müssen", sagte Lent.

Studentenvertreter der Hochschule kritisieren das Bunkern der Studenten-Millionen bereits seit Anfang des Jahres und fordern Transparenz. Doch seit einem jüngsten offiziellen Gespräch am 15. Mai herrsche Funkstille zwischen Leitung und Studenten, beklagt der stellvertretender Asta-Vorsitzende Robert Kramer.

Auch vom Krisengespräch am Montag erfuhren die Studenten erst aus der "Rheinischen Post". Das Verhalten der Unileitung nennt Kramer "befremdlich". Die Studenten hatten nachgerechnet. Als sie den Überhang von 6,5 Millionen Euro aufdeckten, forderten sie Rektor Ostendorf auf, doch ihre Gebühren zu halbieren - wenn er schon nicht wisse, wohin mit dem Geld.

Doch der Studenten-Antrag auf einen Gebührennachlass schaffte es nicht durch die Abstimmung im Senat. So wie es an anderen Hochschulen zugeht, so hält man es auch am Niederrhein: Was Studenten über die Verwendung ihrer Euros sagen, ist nicht weiter von Belang. Das ministerielle Machtwort dagegen kann eine Hochschulleitung nicht einfach ignorieren - ein Pinkwart-Zuruf, und schon beginnt sich der Stausee zu leeren.

cht/jol

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23.11.2009 von fritzul: Studiengebühren einst und jetzt

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