Von Hermann Horstkotte und Jochen Leffers
1. November 2006: Die Stuttgarter Ingenieur-Professorin Monika Auweter-Kurtz wird Präsidentin der Hamburger Universität - als erste Frau in der Hansestadt und eine der raren Frauen an der Spitze einer Universität. Bundesforschungsministerin Annette Schavan rühmt in ihrer Einführungsrede die "Durchsetzungskraft" der neuen Leiterin. Gleichzeitig zeige sie eine "ungewöhnliche Kraft zum Dialog, eine ungewöhnliche Fähigkeit, Menschen für Ziele und Visionen zu gewinnen".
1. Februar 2007: Studenten stören die Amtseinführung von Auweter-Kurtz mit Pfeifkonzerten und Buhrufen. Anschließend zeigt die Präsidentin zwei Studenten wegen Hausfriedensbruchs an.
1. März 2007: Die Geschichtsdozentin Sabine Todt kritisiert in der Fernsehsendung "Monitor" die Arbeitsbedingungen an der Uni. Daraufhin verliert sie ihren Lehrauftrag.
29. März 2007: In einem "Maulkorberlass" untersagt die Präsidentin den Professoren, sich in der Öffentlichkeit eigenmächtig zu hochschulpolitischen Fragen zu äußern. Zuständig sei vielmehr die Pressestelle - die sich allerdings bei Anfragen mitunter tot stellt. Gegen solche Bevormundung wenden sich die Dekane noch in ihrem Protestbrief vom 9. Juni 2009.
1. Oktober 2008: Jörg Dierken, Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, legt sein Amt aus Protest gegen Sparauflagen des Präsidiums nieder. Die Präsidentin setzt eine kommissarische Nachfolgerin ein.
6. Mai 2009: Die Geisteswissenschaftliche Fakultät wählt den Theologieprofessor Hans-Martin Gutmann einstimmig zum neuen Dekan. Er hatte sich als entschiedener Gegner der Präsidentin und ihres "autoritären" Führungsstils profiliert. Auweter-Kurtz verweigert ihre erforderliche Zustimmung und lässt den Gewählten nicht ins Amt.
26. Mai: Drei Professoren starten unter Kollegen eine Unterschrifteninitiative zur Abwahl der nach ihrer Auffassung "autoritären" Präsidentin. Die ehemaligen Uni-Vizepräsidenten Wilfried Hartmann, Jörg Hennig und Barbara Vogel kritisieren in einem Brief an die Fraktionen im Landtag "den Abbau demokratischer Strukturen an der Universität" und warnen vor ihrer "Zerstörung". Der akademische Nachwuchs könne "nicht mehr erleben, dass Dissens und unterschiedliche Auffassungen in Diskurs, Streitkultur und nach den Regeln eines verantwortlichen Miteinanders zu tragfähigen Lösungen geführt werden".
27. Mai: Im Akademischen Senat, dem höchsten Selbstverwaltungsgremium der Universität, stößt die Präsidentin auf massive Kritik wegen ihrer Ablehnung des neu gewählten "Geister"-Dekans Gutmann. Einstimmig erklären sich die Senatsmitglieder für die Abschaffung der - von der Präsidentin befürworteten - Studiengebühren.
28. Mai: Heinrich Graener, Dekan der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, erweckt in der Presse den Eindruck, als ob die insgesamt sechs Dekane mit der Präsidentin im Wesentlichen einig und solidarisch wären.
29. Mai: Alle Dekane wehren sich in Schreiben an ihre Fakultätsräte gegen den am Vortag erweckten Eindruck, die Präsidentin gegen eine angebliche Minderheit von Kritikern zu stützen.
2. Juni: Der Hochschulrat ergreift Partei für die Präsidentin und stärkt ihr demonstrativ den Rücken. In der Stellungnahme heißt es: "Der Hochschulrat teilt die in der Öffentlichkeit geäußerte Kritik nicht und hat den klaren Eindruck, dass die Mehrheit der Universität hinter dem Präsidium steht." Zum Hochschulrat der Universität zählen neben dem Vorsitzenden Albrecht Wagner, Direktor des Forschungszentrums Desy, acht weitere Mitglieder; jeweils vier werden vom Senat der Uni und vom Senat der Stadt bestimmt. Zu den Aufgaben des Gremiums zählt auch die Wahl und Abwahl des Uni-Präsidenten.
9. Juni: Fünf Dekanate (ohne die Medizin) erheben in einem Schreiben an die Präsidentin schwere Vorwürfe gegen ihren angeblich unerträglichen Führungsstil und fordern sie praktisch zum Rücktritt auf.
10. Juni: "Eine Universität, deren Mitglieder demoralisiert und ihrer eigenen Institution entfremdet werden, verliert jede Attraktivität", erklären bislang 120 Professoren und fordern die Abwahl von Auweter-Kurtz. Die erklärt auf der Uni-Homepage ihre Bereitschaft zum "konstruktiven Dialog über Zustand und Entwicklung der Universität Hamburg": "Mein Tür steht jederzeit offen." Am Abend empfängt die Präsidentin die Dekane zum vierstündigen Gespräch, das konfrontativ verläuft und ohne Einigung endet.
11. Juni: Der Hochschulrat tagt zum Hochschulentwicklungsplan.
Morgiger Freitag, 12. Juni: Auweter-Kurtz will bei einer Pressekonferenz über den Entwicklungsplan und über den möglichen Umzug der Universität in die Hafencity sprechen. Ebenfalls am Freitag will Dagmar Felix, die als Prodekanin die Amtsgeschäfte an der Jurafakultät führt, gemeinsam mit drei weiteren Dekanen im "Hamburger Abendblatt" einen Beitrag zu den Reformen und den atmosphärischen Störungen an der Universität veröffentlichen.
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