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23.08.2009
 

Korrupte Professoren

Auf schmierigen Wegen zum Doktortitel

Von Jochen Leffers

Promotionsberater: Ermittlungen gegen weitere Professoren
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ddp

Rund hundert Professoren bundesweit stehen im Visier der Justiz - wegen krummer Deals mit Doktortiteln, ein Millionengeschäft. Dafür kassierten windige Promotionsberater und Professoren hohe Summen und flogen erst spät auf. Was aus den Titeln ihrer Kunden wird, ist noch offen.

Erst waren es Prozesse in Hannover, dann kam eine ganze Lawine von Ermittlungsverfahren ins Rollen - und stets geht es um sonderbare Praktiken bei der Promotion. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen rund hundert Hochschullehrer eingeleitet. Der Vorwurf: Von einem Institut in Bergisch Gladbach sollen sie Bestechungsgelder erhalten haben, um promotionswilligen Akademikern schnell zum Doktortitel zu verhelfen.

Die Vorgeschichte reicht schon Jahre, genauer: Jahrzehnte zurück. Den letzten großen Schritt machte die Staatsanwaltschaft im März 2008, als Ermittler den Sitz des "Instituts für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach durchsuchten und kistenweise Verträge mit Kunden und professoralen Helfern mitnahmen. Es ist eine in der Hochschulszene sattsam bekannte Einrichtung, die Promotionsinteressenten auf die Sprünge hilft - angeblich legal, doch daran gab es stets große Zweifel. Den Professoren wird zur Last gelegt, möglicherweise ungeeignete Kandidaten als Doktoranden angenommen zu haben.

"Wir haben nach der Razzia eine Unmenge an Material ausgewertet", sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld am Sonntag. "Dabei hat sich der konkrete Verdacht gegen die jetzt Beschuldigten ergeben." Bei ihnen handele es sich um Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen; die meisten seien keine sogenannten ordentlichen Professoren, sondern Honorarprofessoren oder Privatdozenten.

Die Bergisch Gladbacher Firma, bereits vor über 20 Jahren gegründet, hatte bundesweit mit Anzeigen in Zeitungen und Fachzeitschriften für die Vermittlung von Doktortiteln geworben. Den Promotionswilligen wurde versprochen, einen geeigneten Professor zu suchen und bei der Themenfindung behilflich zu sein. Für die angeblich legalen Dienstleistungen mussten die Kandidaten jeweils bis zu 20.000 Euro an das Institut zahlen. Für die Übernahme eines Promotionskandidaten sollen bis zu 4000 Euro vom Institut an die Professoren geflossen sein - eindeutig illegal, denn die Betreuung von Doktoranden gehört zu den Pflichten von Professoren.

"Da wäre ich als Kunde doch reichlich blöd"

Den Geschäftsführer des Instituts, den promovierten Philosophen Martin D., hatte das Hildesheimer Landgericht bereits im Juli 2008 wegen Bestechung zu dreieinhalb Jahren Haft und 75.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Er hatte in über 60 Fällen promotionswillige Kandidaten an einen Juraprofessor der Universität Hannover vermittelt und ihm dafür Honorar gezahlt. Oft erfüllten die Bewerber gar nicht die Voraussetzungen. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig, der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Revision im Mai verworfen. Auch der Juraprofessor, der in einem Fall zudem eine bessere Beurteilung gegen sexuelle Gefälligkeiten einer Studentin vergeben hatte, wurde wegen Bestechlichkeit verurteilt.

Frank Grätz, Gründer und langjähriger Leiter des Instituts für Wissenschaftsberatung, entging dagegen einer Verurteilung, weil er aus gesundheitlichen Gründen nicht verhandlungsfähig war. Grätz hatte über viele Jahre intensiv für das Institut getrommelt und stets beteuert, es handele sich um seriöse Dienstleistungen - etwa um Informationen zu den Details des Promotionsrechtes, um Datenbank- und Literaturrecherchen sowie Kontakte zu Doktorvätern. Grätz rühmte sich dabei eines Netzwerks zu Dutzenden von Fakultäten. Auf der inzwischen abgeschalteten Web-Seite des Instituts, das heute pleite ist, hieß es genauer: "Wir finden für Sie einen fachlich kompetenten Doktorvater (Professor oder Privatdozent), der sich in der Vergangenheit als erfolgreicher und fairer Betreuer und Gutachter erwiesen hat." Positiv in die Medien zu bringen versuchte sich Grätz sich unter anderem mit seinem "Dissertationsmuseum" und mit einem Preis für die kürzeste Doktorarbeit.

Professoren wie der Münchner Wirtschaftswissenschaftler Manuel René Theisen hatten Grätz und andere geschäftstüchtige "Promotionsberater" früh im Visier. Schon in den frühen neunziger Jahren äußerte er Zweifel am diffusen Geschäftsmodell dieses Gewerbes: So viel Geld für Dienstleistungen auszugeben, die man auch umsonst haben könne, wäre als Kunde "doch reichlich blöd". Eine Dissertation solle aber die Fähigkeit zur eigenständigen wissenschaftlichen Arbeit unter Beweis stellen, zürnte er.

Allein: Viele Jahre lang zürnte er vergebens. Verblüffend ist nicht, dass jetzt so viele Korruptionsermittlungen gegen Professoren laufen - verblüffend ist, dass dies erst so spät geschieht. Die Staatsanwaltschaften und auch die Fakultäten hätten zu lange "weggeschaut", kritisierte der BWL-Professor Theisen: "Die Promotionsberatung ist ein echter Wirtschaftszweig, es geht um Millionen Euro."

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