Von Britta Mersch
Weil Professoren an Fachhochschulen keine Doktoranden betreuen dürfen, schließen sie vielerorts Kooperationen mit Universitäten. Die gemeinsame Doktorausbildung konzentriert sich oft auf sehr spezifische Themenbereiche. Die Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft hat zum Beispiel gemeinsam mit der Universität Karlsruhe das Graduiertenkolleg "Prozessketten in der Fertigung: Wechselwirkung, Modellbildung und Bewertung von Prozesszonen" gegründet. Das Kolleg wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft- eine der renommiertesten Adressen für Nachwuchsforderung in der deutschen Wissenschaftslandschaft - mit rund sieben Millionen Euro jährlich gefördert.
Ob die Kandidaten von der Fachhochschule in Karlsruhe noch Zusatzkurse belegen müssen, wird von Fall zu Fall entschieden: "Eine Promotion ist etwas Individuelles, dafür kann es kein standardisiertes Regelwerk geben", sagt Horst Hippler, Rektor der Universität Karlsruhe. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Die FH-Kandidaten müssen, genauso wie ihre Kommilitonen von der Uni, die Professoren von ihrem Willen, eine wissenschaftliche Arbeit anzufertigen, überzeugen.
Technische Unis sind deutlich aufgeschlossener
Gelungen ist das Sven Synowzik. Er hat den Sprung von einer kleinen Fachhochschule in die Wissenschaft geschafft hat. Aber dafür ist er auch einen großen Umweg gegangen. Der 31-Jährige hat an der FH Gießen-Friedberg Energie- und Wärmetechnik studiert. Als er im Jahr 2002 mit seiner Diplomarbeit begann, schrieb er sich für ein Aufbaustudium an der TU Dresden ein, um auch noch das Diplom von der Uni zu bekommen: "Der Abschluss ist bei vielen Arbeitgebern besser angesehen und erleichtert den Einstieg in höhere Positionen", sagt Synowzik. Etwa ein Jahr später nahm er in Dresden eine Stelle als studentische Hilfskraft am Institut für Thermodynamik an und knüpfte Kontakt zu Professoren: "So erfuhr ich, dass die Universität im Rahmen eines kooperativen Verfahrens auch Fachhochschulabsolventen die Promotion ermöglicht." Diese Möglichkeit bekam er am Graduiertenkolleg für Hochleistungsbauteilkühlung.
Dort promovierte er nach einem ganz neuen Modell: Einer seiner Betreuer lehrt an der TU Dresden, der andere an der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Arbeitsplatz und Laborräume wurden in Dresden zur Verfügung gestellt, finanziert wurde das Projekt aber über ein Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt: "So hätte ich auch ohne meinen Universitätsabschluss promovieren können", sagt Synowzik. Wäre er nicht ohnehin schon an der Uni eingeschrieben gewesen, hätte er aber einige Scheine nachholen müssen.
Viele Universitäten öffnen sich also - und viele Uni-Professoren zeigen die Bereitschaft, FH-Absolventen eine wissenschaftliche Laufbahn zu ermöglichen. Kurzum: Beide Institutionen gehen aufeinander zu. Allerdings zeigt die Studie der Hochschulrektorenkonferenz auch: Am besten gelingt den Doktoranden der Weg zur Promotion in den Ingenieurwissenschaften, stark sind auch die Mathematik- und Naturwissenschaften.
Promotionsrecht soll Uni-Privileg bleiben
Verwunderlich ist das kaum: Schon seit Jahren klagen Wissenschaft und Industrie über einen Mangel an Talenten in diesen Fächern. Zahlreiche technische Universitäten haben deshalb Kooperationen mit Fachhochschulen ins Leben gerufen, um guten Absolventen so eine Möglichkeit zurPromotion zu geben.
Die neun führenden technischen Universitäten haben sich vor kurzen sogar dafür ausgesprochen, die Kooperationen mit den Fachhochschulen weiter auszubauen: "Die Universitäten sind offen für alle Kandidaten, die promovieren möchten", sagt Horst Hippler, der auch Präsident von TU9 ist - einem Zusammenschluss von neun technischen Universitäten, darunter die RWTH Aachen, die TU Darmstadt und die TU München, "allerdings müssen sie die Standards einer Universität erfüllen." Und das heißt auch: Das Promotionsrecht soll bei der Universität bleiben.
Andere Fachbereiche sind da längst nicht so aufgeschlossen. In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist der Anteil der zugelassenen Doktoranden, die von einer Fachhochschule kommen, deutlich geringer. Das Problem: Lange Zeit war die Zulassung zur Promotion standardisiert: "Viele Universitäten verlangen von Diplom-Absolventen mit FH-Abschluss ein Eignungsfeststellungsverfahren", sagt Ansgar Keller. Und das kann so aufwendig sein, dass viele schon aufgeben, bevor sie überhaupt angefangen haben.
Simon Land hat durchgehalten und schreibt seine Doktorarbeit über kulturelle Unterschiede in Produktentwicklungsprozessen: "Es ist ein Thema, das mich schon lange interessiert hat." Er plant, die Promotion noch in diesem Jahr zu beenden - nach nur zwei Jahren. Die wissenschaftliche Arbeit hat ihm schon Spaß gemacht, aber er will zurück in die Praxis: "Die Projektarbeit liegt mir mehr."
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
| alles zum Thema Fachhochschulen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH