Hochschul-Rankings sind für europäische Unis ein ewiges Ärgernis: Ganz oben balgen sich die Besten der Besten aus den USA mit den britischen Elite-Unis, und Kontinentaleuropa hat mit dem Ausgang des Rennens wenig bis nichts zu tun. Jedenfalls gilt das, wenn man solche Ranglisten für mehr hält als ein akademisches Gesellschaftsspiel - und wenn man speziell dem World University Ranking des britischen Hochschulmagazins "Times Higher Education" ("Times"-Ranking) traut.
Das Magazin veröffentlicht am Donnerstag seine aktuelle Bestenliste. Und die sieht der des Vorjahres sehr ähnlich: Abermals rangieren auf den ersten zehn Plätzen ausschließlich Universitäten aus den USA und Großbritannien. Nur vier deutsche Unis schafften es überhaupt unter die hundert Besten.
Die erfolgreichste unter den, laut "Times", weltweit allenfalls mittelprächtigen deutschen Hochschulen ist erstmals die TU München auf dem 53. Platz. Damit überholte die TU die Heidelberger Universität , die wie im Vorjahr auf Rang 57 landete. Abwärts ging es erneut für die LMU München, sie schaffte es mit dem 98. Platz gerade noch unter die Top 100. Ein wenig davor und erstmals in den Club der 100 kam die Freie Universität Berlin auf Platz 94 (Vorjahr 137.). Alle vier Hochschulen wurden bei der deutschen Exzellenzinitiative mit Elite-Lorbeer behängt.
Leichter Aufwind für Europa und Asien
Internationaler Spitzenreiter bleibt unangefochten die Harvard University in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts, gefolgt von der englischen Uni Cambridge. Der dritte Platz geht an Yale, dahinter die Aufsteiger des University College London. Platz 5 teilen sich das Imperial College London und Oxford. Dann folgt eine lange Reihe US-amerikanischer Hochschulen, darunter die bekannten Spitzen-Unis Princeton (8.), die Ingenieurschmiede MIT (9.) Columbia (11.), Cornell (15.) und Stanford (16.). Die vollständige Liste zeigt die Web-Seite des World University Rankings 2009.
Bemerkenswert an der diesjährigen Liste: Unter den Top 100 sank die Zahl der US-Hochschulen von 42 auf 36 - für die Autoren der Studie ein Beleg dafür, dass asiatische und europäische Unis im internationalen Vergleich aufholen.
Wie bei den meisten anderen internationalen Ranglisten holen auch beim Times-Ranking englischsprachige Unis stets die besten Platzierungen. Wichtig für das Abschneiden ist der Stand in der Forschung. Dafür werten die Ranking-Macher aus, wie viele Artikel in renommierten internationalen Fachzeitschriften eine Hochschule im Verhältnis zur Zahl ihrer Mitarbeiter veröffentlicht hat. Ein Fünftel der Gesamtpunktzahl wird so ermittelt.
Dass Englisch die Wissenschaftssprache Nummer eins ist, wissen natürlich auch die Macher des Rankings: "Wir akzeptieren eine Verzerrung zugunsten von Veröffentlichungen in englischer Sprache", hieß es in den Methoden-Erklärungen zum Ranking von 2008. Als einzige nicht-englischsprachige Uni schaffte es die ETH Zürich unter die besten 20.
Entscheidungshilfe oder Zeitverschwendung?
Neben der Zitation zählte zu den wichtigsten Kriterien die Einschätzung der Unis durch 9386 Wissenschaftler und gut 3200 Arbeitgeber. Ermittelt wurde außerdem das Betreuungsverhältnis wissenschaftlicher Mitarbeiter zu Studenten sowie die Internationalität von Dozenten und Studenten. Das sei ein Kriterium für die Attraktivität, so die Autoren der Studie - auch hier kein Wunder, dass angelsächsische Unis mit der wichtigsten wissenschaftlichen Gebrauchssprache in Führung liegen.
Weil die Kontinentaleuropäer diese ungleichen Maßstäbe ärgern, soll nun bald zurückgerankt werden: Eine neuartige Bestenliste entwickelt derzeit das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) im Auftrag der EU. Die Rangliste soll im Sommer 2011 fertig sein und fairer und besser werden als die Ranking-Dinosaurier der "Times Higher Education" oder der Jiao-Tong-Universität in Shanghai. Das jedenfalls versprechen die Hochschulforscher des CHE.
Viele Wissenschaftler halten Ranglisten für Zeitverschwendung, über deren Sinn und Unsinn gezankt wird, seit es sie gibt. Wie unterschiedlich man sie bewerten kann, zeigten kürzlich Debattenbeiträge in der Wissenschaftszeitschrift "duz": Für Ranking-Freund Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ermöglichen solche Bestenlisten eine qualifizierte Entscheidung gerade für Studieninteressenten, die nicht aus akademisch geprägten Elternhäusern stammen. Dagegen sieht Ranking-Gegner Michael Daxner, Soziologe an der Uni Oldenburg, die selbstbestimmte Entwicklung der Hochschulen in Gefahr: Wer die Ranking-Kriterien bestimme, diktiere die Richtung, in die sich Hochschule entwickeln - auch für jene, die gegen eine Ranking-Teilnahme entscheiden.
cht
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Eine Panne. Diese Untersuchung sollte doch am 11.11. 11 Uhr 11 veröffentlicht werden. Also von den 30 besten Hochschulen sind 21 in USA und GB. Auch - und nur hier kann ich richtig mitreden - bei den TUs gibt es kein [...] mehr...
Wie definiert man "konkurrenzfaehig"? Ich denke nicht, dass der Begriff da was taugt, da die verglichenen internationalen Universitaeten nicht zueinander ernsthaft in Konkurrenz stehen. Deutsche Unis konkurrieren mit [...] mehr...
Sie müssen es leider sein. Anders lassen sich diverse Exzellenz-Initiativen und staatlichen Zuwendungen zu privaten Universitätsgründungen nicht rechtfertigen. mehr...
@namlob Die geringen bis ganz abgeschafften Studiengebühren sind natürlich ein Vorteil und die verschärften Einreisebedingungen in den USA spülen viele neue Talente ins Land. Natürlich haben Uni-Städte wie Bonn, Freiburg oder [...] mehr...
Wenn man sich durch die Unigegenden der Universitätsstädte bewegt und die zahlreichen ausländischen - insbesondere asiatischen - Kommilitonen betrachtet, könnte man auf die Idee kommen, dass unsere Universitäten so schlecht auch [...] mehr...
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