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09.12.2009
 

Studienfach Techno-DJ

Heiße dänische Nächte in Berlin

Von Sonja Pohlmann

Studienfach Techno: Schnell, laut, heiß
Fotos

Gestatten, ich studiere Bässe: In der Techno-Akademie im dänischen Aarhus lernen die Studenten, wie man einer Partymeute einheizt und wie der Druck entsteht, der die Körper der Tänzer vibrieren lässt. Die Absolventen entern derzeit die Berliner Techno-Szene.

Die weiße Hose klebt am Körper, das Shirt hat sie ausgezogen, nur im weißen BH steht sie hinter dem DJ-Pult auf der Bühne des Clubs, Stroboskoplicht flackert. Um den Kopf hat sie ein weißes Tuch geschlungen, mit einem Schlitz für die Augen, die Frau will anonym bleiben, nur ihre Musik soll begeistern.

Und das tut sie: Dicht gedrängt tanzen etwa 400 junge Männer und Frauen zu den schnellen Bässen in der Kantine des Berghain, einem kleinen Nebengebäude auf dem Areal des weltweit berühmten Techno-Clubs am Berliner Ostbahnhof.

Dass der Act der Truppe Notic Nastic auch eine akademische Veranstaltung ist, ahnt die feiernde Menge nicht. Für sie ist es nur eine der vielen Elektro-Partys, wie sie samstagabends dutzendfach in der Hauptstadt veranstaltet werden. Für die Frau auf der Bühne ist diese Nacht Teil ihres Studiums. Ihre Uni: das Danish Institute for Electronic Music (DIEM) in Aarhus.

Deren Studenten sind gerade dabei, die deutsche Hauptstadt zu erobern. In der Partyreihe "Aarhus Berlin Crush (AB.C)", immer am letzten Samstag eines Monats, testen sie am deutschen Publikum, was sie in den Seminaren gelernt und in den Studios der Uni zusammengemixt haben.

DJ-Akademie mit harter Tür

Während anderswo angebotene Studiengänge wie Sound Engineering oder Musiktechnologie sich eher um technische Aspekte drehen, wird am DIEM elektronische Musik als Kunst begriffen. Und eine Chance hat nur, wer den hohen Ansprüchen des Instituts genügt: Von den 80 Bewerbern, die jedes Jahr ihre CDs einschicken, dürfen nur etwa zehn zur persönlichen Vorstellungsrunde nach Aarhus kommen, davon wiederum werden nur vier bis sechs neue Studenten aufgenommen. Gegründet in den achtziger Jahren, wurde das Institut im Jahr 2003 der Staatlichen Hochschule für Musik angegliedert. Die bisher 25 Studenten bilden eine musikalische Avantgarde, wie sie in der europäischen Hochschullandschaft wohl einzigartig ist.

Elektronische Musik zu studieren wird am DIEM genauso ernst genommen wie die Ausbildung zum klassischen Musiker an der Hochschule. Dort können die jungen Künstler auch Schwerpunkte wie Jazz, Rock und Latin belegen und sich zum Orchestermusiker, Solisten oder Musiklehrer ausbilden lassen.

Die Akademie liegt nur wenige Minuten von der Fußgängerzone von Aarhus entfernt, sie ist - mit der städtischen Musikschule und dem neuen Kunstmuseum Aros - Teil des kulturellen Zentrums der Stadt. Etwa 300 Studenten sind an der Hochschule eingeschrieben, aus einem Übungsraum tönt gerade eine Klarinette, aus einem anderen hämmert Schlagzeug. Nur unten aus dem Keller, dort, wo die zwei Tonstudios für die Techno-Studenten des DIEM liegen, ist kaum ein Laut zu hören. Die perfekt isolierten Räume sind Spezialkonstruktionen voller Hightech, einer ist wie die Wabe eines Bienenstocks konstruiert, um einen besseren Klang zu ermöglichen.

Lernen, wie der Druck entsteht, der aus den Boxen kommt

Laut wird es darin oft, so laut wie in einem Club. Manu Grünberg, 21, deutscher Student im dritten Semester, hat einmal sogar einen Feueralarm ausgelöst, so heftig schwangen die Bässe. Inzwischen sind die Sensoren nachjustiert, und Manu kann mit seinem Dozenten Bjørn Christiansen in Ruhe an einem Stück feilen.

Sie sprechen darüber, wie die einzelnen Spuren und Frequenzen zusammenpassen, wie mehr Druck erzeugt werden kann. Es geht nicht nur um Musik, sondern oft auch um Physik: Elektronische Musik wird eben mit technischen Geräten wie Computern und Synthesizern erzeugt.

Technisch fit zu sein ist deshalb eine wichtige Voraussetzung fürs Studium am DIEM. Kein Problem für Grünberg, der in Mathe und Physik eine Eins im Abitur hatte. Er ist zurzeit der einzige deutsche Student am DIEM. Dänemark ist ihm vertraut, er wuchs nahe der Grenze bei Flensburg auf und gehört der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein an.

Seine Leidenschaft für elektronische Musik entdeckte er in Berlin, wo sein Vater lebt. "Ich bin schon mit 14 ins Ostgut, den Vorläufer des Berghain, gegangen, damals hat mich die Energie der Musik gepackt", erzählt Grünberg. Schon als Schüler experimentierte er am Computer viel mit Musik herum, bewarb sich am DIEM mit einer CD, auf der er Cello-Musik und Elektro mischte. "Eine sehr originelle Idee, die uns überzeugt hat", sagt Wayne Siegel, Leiter des DIEM. "Manu ist sehr gut darin, sich selbst durch Sound auszudrücken."

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