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18.11.2009
 

Betrugsverdacht gegen Professor

800 Euro Seminar-Eintritt

Von Armin Himmelrath

Hochschule Niederrhein: Studenten als KundenZur Großansicht
Hochschule Niederrhein

Hochschule Niederrhein: Studenten als Kunden

Ein Professor der Hochschule Niederrhein soll ganz private Studiengebühren kassiert haben. Die Hochschulleitung und ein Verband werfen ihm vor, er habe in Seminaren 800 Euro von Studenten verlangt - für gefälschte, wertlose Zertifikate. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Sein Salär soll ein Professor der Hochschule Niederrhein im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen und Gesundheitswesen jahrelang höchst kreativ aufgestockt haben. Diesen Verdacht haben jedenfalls Hochschulleitung und Staatsanwaltschaft: Für den Besuch seiner regulären Vorlesung versprach der Professor nicht nur die normalen Leistungspunkte - sondern zusätzlich noch die Bescheinigung für ein teures Qualitätsmanagement-Seminar. Dafür verlangte er allerdings 800 Euro von den Studenten.

Für die Seminare sollte es Zertifikate des Refa-Verbandes geben. Refa steht ursprünglich für "Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung", gegründet 1924. Heute gilt der Verband als eine der wichtigsten deutschen Organisationen für Arbeitsgestaltung, Unternehmensentwicklung und Mitarbeiterqualifikation. Er bietet Fortbildungen und Seminare an, etwa zu "Ressourcenplanung" oder "Kostenrechnung".

Die Uni-Leitung ist bestürzt. "Wir haben dem betroffenen Professor bereits am 5. Januar 2007 verboten, seine privat angebotenen Qualitätsmanagement-Seminare und die von ihm an der Hochschule unterrichteten Module zu verknüpfen", sagt Rudolf Haupt, Sprecher der Hochschule Niederrhein. Es habe damals Hinweise von Studenten gegeben, dass Druck ausgeübt worden sei, auch für normale Seminare zu bezahlen. "Diese Verquickung geht nicht, er hat deshalb für das QM-Seminar keine Genehmigung bekommen", so Haupt. Zudem liege aktuell überhaupt keine Nebentätigkeitsgenehmigung für den Professor vor.

Trotz Verbot soll der Professor weiter kassiert haben

Doch an das Verbot der Hochschulleitung hielt sich der geschäftstüchtige Ingenieurwissenschaftler offenbar nicht. 60 bis 70 Studenten pro Semester sollen weiterhin an den Bezahl-Seminaren teilgenommen haben, schätzt der Dekan des Fachbereichs. Sie setzten wohl darauf, mit dem Refa-Zertifkat ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu steigern.

Eine trügerische Hoffnung, denn der Professor, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, habe das Refa-Zertifikat gar nicht ausstellen dürfen, sondern gezielt Briefköpfe und Logo gefälscht. Sollte sich der Vorwurf bestätigen, gab es für die 800 Euro also nur wertloses Papier.

"Wir ermitteln deshalb wegen Betrugsverdachts", sagte Oberstaatsanwalt Hans-Dieter Menden SPIEGEL ONLINE. Die zusätzlichen Einnahmen des Professors von bis zu 70.000 Euro pro Semester, von denen laut "Financial Times Deutschland" die Rede war, wollte Menden allerdings nicht bestätigen: "Wir müssen jetzt erstmal herausfinden, wie viele Studenten überhaupt betroffen sind."

Der Professor hatte die Vorwürfe direkt nach Bekanntwerden noch als haltlos zurückgewiesen. Auf wiederholte Anfragen von SPIEGEL ONLINE mit der Bitte um Stellungnahme reagierte er nicht.

"Die Studenten haben in gutem Glauben gehandelt"

Hochschulsprecher Haupt bestätigte unterdessen, dass Rektor Hermann Ostendorf ein Disziplinarverfahren eingeleitet habe, den Professor aber bis zum Vorliegen von Ergebnissen im Dienst belasse. Auch der Refa-Verband hat Strafantrag gestellt, weil der Krefelder Hochschullehrer seit 2006 das Verbandslogo nicht mehr benutzen dürfe - Betrug, Urkundenfälschung und die Verletzung von Markenrechten kämen hier als Straftaten in Betracht.

Die Studenten nimmt Manfred Stroh vom Refa-Bundesverband aber ausdrücklich in Schutz: "Die haben in gutem Glauben gehandelt." Allen Betroffenen, so Stroh, werde die Refa jetzt anbieten, "die entsprechende Urkunde auf ordentlichem Weg zu erlangen".

Asta-Sprecher Robert Kramer rät seinen Kommilitonen nach dem Skandal zur Vorsicht: "Wir können Studenten nur empfehlen, bis auf weiteres solche Seminare zu meiden, in denen private und dienstliche Aktivitäten der Professoren zusammenfallen." Einzelne Studenten haben bereits angekündigt, ebenfalls Klage gegen ihren Professor einreichen zu wollen.

Auch auf der Bewertungs-Homepage Meinprof.de kommt der Professor in der studentischen Kritik auf den ziemlich mittelmäßigen Wert von 3,07 (auf einer Skala von 1 für sehr schlecht bis 5 für sehr gut). Zu seinen schlechtesten Ergebnissen zählt mit 2,71 die Rubrik "Note/Aufwand".

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