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06.01.2010
 

Was kostet die Welt

Dublin - neureich, aber herzlich

Die Wirtschaftskrise lässt in Irland die Preise purzeln, aber Supermarktrechnungen und Mieten sind in Dublin noch immer schmerzhaft teuer. Benjamin Hammer erklärt, wie man ohne dicke Geldbörse dennoch great craic in Irlands Hauptstadt haben kann.


Mal so richtig auf dicke Hose machen? In Dublin ist das kein Problem. Am St. Stephen's Green Park trifft sich Irlands Schickeria jeden Freitagabend, schlürft Austern (halbes Dutzend für 23 Euro) und trinkt Guinness (sieben Euro das Glas). Kein Land in Europa erlebte in den neunziger Jahren einen vergleichbaren Wirtschaftsaufschwung. Das ließ die Löhne steigen, damit auch die Preise. Für das Budget der Dubliner und für Gäste ist das eine Herausforderung.

Doch das neureiche Irland musste viel einstecken im vergangenen Jahr. Die Zeiten, in denen man eine Kneipe lässig mit einer 200-Euro-Rechnung verließ, sind für viele vorbei. Manche sagen: Die Krise ist das Beste, was Irland passieren konnte. Die Preise sinken, und Irlands Seele kommt wieder besser zum Vorschein: die Herzlichkeit.

Statt in "Bentley's Oyster Bar" trifft man sich jetzt wieder im Pub um die Ecke. Die Leute ziehen jetzt nicht mehr in Luxuswohnungen am Grand Canal Dock, sondern in die alten Reihenhäuser aus Backstein. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Mercer ist Dublin im internationalen Vergleich günstiger geworden und rangiert jetzt nur noch auf Platz 25 auf der Liste der teuersten Städte weltweit. Damit ist Dublin noch immer recht kostspielig, aber man kommt besser zurecht am River Liffey.

Wohnen: Besenkammer ab 350 Euro

Die Jahre, in denen man sich zu dritt eine kleine Schlafkammer teilen musste, sind vorbei. Die Mieten in Irlands Hauptstadt sanken im vergangenen Jahr um rund ein Viertel. Jetzt kostet ein großes Zimmer (Double Bedroom) je nach Lage 400 bis 650 Euro im Monat, ein kleines Zimmer (Single) 350 bis 550 Euro - so ein Raum ähnelt aber einer Besenkammer. Immerhin: Fast alle Zimmer in Irland sind möbliert. Die beste Übersicht über den Wohnungsmarkt gibt es auf der Website Daft.

Wer als Student ans Trinity College kommt, kann sich für ein Zimmer auf dem Campus bewerben. Die Miete ist für die zentrale Lage mit etwa 500 Euro monatlich günstig, und man lebt in jahrhundertealten Gemäuern. Manche Zimmer haben sogar einen eigenen Marmorkamin.

Herumbrausen: Verkehrschaos und Billigflug-Mekka

Die Städte mit der größten Staudichte in Europa? Athen und Dublin! Das sagt zumindest James Wickham, Soziologieprofessor des Trinity College. Wer mit dem Bus von der Dubliner Heuston Station in die Innenstadt will, braucht schon mal 45 Minuten für 3,5 Kilometer (Einzelticket: 1,60 Euro). Den Autobahnring, der um Dublin führt, nennen die Iren schlicht "Parkplatz". Durch die Boom-Jahre gebe es einfach viel zu viele Autos auf den engen Straßen, sagt Wickham.

Einzige Hoffnung ist für die Innenstadt das Fahrrad. Aber Vorsicht: Dublins Autofahrer haben an issue, also ein Problem, mit Fahrradfahrern. Die meisten Pedaltreter tragen hier Helm und Warnweste.

Wen der Verkehr frustriert, der findet Trost am Dubliner Flughafen: Mit Ryanair und Aer Lingus sind hier gleich zwei Billigflieger zu Hause, das schont das Budget. Hin- und Rückflug aus Deutschland kosten seltenmehr als hundert Euro, bei geschickter Buchung fliegt man fast umsonst. Wer jedoch für längere Zeit nach Dublin zieht, sollte sein Gepäck mit der Post schicken. Denn jedes Kilo extra lassen sich Ryanair und Aer Lingus fürstlich bezahlen.

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Autor

DW
Benjamin Hammer, 26, ist Absolvent der Kölner Journalistenschule. Er hat in Köln VWL und Politik studiert und einen Master in Politik am Trinity College in Dublin gemacht. Zurzeit ist er Volontär bei der Deutschen Welle.


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