Von Jochen Leffers und Christoph Titz
Um die Studienbedingungen in Deutschland zu verbessern, sollen Studenten aus dem Ausland höhere Studiengebühren zahlen. Dafür haben sich Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) und Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) ausgesprochen. "Deutschland muss umdenken", sagte Pinkwart der Wochenzeitung "Die Zeit", "wohlhabende Ausländer sollten das bezahlen, was ein Studium hier in einer der angesehendsten Wissenschaftsnationen der Welt wert ist." Den Universitäten in Großbritannien, Australien oder in den USA brächten die ausländischen Studenten ein finanzielles Plus, "wir zahlen kräftig drauf", so Pinkwart weiter.
Auch der Sozialdemokrat Zöllner aus Berlin, wo es anders als in NRW keine allgemeinen Studiengebühren gibt, sprach sich für ein solches System aus. Es sei möglich, "dass man über Studiengebühren für vermögende Nicht-EU-Ausländer, die nicht aus Entwicklungsländern kommen, nachdenkt". International sei es üblich, dass die Universitäten sich über Studiengebühren ausländischer Studenten neue Einnahmequellen für die bessere Betreuung ihrer eigenen Studenten erschlössen.
Pinkwart betonte, dass nur Ausländer aus Staaten außerhalb der Europäischen Union in Frage käme, da EU-Bürger grundsätzlich weiter wie Deutsche behandelt werden müssten. Eine weitere Einschränkung: Es dürfe nur um Studenten gehen, die sich die höheren Gebühren auch leisten könnten.
Australiens Extra-Einnahmen lassen deutsche Politiker träumen
Als positives Beispiel verwiesen beide Politiker auf das beliebte Studienziel Australien, das nur rund 20 Millionen Einwohner hat (Deutschland: 82 Millionen). Dem "Zeit"-Bericht zufolge haben dort ausländische Schüler und Studenten im Jahr 2008 umgerechnet 8,8 Milliarden Euro Gebühren gezahlt. Bildung sei mittlerweile gleich nach Kohle und Eisenerz die drittwichtigste Einnahmequelle für das Land, heißt es unter Berufung auf das australische Statistikamt. In Deutschland sei es weniger als eine Milliarde, "weit unterhalb der Kostendeckung".
Unter den knapp 180.000 echten "Bildungsausländern", die zuvor Schulen im Ausland besuchten, sind Asiaten und Osteuropäer am stärksten vertreten und Chinesen die mit Abstand größte Gruppe - fast 25.000 in Wintersemester 2008/09. Auf den nächsten Plätzen folgen Russen, Polen, Bulgaren und Türken mit jeweils zwischen 6000 und 10.000 Studenten. Die Top Ten komplettieren Ukrainer, Marokkaner, Österreicher, Kameruner und Franzosen.
Der Vorstoß von Pinkwart und Zöllner wirft viele Fragen auf. Besonders naheliegend: Von wem genau erhoffen sie sich gigantische Zusatzeinnahmen? Einen ordentlichen Teil ihrer Gaststudenten könnten die deutschen Hochschulen erst gar nicht extra zur Kasse bitten, weil sie aus der EU kommen. Und die meisten anderen größeren Nationengruppen stehen nicht unter dem Pauschalverdacht, dass die ausländische Studenten allesamt begüterte Eltern hätten, die ihnen locker ein dann viel teureres Studium in Deutschland finanzieren könnten.
Niedrige Studienkosten als deutscher Pluspunkt
Die beiden Minister begeben sich auf ein schwieriges Terrain und beleben eine Diskussion, die auch bei den akademischen Auslandsämtern seit Jahren untergründig rumort. Ob die Internationalisierung des Studiums ein Wert an sich ist oder ob die Hochschulen stärker darauf achten sollten, welche ausländischen Studenten sie nach Deutschland locken, ist durchaus umstritten. Bisher galt es als großes Plus des Studienstandortes, dass Ausländer in Deutschland vergleichsweise günstig studieren können - was das Minus der international weniger verbreiteten deutschen Sprache einigermaßen ausgleicht. Inzwischen allerdings gibt es auch an deutschen Hochschulen etliche englischsprachige Studienangebote.
Wer ausländischen Studenten mehr Geld abknöpfen möchte, das ist Pinkwart und Zöllner klar, muss auch personalintensiven Service bieten - was wiederum Geld kostet. Mit wenigen Ausnahmen begreifen die deutschen Hochschulen eine gute Betreuung von Gaststudenten nicht als ihre originäre Aufgabe und lassen sie im Studienalltag weitgehend allein: keine Spur von Rundum-Sorglos-Paketen vom Sprachkurs bis zum Prüfungs-Coaching, wie sie Universitäten in Australien oder Neuseeland internationalen Studenten bieten.
Nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) bricht jeder zweite Student aus dem Ausland sein Studium ab und kehrt zurück in sein Heimatland. Fast 40 Prozent aller Ausländer haben einmal pro Woche oder noch seltener Kontakt zu ihren deutschen Kommilitonen, ein Drittel fühlt sich fremd. Auf dem Campus finden sich Gruppen nach Nationalität sortiert zusammen, Kontakt zu den anderen Gruppen gibt es kaum. Die Isolation führe bei manchen Ausländern gar dazu, dass sie zum Ende ihres Studiums in Deutschland schlechter Deutsch sprechen als zu Beginn, so Ulrich Heublein vom HIS.
Pinkwart: Der Markt wird's schon richten
"Roadshows" und professionelleres Marketing auf internationalen Uni-Messen reichen da bei weitem nicht: Vor allem zu Hause wartet auf die Hochschulen noch viel Arbeit, wenn sie den Studienerfolg ihrer ausländischen Studenten verbessern und neue Studenten international anlocken wollen.
Bei Extra-Beiträgen für ausländische Studenten stehen Bildungspolitiker vor ähnlichen Fragen wie bei den Studiengebühren für inländische Studenten, die über viele Jahre die Länder so gründlich entzweiten: Wird die Campusmaut talentierte Studieninteressenten abschrecken? Sollen wir erst die Lehre und die Betreuung verbessern und dann für runderneuerte Hochschulen Geld von den Studenten eintreiben? Oder eröffnen wir erst einmal das Inkasso - und hoffen einfach, dass die Extra-Einnahmen nach ein paar Jahren irgendwie schon für bessere Studienbedingungen sorgen werden? Einige unionsgeführte Länder entschieden sich für Variante zwo. Und die Ergebnisse, wie man sie täglich an den Hochschulen besichtigen kann, führten zu viel Studentenfrust.
Damit Hochschulen ausländischen Studenten umschmeicheln und umsorgen, müsste noch viel geschehen. Und wie genau sie zwischen wirklich zahlungskräftiger Kundschaft und armen Studenten aus Entwicklungsländern fair unterscheiden sollen, das haben Zöllner und Pinkwart nicht beantwortet - zunächst haben sie nur einen Stein ins Wasser geworfen und wollen jetzt die Wellen beobachten.
FDP-Mann Pinkwart jedenfalls glaubt feste an die Logik des freien Marktes: Im Ausland will er eine Haltung nach dem Motto "Was nichts kostet, kann auch nicht viel wert sein" ausgemacht haben. "Es gibt einige Gesellschaften, die einem gebührenfreien Studium grundsätzlich kritisch gegenüberstehen", sagte er der "Zeit". Er rechnet demnach nicht mit einem Minus an Gaststudenten, sondern sogar mit einem Plus, wenn Ausländer extra zur Kasse gebeten werden.
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.. dass Menschen wie Sie hier sind. Neue Köpfe und neue Ideen haben einem Land noch nie geschadet. Und ich fände es auch gut, wenn Sie oder einige Ihrer Kollegen nach dem Studium im Land bleiben würden. mehr...
Selbst bei Elite-Unis bekommt man kaum Unterstützung von den Unis. Die Professoren haben sehr schlechte Skripte in der Regel. Ich habe zum Glück Zugang zu englischer Literatur, daher lerne ich immer aus amerikanischen Büchern (bei [...] mehr...
Ich selbst bin auch ein Nicht-EU ausländischer Student, studiere in 2 MINT-Fächer an einer "Elite-Universität", bin DAAD- und Max-Weber-Programm-Stipendiat, also nicht der Student, der hier kommt, um soziale Leistungen [...] mehr...
und kenne als solche ja ganz viele hier in Deutschland. Die Mehrheit der nicht Europäer kommt nicht aus reichen Familien, kenne eigentlich keinen einzigen. Ich kenne aber viele, die nach der Einführung der Studiengebühren den [...] mehr...
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