ThemaStudienstartRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.04.2010
 

Ärztemangel

Rösler will Numerus Clausus für Medizinstudium abschaffen

Gesundheitsminister Rösler: Überversorgung in Ballungszentren, Ärztemangel auf dem LandZur Großansicht
AFP

Gesundheitsminister Rösler: Überversorgung in Ballungszentren, Ärztemangel auf dem Land

Gesundheitsminister Rösler warnt vor einem Ärztemangel in Deutschland. Darum will er den Numerus Clausus im Medizinstudium abschaffen und stärker auf Auswahlgespräche an den Unis ersetzen. Seine These: Wer ein mieses Abitur hat, kann trotzdem ein guter Mediziner werden.

Berlin - Einen Vorwurf kann man Philipp Rösler derzeit nicht machen: mangelnde Präsenz. Mit seinen Sparplänen hat der Gesundheitsminister die Pharmalobby gegen sich aufgebracht, nun kommt er mit einem Vorschlag zur Vergabe von Studienplätzen, die laut Verfassung von den Ländern verantwortet wird.

Mit seinem Vorschlag, den Numerus Clausus im Medizinstudium abzuschaffen, stößt Rösler sicher manchen Kultusminister auf Länderebene vor den Kopf. Doch der FDP-Minister gibt sich optimistisch: Er habe mit den Gesundheitsministern der Länder und mit Bildungsministerin Annette Schavan über das Thema gesprochen und dabei noch keine Widerstände feststellen können.

Röslers Ziel: Er will dem drohenden Ärztemangel mit einem erleichterten Zugang zum Medizinstudium entgegenwirken. Der Numerus Clausus halte zu viele Interessenten vom Ärzteberuf ab, nur jeder Vierte, der Medizin studieren wolle, könne dies aufgrund der Zugangsbeschränkung einer Abiturnote von 1,4 auch tun. Stattdessen will Rösler stärker auf Auswahlgespräche an den Universitäten setzen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS").

Der Notendurchschnitt sei sehr hoch, außerdem sage er "allein nichts darüber aus, ob jemand ein guter Arzt wird", so der Minister. Auch andere Faktoren seien wichtig wie etwa die Fähigkeit zur menschlichen Zuwendung. Zwar sei klar, dass die Auswahlgespräche mehr Aufwand für die Universitäten bedeuten würden, doch dies lohne sich, wenn am Ende "genug und genug fähige Ärzte" dabei rauskämen.

Rösler sagte der "FAS", es gebe eine "Überversorgung mit Ärzten in Ballungszentren", jedoch einen erheblichen Ärztemangel auf dem Land. "Wenn wir jetzt nicht handeln, wird das Problem dramatisch schon in den nächsten zehn Jahren", warnte er. Jeder zweite der 150.000 niedergelassenen Ärzte sei über 55 Jahre alt.

Zur Frage, wann die Reform in Kraft treten solle, sagte Rösler: "Man sollte es nicht übers Knie brechen", aber er würde die Umstellung "gerne noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg bringen" - das heißt bis 2013. Es müsse aber abgewartet werden, "wie die Länder darauf reagieren".

Rösler spricht sich in dem Interview auch für andere Arbeitszeitmodelle von Ärzten aus. Bereits 60 Prozent der Medizinstudenten sind Frauen. Kliniken, die über Ärztemangel klagen, sollten den Arbeitsalltag anders organisieren, damit Halbtagsbeschäftigung von jungen Eltern möglich werde. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch in der Medizin ein ganz wichtiges Thema", sagte Rösler der Zeitung. "Ich weiß aus eigener Erfahrung, wovon ich spreche, denn meine Frau ist Ärztin."

cte/Reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 273 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
08.04.2011 von Lelia Hanson: ....

Ihr Beitrag regt mich doch etwas auf, Politikum. Zuerst einmal ist ihre Metapher total schlecht gewählt, dabei müsste man doch meinen, dass Sie nach so einem Kommentar, in jedem Bereich vorbildlich gebildet sind ? Des [...] mehr...

26.03.2011 von Bartfratze: Jetzt muss ich auch mal antworten...

es ist natürlich wahr, dass nicht jeder 1er kandidat einen guten arzt abgibt, doch wage ich zu behaupten, dass die intellektuellen voraussetzungen für das medizinstudium bei den guten abiturienten eher gegeben sind als bei [...] mehr...

02.11.2010 von Kybella: Falsche Vorstellung der jetzigen Studenten

Ich kann ja verstehen dass sich einige jetzige Studenten in ihrer harten Arbeit und ihrer allgemeinen Existenz bedroht fühlen, auf einmal mit Menschen zu arbeiten, die "schlechter" sind wie sie selbst... Von dieser [...] mehr...

26.07.2010 von junima131: Falscher Ansatz

Dieser Ansatz geht in eine völlig falsche Richtung. Der Ärztemangel ist nicht durch den Nummerus clausus entstanden, sondern dadurch, dass der ärztliche Beruf immer unattraktiver wird. In den Krankenhäusern herrscht überall ein [...] mehr...

11.05.2010 von Politikum: abgekuckt

Herr Rösler scheint sich das Prinzip von den Herstellern von Mogelpackungen abgekuckt zu haben: Weniger Inhalt, schlechtere Zutaten, aber gleicher Preis (= Zahl der Studienplätze). Deutschland ist dabei, seine letzten [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
alles aus der Rubrik Studium
alles zum Thema Studienstart

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Hochschulkompass

DDP
Wo kann man Komparatistik studieren? Oder Pharmazie? Und Jura im Nebenfach? Alle Fächer, alle Abschlüsse, alle Orte - mit dem Hochschul-Kompass auf SPIEGEL ONLINE navigiert man durch die Studiengänge deutscher Hochschulen. mehr...

Studienplatztausch

DDP

Wer nur einen Platz weit weg von der Uni der ersten Wahl bekommt, muss nicht verzweifeln - der Studienplatz lässt sich tauschen. Gleiches Fach, gleiches Fachsemester, vergleichbare Scheine: Schon kann es losgehen. Die Tauschbörse auf SPIEGEL ONLINE vermittelt den passenden Partner, ohne endlosen Papierkrieg. Mehr ...


Social Networks

Entdecken Sie außerdem UniSPIEGEL auf...





TOP



TOP