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18.05.2010
 

Pisa für Studenten

"Der Ruf ist zweitrangig"

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ddp

Uni-Absolventen (in Bonn): Wie gut sind die deutschen Studenten?

Die OECD will vergleichen, was Hochschulabsolventen aus vielen Ländern können, wie analytisch und kritisch sie denken. Deutsche Hochschulen sträuben sich noch. Im Interview erklärt OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger das internationale Ahelo-Projekt.

UniSPIEGEL: Die OECD will die Leistungsfähigkeit von Hochschulabsolventen aus vielen verschiedenen Ländern miteinander vergleichen, ab 2012 beim sogenannten Ahelo-Projekt. Warum?

Ischinger: Die Universitäten stehen heute in einem globalen Wettbewerb, und die Studenten sind viel mobiler als früher. Es wird künftig normal sein, dass sich ein Abiturient weltweit auf die Suche nach der richtigen Uni macht, und da schaut er natürlich darauf, wo die Studenten am besten ausgebildet werden.

UniSPIEGEL: Universitäten aus 14 Ländern nehmen an der derzeit anlaufenden Ahelo-Machbarkeitsstudie teil, deutsche Hochschulen sträuben sich. Wieso?

Ischinger: Zurzeit werden Hochschulen ja überwiegend an ihren Forschungsleistungen gemessen und zehren von ihrer weltweiten Reputation. Die Prüfkriterien bei Ahelo aber sind andere - da könnte manche berühmte deutsche Forschungsuniversität plötzlich schlechter abschneiden als die kleine Fachhochschule in der Nachbarschaft.

UniSPIEGEL: Wie das?

Ischinger: Forschung und Ruf einer Einrichtung sind zweitrangig bei Ahelo. Wir schauen ja auf die Leistungsfähigkeit der Absolventen, darauf, was sie an der Hochschule gelernt haben. Letztlich geht es also um die Lehrleistung der einzelnen Hochschulen. Die ist für die Studierenden entscheidend. Langfristig soll Ahelo so auch dabei helfen, dass die Professoren und anderen Lehrenden die Lerninhalte und ihre Lehrmethoden den Anforderungen einer globalisierten Welt anpassen.

UniSPIEGEL: Was wird von den Studenten erwartet, die an Ahelo teilnehmen?

Ischinger: Wir prüfen, wie analytisch und kritisch sie denken können; das ist schließlich der Grundstock für beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg. Anschließend erfragen wir Fachwissen.

UniSPIEGEL: Haben Sie eine Idee, wie die deutschen Studenten sich schlagen werden im Vergleich mit Japan oder den USA?

Ischinger: Es gibt derzeit keine konkreten Daten, um dazu etwas sagen zu können. Aber Deutschland hat keinen Anlass zu glauben, dass es im Wettbewerb nicht mithalten könne. Deutsche Absolventen der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften sind weltweit sehr gefragt.

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DPA
Barbara Ischinger, 61, ist Afrikanistikprofessorin und war unter anderem Lehrbeauftragte in Washington, New York und an der Harvard University in Cambridge. Bevor sie Bildungsdirektorin der OECD wurde, war sie Vize-Präsidentin der Humboldt-Universität in Berlin und arbeitete bei der renommierten Fulbright-Kommission.

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