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22.04.2010
 

Studenten und Abiturienten

Mehrheit findet Stipendienvergabe ungerecht

Von Jochen Leffers und Christoph Titz

Stipendien: Geld für Überflieger
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DDP

Geld gibt's für die Besten, nach dieser Devise sollen mehr Stipendien an Studenten gehen. Wer aber sind die Besten? Noten allein dürfen nicht den Ausschlag geben, fordern Studenten und Schüler einer Umfrage zufolge. Sich selbst halten die meisten für völlig chancenlos.

Geht es bei der Vergabe von Stipendien gerecht zu? Und wer soll das Geld bekommen - nur die leistungsstärksten Studenten oder Kommilitonen, die das Geld wirklich brauchen? Eine Untersuchung zur "Studienfinanzierung 2010" zeigt große Skepsis gegenüber Stipendien: 77 Prozent der Abiturienten und 84 Prozent der Studenten fordern, dass bei der Stipendienvergabe neben Noten auch andere Kriterien berücksichtigt werden, vor allem die sozialen Verhältnisse und das soziale Engagement der Studenten.

Das ergab die Studie "Großer Bedarf - wenig Förderung. Studienfinanzierung 2010" des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Reemtsma Begabtenförderungswerks. Im Februar wurden rund 3400 Abiturienten und Studenten befragt. Die Ergebnisse belegten "Schwächen der Stipendienvergabepraxis" anhand der Erfahrungen und Einschätzungen der Studenten und Schüler, so das Allensbach-Institut.

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch in Berlin beschlossen, ein Nationales Stipendienprogramm zu starten. Nach einigen Jahren sollen rund 200.000 leistungsstarke Studenten Stipendien von 300 Euro bekommen - unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach dabei vom Start in eine neue Stiftungskultur.

Heftige Kritik an schwarz-gelben Plänen

Zum Kabinettsbeschluss vom Mittwoch hagelte es allerdings Kritik an den Stipendien-Plänen: Opposition und Gewerkschaften kritisierten "Klientelpolitik" und "Geldgeschenke für die Kinder reicher Eltern". Es ist indes ein bisher ungedeckter Scheck, für den Bund und Länder nur zu jeweils einem Viertel aufkommen wollen. Die andere Hälfte soll die Wirtschaft übernehmen und für das Stipendienprogramm, so hoffen es Schavan und NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), rund 300 Millionen Euro lockermachen. Und das jährlich - sofern die Pläne jemals in diesem Umfang umgesetzt werden. Höchst skeptisch zeigte sich die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA). Die Förderung von Studenten sei "keine originäre Aufgabe der Unternehmen", so die BDA.


Auch Studentenvertreter, SPD und Grüne, Gewerkschaften und renitente Stipendiaten der großen Begabtenförderungswerke sprachen sich gegen die schwarz-gelben Pläne aus. Mehr Geld für Stipendiaten nütze vor allem Kindern aus Akademikerfamilien, so die Kritiker. Sinnvoller sei es, die Mittel Studenten aus einkommensschwachen Familien zu geben, um ihre Studienchancen zu erhöhen. Eine Erhöhung des Bafög und der Eltern-Freibeträge hat die Bundesregierung ebenfalls beschlossen, allerdings lediglich um zwei Prozent.

Die Kritiker der Stipendienpläne befürchten zudem, dass Stipendien in erster Linie Studenten in einzelnen Fächergruppen zugute kommen, etwa in den Ingenieur-Disziplinen, Jura und Wirtschaftswissenschaften. Wegen des hohen Anteils, den Unternehmen und andere Privatspender übernehmen sollen, könnte es auch starke regionale Schieflagen geben. Daneben warnen die Hochschulrektoren vor lokal verankerten Stipendien als Mobilitätsbremse - weil Studenten bei einem Uni-Wechsel das Stipendium nicht einfach mitnehmen können. Die Hochschulen wiederum weisen darauf hin, dass der hohe Aufwand bei der Einwerbung der Mittel und bei der Stipendiatenauswahl sie überfordern könnte.

Die Bedenken, Stipendien nützten überwiegend Kindern aus wohlhabenden Elternhäusern, decken sich laut Allensbach-Untersuchung mit den Ansichten eines großen Teils der Schüler und Studenten. 52 Prozent der befragten Abiturienten und 43 Prozent der Studenten sind der Meinung, dass Kinder aus Arbeiterfamilien in ihren Chancen auf ein Stipendium benachteiligt sind. Der Studie zufolge deckt sich das mit den Erfolgsbilanzen bei Bewerbungen: Bei Kandidaten aus Akademiker- und Selbständigen-Haushalten habe etwa jede zweite Bewerbung Erfolg, bei Kandidaten aus bildungsfernen Familien nur jede dritte.

Nur jeder sechste Abiturient glaubt an seine Stipendienchance

Eine deutliche Mehrheit allerdings bewirbt sich gar nicht erst - weil man sich selbst für ohnehin chancenlos hält. Der Umfrage zufolge rechnen zwar zwei Drittel der studierwilligen Abiturienten mit Problemen, ihr Studium zu finanzieren. Doch nur 16 Prozent planen, sich für ein Stipendium zu bewerben. Die meisten schätzen ihre Erfolgsaussichten als "eher gering" oder sogar "sehr gering" ein.

Die Zahl der Stipendiaten gibt den Skeptikern unter den jungen Erwachsenen recht: Bisher erhält nur rund ein Prozent der deutschen Studenten ein Stipendium der großen Begabtenförderungswerke, von der Studienstiftung des deutschen Volkes bis zu den Stiftungen, die von Parteien, Kirchen, Arbeitgebern und Gewerkschaften getragen werden. Nimmt man alle Stipendiengeber in Deutschland zusammen, sind es immer noch deutlich unter zwei Prozent der Studenten, die Stipendien bekommen.

Neben herausragenden Leistungen in Schule und Studium erwarten die großen Studienstiftungen auch politisches, gesellschaftliches oder soziales Engagement sowie, je nach Ausrichtung, eine gewisse weltanschauliche Nähe. Wie wichtig ihnen ein Horizont über das Fachliche hinaus ist, betonen die Förderwerke stets sehr stark.

Real allerdings kommen praktisch durchweg Einserschüler und -Studenten zum Zuge. Und auch die Analyse der sozialen Herkunft von Stipendiaten ergibt ein überaus klares Bild: Studenten aus akademisch geprägten Elternhäusern bleiben weitgehend unter sich, junge Leute aus Arbeiter- und Einwandererfamilien erreichen die Förderung meist gar nicht erst - es ist eine Inzucht der Eliten.

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24.04.2010 von schneit2: Fakt...

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24.04.2010 von opakurt: Stipendien sind kein BaFöG-Ersatz!

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24.04.2010 von flocki: Bafög reicht völlig

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23.04.2010 von Friedrich der Streitbare: Die "Mehrheit" ist kein Kriterium

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