"Ich stehe heute noch nicht richtig dazu, dass ich stottere. In meiner Firma weiß es nur mein Chef. Wenn jemand weiß, dass ich stottere, dann falle ich eher in die Symptomatik zurück. In der Firma arbeite ich jetzt seit einem Jahr, und ich habe seitdem kaum noch gestottert. Vielleicht liegt es daran, dass ich viel Selbstvertrauen gewonnen habe, weil ich das Studium abgeschlossen habe und weil ich mich in der Firma sehr wohl fühle. Ich leide aber heute noch mit, wenn ich einen Stotterer höre, weil ich weiß, wie schwierig es ist.
Früher haben die negativen Phasen überwogen. In der Realschule ist mir das Stottern erst richtig bewusst geworden. In der Schule habe ich mich nie zum Klassensprecher wählen lassen, ich habe nie irgendetwas gemacht, wo ich öffentlich reden musste.
Ganz schlimm war es im Englischunterricht. Es gibt Stotterer, die stottern in der Fremdsprache gar nicht. Bei mir verstärkt es sich noch. Ich hatte immer Schiss, dass ich etwas vorlesen muss. Ich saß da und hatte ständig Angst, von der Lehrerin drangenommen zu werden. Immer habe ich irgendwas gemacht, beschäftigt getan. Irgendwann erwischte sie mich doch. Und dann hing ich da.
Mein Körper macht, was er will
Ich wollte mich immer verstecken. Ich habe einen Hang zum Perfektionismus, das Stottern passt da nicht rein. Stottern sehe ich heute noch als eine Art Behinderung. Jeder, egal wie blöd oder intelligent er ist, kann etwas vorlesen und normal reden. Aber ich kann nichts dagegen machen. Ich kann mich so gut wie möglich konzentrieren, aber eigentlich macht mein Körper, was er will. Ich bin ihm ausgeliefert.
Viele Leute wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Negative Erfahrungen habe ich aber noch nie so richtig gemacht, ich war auch nie ein Außenseiter. Manchmal bin ich froh, wenn die Leute mir helfen. Manchmal ist es aber auch blöd, wenn sie reinreden, weil sie denken, sie wissen, was ich sagen will. Ich will aber etwas ganz anderes sagen, dann muss ich sie unterbrechen und wieder von vorn anfangen. Am meisten stört es mich, wenn mich die Leute so mitleidig anglotzen. So: Ach, der kleine Stotterer.
Referate und Vorträge habe ich immer so 25 Mal geübt. Danach habe ich sie Kollegen vorgetragen, und es hat immer wunderbar geklappt. Nur wenn es drauf ankam, hat es nicht funktioniert. Das untergräbt einem ein bisschen das Selbstbewusstsein. Manchmal habe ich bei einem Referat zwei Minuten gebraucht, um meinen eigenen Namen rauszubekommen. Danach hatte ich nur noch wenig Zeit für den ganzen Stoff.
Bei Referaten ist es so, als würde ich mich aus einer anderen Perspektive sehen. Ich nehme die Leute gar nicht mehr wahr. Ich fühle mich wie außerhalb meines Körpers. Vielleicht ziehe ich mich zurück, damit ich mich nicht so wahrnehme. Manchmal waren es auch einfache Meldungen im Seminar, die ich nicht rausbekommen habe. Meist habe ich es trotzdem durchgezogen. Sonst hätte ich ja komplett verloren.
Ich habe im Gefühl, ob ich stottern werde oder nicht. Das ist ein inneres Gefühl, das ich mit der Zeit entwickelt habe. Aber ich versuche, mir nicht mehr so viele Gedanken zu machen. Das hilft."
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Haben Sie schonmal daran gedacht, dass eine Person mit Handicap sich zwangsläufig mehr anstrengen und leisten muss als eine "normale" Person? Eventuell erhalten die Schulkinder sogar noch einen Vorteil, weil die [...] mehr...
Quatsch! Am Ende sind auch hier wieder die Eltern schuld, wenn bei allen ohnehin vorhandenen schulischen Defiziten auch noch sprachlich ungeeignetes(!) Personal eingestellt wird. Werte mullemaus, Sprachfehler müssen ein Ko - [...] mehr...
Das glaube ich nicht, dass Stotterer für dumm gehalten werden. Die Mehrheit denkt nicht so. Die paar Leute die Stotterer für dumm halten sind das selber und die kann man nicht ernst nehmen. Ich denke Stotterer werden eher [...] mehr...
Kann ich mich nur anschliessen: Ich habe im Studium groesstes Verstaendnis erfahren, obwohl ich stark gestottert habe. Im Seminar mussten wir zwei Vortraege halten, der erste war schlimm, aber beim zweiten Mal gings schon viel [...] mehr...
auch eine beamtin mit schwierigkeiten im sprachfluss kann die eignungsprüfung bestehen. zum zweiten: hoffentlich haben sie nicht vor ihrem kind argumente gegen die besagte lehrerin vorgebracht. dieses kind hat eines tages ganz [...] mehr...
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