"Das Problem begann in der Pubertät. Da habe ich bemerkt, wie manche komisch gucken, wenn ich rede. Andere hingegen haben weggeschaut, weil es ihnen unangenehm war. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen. Erst im Studium bin ich wieder selbstbewusster geworden. Und dabei wollte ich eigentlich nie studieren.
Doch der Typ in der Berufsberatung war der unsympathischste Mensch, der mir je begegnet ist. Er sagte mir, ich sei nicht vermittelbar und sollte einen Behindertenausweis beantragen. Nur weil ich stottere. Damit hat er mich heimgeschickt, und mich hat der Ehrgeiz gepackt. 'Na, dir zeig ich's jetzt', habe ich gedacht und schließlich angefangen, Architektur zu studieren.
Im Architekturstudium haben wir zum Glück nur sehr wenig mündliche Prüfungen. Stattdessen müssen wir alle paar Wochen einen Entwurf präsentieren. Meine eigenen Entwürfe kenne ich natürlich in- und auswendig. Irgendwann bekam ich einfach Übung und Routine, wobei es zu Beginn schon schwer war. Heute überlege ich mir vorher nicht einmal mehr genau, was ich sage, sondern erläutere meinen Entwurf aus dem Stegreif, sobald ich dran bin. Es klappt heute viel besser, wodurch ich natürlich selbstbewusster werde. Ich fühle mich sicherer und stottere deswegen weniger.
Dann hängt es. Das dauert. Das dauert ewig.
Wenn ich aber ein Referat halten müsste, dann ginge nichts mehr. Dann hängt's. Das dauert. Das dauert ewig. Deswegen überlege ich mir aufgrund der begrenzten Zeit, die zur Verfügung steht, mit meinen Übungsleitern immer eine Lösung. Einmal habe ich ein Referat komplett ausformuliert, und eine Kommilitonin hat es für mich vorgelesen. Ein andermal habe ich nur die Einleitung gesprochen, und eine Kommilitonin hat den Rest übernommen.
Wenn ich länger rede, lässt irgendwann die Konzentration nach. Ich denke dann nicht mehr an meine Technik, sondern wieder an die Wörter und Buchstaben. Und wenn ich denke, da kommt jetzt der und der Buchstabe, an dem ich immer hängen bleibe, dann bleibe ich natürlich auch hängen.
Ich stottere fast gar nicht, wenn ich lese. Witzigerweise stottere ich - wie viele Stotterer - auch nicht, wenn ich mir die Nase oder die Ohren zuhalte oder einen Kopfstand mache.
Ich hatte sowohl im Studium als auch in der Schule nie Probleme wegen des Stotterns und wurde auch nie gehänselt. Einige Lehrer und Professoren haben mich sogar angesprochen und wollten mehr darüber wissen. Einer hat mir auch gesagt, dass er einen Stotterer in seinem Büro angestellt hat, was mich natürlich sehr gefreut hat.
Wenn ich weiß, wie mein Gegenüber über das Stottern denkt, dann bin ich viel entspannter. Wenn ich weiß, ihn stört es nicht, dann passt es einfach."
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Haben Sie schonmal daran gedacht, dass eine Person mit Handicap sich zwangsläufig mehr anstrengen und leisten muss als eine "normale" Person? Eventuell erhalten die Schulkinder sogar noch einen Vorteil, weil die [...] mehr...
Quatsch! Am Ende sind auch hier wieder die Eltern schuld, wenn bei allen ohnehin vorhandenen schulischen Defiziten auch noch sprachlich ungeeignetes(!) Personal eingestellt wird. Werte mullemaus, Sprachfehler müssen ein Ko - [...] mehr...
Das glaube ich nicht, dass Stotterer für dumm gehalten werden. Die Mehrheit denkt nicht so. Die paar Leute die Stotterer für dumm halten sind das selber und die kann man nicht ernst nehmen. Ich denke Stotterer werden eher [...] mehr...
Kann ich mich nur anschliessen: Ich habe im Studium groesstes Verstaendnis erfahren, obwohl ich stark gestottert habe. Im Seminar mussten wir zwei Vortraege halten, der erste war schlimm, aber beim zweiten Mal gings schon viel [...] mehr...
auch eine beamtin mit schwierigkeiten im sprachfluss kann die eignungsprüfung bestehen. zum zweiten: hoffentlich haben sie nicht vor ihrem kind argumente gegen die besagte lehrerin vorgebracht. dieses kind hat eines tages ganz [...] mehr...
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