Von Matthias Bartsch
Die Studentin druckst etwas herum. Sie habe das mit niemandem in ihrem Fachbereich abgesprochen, sagt sie, und es sei ja auch eine sehr spezielle Geschichte.
Manfred Schubert-Zsilavecz, der ein paar Stühle entfernt von ihr am großen Konferenztisch im zehnten Stock des Uni-Verwaltungsgebäudes sitzt, hebt die rechte Hand zu einer einladenden Geste: "Bitte lassen Sie uns doch trotzdem Ihre Meinung hören", ermuntert der Vizepräsident der Frankfurter Goethe-Universität die junge Frau.
Die Geschichte der Studentin handelt vom Versuch eines Doppelstudiums mit Volkswirtschaft und Lehramt, von nicht miteinander kombinierbaren Stundenplänen, von unerträglichem Zeitdruck und der Unmöglichkeit, nebenher das nötige Geld zum Lebensunterhalt zu verdienen. Es ist ein Fall, der deutlich macht, weshalb etwa 40 Studierende, Lehrende und Mitarbeiter an diesem Nachmittag im Senatssaal der Frankfurter Hochschule zusammengekommen sind: "Wir arbeiten daran, unsere Studiengänge studierbar zu machen", sagt der für die Lehre zuständige Vizepräsident Schubert-Zsilavecz.
Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist das offene Eingeständnis einer grandiosen Fehlleistung. Quer durch die Republik beklagen Studentinnen und Studenten, dass bei der vor elf Jahren in Bologna beschlossenen Umstellung von Diplom- oder Magisterstudiengängen auf Bachelor und Master häufig weit über das Ziel hinausgeschossen wurde. "Nicht nur bei uns in Frankfurt haben viele den Fehler gemacht zu glauben, das eigene Fach sei doch das allerwichtigste, deshalb müsse man sich ganz breit aufstellen und so viel Stoff wie möglich in den Studiengang reinpacken", gibt Schubert-Zsilavecz zu.
"Völlige Überfrachtung und irrsinnige Prüfungsbelastung"
Die Folge, so der Uni-Vize, sei eine "völlige Überfrachtung und irrsinnige Prüfungsbelastung" in vielen der meist sechssemestrigen Bachelor-Studiengängen. In Frankfurt meldeten sich verzweifelte Biologiestudenten, die neun Prüfungen in einer Woche absolvieren sollten. Andere beschwerten sich, dass ihre Professoren seit der Bachelor-Einführung eine durchgängige Anwesenheit bei allen Vorlesungen verlangten. Schubert-Zsilavecz schüttelt den Kopf: "Völlig unakademisch" sei eine solche Regelung, "das hat mit Studieren nichts zu tun".
Spätestens seit den Studentenprotesten Ende des vergangenen Jahres hat sich in Frankfurt und anderswo in vielen Hochschulleitungen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Bologna-Reform schon wieder reformbedürftig ist. Seit Ende Januar lädt Schubert-Zsilavecz deshalb Studierende, Studiendekane und interessierte Professoren alle paar Wochen zu "Bologna-Werkstätten". Man trifft sich in unterschiedlichen Zusammensetzungen, mal die Rechts-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftler, mal die Philologen, Historiker und Theologen, mal die Naturwissenschaftler und Mediziner.
Über Fachbereichsgrenzen hinweg wird nach Wegen gesucht, um Schwächen und Fehler zu korrigieren. "An der Grundsatzentscheidung, der Umstellung auf Bachelor und Master, können und wollen wir nicht mehr rütteln", sagt der Frankfurter Uni-Präsident Werner Müller-Esterl. "Aber wir haben innerhalb der politisch gesetzten Rahmenbedingungen Spielräume, die wir besser nutzen wollen." Und das notfalls auch mit kleinen Tricks.
Immer wieder kritisieren Studierende beispielsweise das starre Credit-Points-System. Jede Studienleistung wird mit einer festgelegten Punktzahl belohnt, die sich nach dem dafür veranschlagten Zeitaufwand berechnet. Ein Punkt steht für 30 Arbeitsstunden. Maximal 12 Credit-Points, also 360 Stunden, sind im stark durchreglementierten Bachelor-Studium für die Abschlussarbeit vorgesehen. Mehr geht nicht, das haben die Kultusminister so festgelegt.
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---Zitat--- Dazu bräuchten sie einen Arbeitgeber, der bereit wäre, einen Bachelor einzustellen. ---Zitatende--- von meinen Kommilitonen haben bisher alle Absolventen Jobs gefunden. Die Bezahlung lag im Bereich 1700-2300€ pro [...] mehr...
Was soll das? Wem nützt „Struktur“ ??? Hohles Gewäsch, Blaa Bla. „Struktur“ ist Bullshit-Bingo. Uind schon wieder dummes Zeugs und heiße Luft. Dazu bräuchten sie einen Arbeitgeber, der bereit wäre, einen Bachelor [...] mehr...
Das ist ja nichts neues. Wenn Sie sich als Ingenieur (UNI) bewerben, bekommen Sie ein höheres Einstiegsgehalt als wenn Sie Ingenieur (FH) sind. Inzwischen spielt nicht mehr so sehr die Rolle, ob es Uni, oder FH ist, sondern ob [...] mehr...
Das ist in der Tat Teil eines Problems. Die Selbständigkeit der Studienanfänger/innen scheint - gemessen an den Erwartungen der Lehrenden - nachzulassen. Das führt oft dazu, dass man die Studierenden "wie Schüler" [...] mehr...
Lösungsmöglichkeit: Nicht alle Wahlfächer benoten bzw. mit niedrigerem Gewicht in die Endnote eingehen lassen. Funktioniert bei uns gut... mehr...
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