• Drucken
  • Senden
  • Feedback
12.08.2010
 

Britische Akademikersteuer

Abkassieren bei den Eliten

Von Jonas Leppin und Christoph Titz

Neue Steuer für die Wissenselite: Britische Akademiker sollen zahlen
Fotos
picture-alliance / dpa

Eine Akademikersteuer soll in Großbritannien die happigen Studiengebühren ablösen. Lebenslänglich, so der Plan, sollen Absolventen so für ihr Studium bezahlen. Wie viele heutige Studenten das treffen wird ist unklar. Neue Uni-Plätze sind heillos überbucht, 170.000 Bewerber könnten leer ausgehen.

Auch in Großbritannien muss gespart werden und deshalb bitten die Gentlemen-Minister für Wirtschaft und für Universitäten der sozial-konservativen Regierung jetzt die Akademiker zur Kasse: Auf der Insel wird laut über eine neue Steuer für Hochschulabsolventen nachgedacht. Künftig soll nach Plänen des liberaldemokratischen Wirtschafts- und Forschungsministers Vince Cable ein zusätzlicher Steuersatz von fünf Prozent auf das Einkommen von Uni-Absolventen erhoben werden - und das ein Arbeitsleben lang.

Bisher zahlen Studenten in Großbritannien jährlich 3225 Pfund, also etwa 3870 Euro, an Studiengebühren. Auf diese Art kommen bis zum Ende der Studienlaufbahn schnell 20.000 Pfund Schulden zusammen.

"Grundschullehrer oder Sozialarbeiter zahlen derzeit genauso viel wie ein Chirurg oder ein hochbezahlter Wirtschaftsanwalt. Ich denke, die meisten Leute halten das für unfair", sagte Minister Cable der BBC. Um diese "Ungerechtigkeit" zu beseitigen, fordert der Minister jetzt das Sondersteuer-Modell. Dabei soll Besserverdienern tiefer in die Tasche gegriffen werden.

Studenten und Familien sind doch "nicht doof"

Die Studiengebühren selbst würden dann ganz wegfallen. Es sei nur gerecht, wenn ehemalige Studenten einen großen finanziellen Beitrag leisten, schließlich verdienten sie im Laufe ihrer Berufskarriere durchschnittlich 100.000 Pfund netto mehr als Arbeitnehmer ohne Universitätsabschluss, so Cable. Etliche Abgeordnete des Londoner Unterhauses kritisierten den Vorschlag als versteckte Erhöhung der Einkommensteuer.

Aaron Porter von der Studentengewerkschaft NUS bewertet die Idee eines Akademiker-Obolus nach dem Studium dagegen verhalten positiv. "Eine Absolventensteuer ist uns lieber als ein marktbasiertes Gebührensystem", sagte Porter der BBC. Er warnte aber davor, die Steuer dürfe nicht einfach "eine Studiengebühr unter anderem Namen" sein. Studenten und ihre Familien seien "nicht doof" und würden sich von einer bloßen Umetikettierung nicht täuschen lassen, so Porter zur BBC.

Mehrere in einem Verbund organisierte Hochschulen glauben indes nicht, dass eine reine Absolventenbesteuerung ein faires System der Studienfinanzierung darstellt. Die Hochschulen befürchten außerdem eine Finanzierungslücke, bis eine Absolventensteuer erstmalig Geld abwirft. Darum sei es eine "sehr kostspielige Lösung für die Regierung", sagte Wendy Piatt, Direktorin des Hochschulverbunds Russell Group. Auch die UCU, Interessenvertretung der Hochschuldozenten und -mitarbeiter, warnt vor einem Etikettenschwindel. Entscheidend sei, dass die Verschuldung von Studenten und Familien nach dem neuen Modell nicht steige.

Der Minister droht: Scheitert die Steuer, explodieren die Gebühren

Wenn die Steuer allerdings nicht kommt, wird Großbritannien wohl nicht um die Erhöhung der Studiengebühren herumkommen, argumentiert die liberal-konservative Regierung. Dann müssten laut Cable zukünftig bis zu 7000 Pfund jährlich bezahlt oder die Gebühren generell freigegeben werden. Bislang sind die Studiengebühren in Großbritannien bei 3225 Pfund für ein Jahr gedeckelt.

Klar ist, dass es finanziell eng wird für britische Hochschulen. Schon in diesem Finanzjahr sollen sie 62 Millionen Pfund, etwa 74 Millionen Euro, einsparen. Bis 2013 will die Regierung in London die Ausgaben für Hochschulen sogar um rund eine Milliarde kürzen.

Und bereits im vergangenen Jahr schnürte Großbritannien ein radikales Sparprogramm, in dem vor allem bei der Bildung stark gespart werden sollte. Die UCU sprach damals von einem "weihnachtlichen Tritt ins Gesicht der Studenten". Nun geht das Streichkonzert weiter. Anfang des Jahres haben viele Universitäten reagiert und angekündigt, Personal zu entlassen, Lehrgänge zu streichen und geplante Investitionen zu stoppen. Eine noch wichtigere Einnahmequelle als bisher sollen ausländischen Studenten von außerhalb der EU werden: Sie bezahlen im kommenden Jahr durchschnittlich 10.463 Pfund für ein Jahr in Oxford, Cambridge und Co und damit fünf Prozent mehr als bisher.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 24 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.08.2010 von Montezumas Rache: .

100% Zustimmung. Und was Gehaltsvorstellungen betrifft, hier noch ein paar nette Links für mein Lieblingsbeispiel "Tiermediziner", die zeigen, daß es mitunter sehr schwierig sein kann, sich über die [...] mehr...

16.08.2010 von meerkatzeM: Abiturienten sind keine Hellseher

Ich hatte als Abiturient keine Ahnung von den realen Berufs-, Verdienst- und Arbeitsbedingungen in meinem Studienfach. Und ich bin weder dumm noch habe ich mich schlecht informiert; und ich weiß, dass es 90% meiner Kommilitonen [...] mehr...

13.08.2010 von herr-paul: chorasan

Dafür gibt es einen ganz einfachen, einleuchtenden volkswirtschaftlichen Grund: aufgrund von Produktivitätszuwächsen der Wirtschaft wächst Einkommen aus Kapital prinzipiell schneller als Einkommen aus Arbeit. Dadurch öffnet sich [...] mehr...

13.08.2010 von tulpe21: xxx

Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber wäre die Zeit, die Sie für über 17000 Forumsbeiträge aufgewendet haben nicht doch besser bei Ihren Studenten oder in der Forschung angelegt gewesen? mehr...

13.08.2010 von iomega: Einfache Lösung:

Mehr Master-Studienplätze schaffen und generell die Kontingente für ausländische Studenten (oversea status) erhöhen. Das spült ordentlich Geld in die Kassen, da man ~10.000 Pfund/Jahr im Master bezahlt und Ausländer bereits im [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
alles aus der Rubrik Studium

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Auslandsstudium in aller Welt

Welche Weltregion interessiert Sie? Klicken Sie auf die Karte - oder unten für allgemeine Themenseiten:

Der benötigte Flash Player 8 wurde nicht gefunden. mehr...


Länderlexikon Großbritannien

Fläche: 242.495 km²

Bevölkerung: 62,036 Mio.

Hauptstadt: London

Staatsoberhaupt: Königin Elizabeth II.

Regierungschef: David Cameron

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Großbritannien-Reiseseite



Social Networks

Entdecken Sie außerdem UniSPIEGEL auf...



TOP



TOP