Von Jonas Leppin und Christoph Titz
Auch in Großbritannien muss gespart werden und deshalb bitten die Gentlemen-Minister für Wirtschaft und für Universitäten der sozial-konservativen Regierung jetzt die Akademiker zur Kasse: Auf der Insel wird laut über eine neue Steuer für Hochschulabsolventen nachgedacht. Künftig soll nach Plänen des liberaldemokratischen Wirtschafts- und Forschungsministers Vince Cable ein zusätzlicher Steuersatz von fünf Prozent auf das Einkommen von Uni-Absolventen erhoben werden - und das ein Arbeitsleben lang.
Bisher zahlen Studenten in Großbritannien jährlich 3225 Pfund, also etwa 3870 Euro, an Studiengebühren. Auf diese Art kommen bis zum Ende der Studienlaufbahn schnell 20.000 Pfund Schulden zusammen.
"Grundschullehrer oder Sozialarbeiter zahlen derzeit genauso viel wie ein Chirurg oder ein hochbezahlter Wirtschaftsanwalt. Ich denke, die meisten Leute halten das für unfair", sagte Minister Cable der BBC. Um diese "Ungerechtigkeit" zu beseitigen, fordert der Minister jetzt das Sondersteuer-Modell. Dabei soll Besserverdienern tiefer in die Tasche gegriffen werden.
Studenten und Familien sind doch "nicht doof"
Die Studiengebühren selbst würden dann ganz wegfallen. Es sei nur gerecht, wenn ehemalige Studenten einen großen finanziellen Beitrag leisten, schließlich verdienten sie im Laufe ihrer Berufskarriere durchschnittlich 100.000 Pfund netto mehr als Arbeitnehmer ohne Universitätsabschluss, so Cable. Etliche Abgeordnete des Londoner Unterhauses kritisierten den Vorschlag als versteckte Erhöhung der Einkommensteuer.
Aaron Porter von der Studentengewerkschaft NUS bewertet die Idee eines Akademiker-Obolus nach dem Studium dagegen verhalten positiv. "Eine Absolventensteuer ist uns lieber als ein marktbasiertes Gebührensystem", sagte Porter der BBC. Er warnte aber davor, die Steuer dürfe nicht einfach "eine Studiengebühr unter anderem Namen" sein. Studenten und ihre Familien seien "nicht doof" und würden sich von einer bloßen Umetikettierung nicht täuschen lassen, so Porter zur BBC.
Mehrere in einem Verbund organisierte Hochschulen glauben indes nicht, dass eine reine Absolventenbesteuerung ein faires System der Studienfinanzierung darstellt. Die Hochschulen befürchten außerdem eine Finanzierungslücke, bis eine Absolventensteuer erstmalig Geld abwirft. Darum sei es eine "sehr kostspielige Lösung für die Regierung", sagte Wendy Piatt, Direktorin des Hochschulverbunds Russell Group. Auch die UCU, Interessenvertretung der Hochschuldozenten und -mitarbeiter, warnt vor einem Etikettenschwindel. Entscheidend sei, dass die Verschuldung von Studenten und Familien nach dem neuen Modell nicht steige.
Der Minister droht: Scheitert die Steuer, explodieren die Gebühren
Wenn die Steuer allerdings nicht kommt, wird Großbritannien wohl nicht um die Erhöhung der Studiengebühren herumkommen, argumentiert die liberal-konservative Regierung. Dann müssten laut Cable zukünftig bis zu 7000 Pfund jährlich bezahlt oder die Gebühren generell freigegeben werden. Bislang sind die Studiengebühren in Großbritannien bei 3225 Pfund für ein Jahr gedeckelt.
Klar ist, dass es finanziell eng wird für britische Hochschulen. Schon in diesem Finanzjahr sollen sie 62 Millionen Pfund, etwa 74 Millionen Euro, einsparen. Bis 2013 will die Regierung in London die Ausgaben für Hochschulen sogar um rund eine Milliarde kürzen.
Und bereits im vergangenen Jahr schnürte Großbritannien ein radikales Sparprogramm, in dem vor allem bei der Bildung stark gespart werden sollte. Die UCU sprach damals von einem "weihnachtlichen Tritt ins Gesicht der Studenten". Nun geht das Streichkonzert weiter. Anfang des Jahres haben viele Universitäten reagiert und angekündigt, Personal zu entlassen, Lehrgänge zu streichen und geplante Investitionen zu stoppen. Eine noch wichtigere Einnahmequelle als bisher sollen ausländischen Studenten von außerhalb der EU werden: Sie bezahlen im kommenden Jahr durchschnittlich 10.463 Pfund für ein Jahr in Oxford, Cambridge und Co und damit fünf Prozent mehr als bisher.
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100% Zustimmung. Und was Gehaltsvorstellungen betrifft, hier noch ein paar nette Links für mein Lieblingsbeispiel "Tiermediziner", die zeigen, daß es mitunter sehr schwierig sein kann, sich über die [...] mehr...
Ich hatte als Abiturient keine Ahnung von den realen Berufs-, Verdienst- und Arbeitsbedingungen in meinem Studienfach. Und ich bin weder dumm noch habe ich mich schlecht informiert; und ich weiß, dass es 90% meiner Kommilitonen [...] mehr...
Dafür gibt es einen ganz einfachen, einleuchtenden volkswirtschaftlichen Grund: aufgrund von Produktivitätszuwächsen der Wirtschaft wächst Einkommen aus Kapital prinzipiell schneller als Einkommen aus Arbeit. Dadurch öffnet sich [...] mehr...
Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber wäre die Zeit, die Sie für über 17000 Forumsbeiträge aufgewendet haben nicht doch besser bei Ihren Studenten oder in der Forschung angelegt gewesen? mehr...
Mehr Master-Studienplätze schaffen und generell die Kontingente für ausländische Studenten (oversea status) erhöhen. Das spült ordentlich Geld in die Kassen, da man ~10.000 Pfund/Jahr im Master bezahlt und Ausländer bereits im [...] mehr...
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