Vor Klausuren bekommen viele Studenten weiche Knie. Was ist, wenn plötzlich ein Blackout zuschlägt? Oder wenn ich nach der Hälfte der Zeit erst eine Aufgabe geschafft ist und noch drei warten? Solche Fragen sind vor Tests normal - und mit der richtigen Vorbereitung nur noch halb so bedrohlich.
Dazu gehört etwa, einmal eine Klausur zur Probe zu schreiben. "Man braucht Erfahrungswerte, wie viel man im Rahmen der Zeit wirklich schaffen kann und wie man sich am besten die Zeit einteilt", erklärt Gabriela Ruhmann vom Schreibzentrum der Ruhr-Uni Bochum.
Am besten fährt, wer vorher schon recht genau weiß, was drankommt. Den Hochschullehrer zu fragen ist dafür der beste und direkteste Weg. Wenn er oder sie sich ziert, kann die Frage nach früherer Klausurthemen helfen, um zu erfahren, welche Leistungen erwartet werden.
"Der Zweck einer Klausur besteht darin zu prüfen, ob der Stoff eines Seminars richtig verstanden und systematisch aufbereitet worden ist", erläutert Roy Sommer in seinem Buch "Schreibkompetenzen. Erfolgreich wissenschaftlich schreiben". Eine Klausur sollte also eigentlich keine Kenntnisse verlangen, die über den Inhalt der Lehrveranstaltungen hinausgehen, auch wenn Dozenten in der Praxis gern Hunderte Seiten zusätzlichen Lesestoffs zum Prüfungskorpus hinzuzählen.
Zur Übung schon vorher mit Text-Bausteinen jonglieren
Das Lernen und Probeschreiben unterscheidet sich je nach Klausurentyp. "Bei einer Multiple-Choice-Klausur kommt es stark auf die Reproduktion von Wissen an und auf schnelles Arbeiten", sagt Melanie Brinkschulte vom Schreibzentrum der Uni Göttingen.
Bei Klausuren mit offener Fragestellung zählt eher, "sich so vorzubereiten, dass man Futter für den Aufsatz bekommt". Einigen Studenten hilft es, wenn sie vor der Klausur Textbausteine entwickeln, um sie in der Klausur schnell parat zu haben. Dann sollten sie vorher ausprobieren, wie sich die Versatzstücke kombinieren lassen. Das Probeschreiben helfe, den Lernstoff zu strukturieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sagt Beraterin Sommer. Außerdem sei das Probeschreiben selbst schon Bestandteil des Lernens.
Treibt einem schon die Fragestellung den kalten Schweiß auf die Stirn, heißt es erst einmal Ruhe bewahren. Für Aufsätze gilt: "Man sollte sich zunächst die Aufgabe vorlesen und auch richtig verstehen in der Aufregung", empfiehlt Brinkschulte. Und beim Beantworten nichts überstürzen: "Man sollte erst planen, was man schreiben will, und dafür auch genügend Zeit einkalkulieren." Dazu gehört auch, den Text am Ende zu korrigieren, denn Rechtschreibfehler machen keinen guten Eindruck - zumindest wenn für einen Korrekturdurchgang und eine Abschrift noch Zeit bleibt.
Manchen hilft es, Einleitung und Schluss erst am Ende zu schreiben, damit sie aufeinander abgestimmt sind, sagt Brinkschulte. Sie stecken mit dem Haupttext den Rahmen ihrer Arbeit ab. Andere wiederum brauchen die Einleitung, um den Einstieg ins Thema zu finden. Das muss jeder für sich selbst herausfinden, am besten ebenfalls mit einer Probeklausur nach ähnlichem Aufbau.
Bei einer verkorksten Klausur rettet die Gliederung ein paar Zähler
Um das Gelernte abzurufen, empfiehlt der Fachmann Visualisierungstechniken. Mit Hilfe eines Mind-Mappings lasse sich ein Schema für die eigene Argumentationsstruktur entwickeln. Andere können besser mit einer Gliederung arbeiten, in der sie bereits Stichworte aufnehmen, an denen sie sich dann entlang hangeln. Werden sie partout nicht rechtzeitig fertig und die Arbeit bleibt Stückwerk, erkennt der Prüfer immerhin, welche Punkte im Klausurtext noch hätten kommen können.
Immer wieder berichten Studenten von vermeintlich genialen Einfällen kurz vor dem Ende. Bei solchen Geistesblitzen ist Vorsicht ein guter Ratgeber: "Unbedingt prüfen, ob sie zum Fokus des Gedankengangs gehören", sagt Studenten-Beraterin Ruhmann. Manchmal handele es sich tatsächlich um zentrale Gedanken, manchmal seien es nur "Nebenschauplätze".
Nur wenn der Einfall wichtig ist, sollten Studenten ihn nachträglich noch aufnehmen - aber leserlich und übersichtlich. Sternchen oder ein ergänzter Text, der an den Seitenrand gequetscht steht, bringen nichts. Stattdessen etwaige Ergänzungen nummeriert ans Ende der Klausur oder auf ein zusätzliches Blatt schreiben.
Anders sieht es bei Multiple-Choice-Klausuren aus. Entscheidend kann sein, welche Aufgaben die meisten Punkte bringen, die sind meist am Rand der Klausur vermerkt. Hier ist Springen absolut erlaubt: Entweder erst die Aufgaben mit einer hohen Punktzahl oder zuerst das, was man ohnehin weiß. "Das hat man dann schon einmal zur Beruhigung", sagt Brinkschulte.
Helfen kann auch, die Kreuze zuerst auf einem separaten Zettel zu machen. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Am Schluss das Übertragen nicht vergessen.
In einer früheren Version dieses Artikel stand, Melanie Brinkschulte sei Studienberaterin an der Universität Göttingen. Das war nicht richtig, sie arbeitet vielmehr im Schreibzentrum der Universität Göttingen, das unter anderem individuelle Schreibberatung für Studenten anbietet. Wir haben diesen Fehler korrigiert.
Von Berit Schmidt, dpa/cht
Auf anderen Social Networks posten:
Die lieben Mitforisten, die meinen, Philosophie sei das "Unterste" oder eine Abschlussarbeit in was für einer Geisteswissenschaft auch immer sei praktisch an einem freien Abend zu erledigen, wissen meist nicht einmal, [...] mehr...
Darf man fragen, wer im Anschluss an Ihre Tätigkeit die Rechtschreibung korrigiert hat? Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, aber solange diese Frage nicht geklärt ist, gehe ich davon aus, dass Ihre Geschichte nicht stimmt. Im [...] mehr...
Pardon, aber da haben Sie offensichtlich keine Ahnung. Wissen Sie überhaupt, was z. B. Textkritik oder Diplomatik genau sind? Und wer Philosophie für Laberei hält ... :-) Na ja. Ich würde sagen, Sie lesen einfach mal zehn [...] mehr...
Nicht doch. Kein Naturwissenschaftler würde den Nutzen von Englischkenntnissen abstreiten. ---Zitat--- sowas ist mir in den naturwissenschaften noch nie untergekommen. ---Zitatende--- Also mir schon. ---Zitat--- ein [...] mehr...
na das ist ja wieder ein fass, was hier aufgemacht wurde.....:-) ich bin selbst lehramtsstudent für englisch und latein, also aus sicht der naturwissenschaftler fächer ohne daseinsberechtigung, und stelle immer wieder fest, dass [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
| alles zum Thema Hochschulen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH