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23.08.2010
 

Studienkredite

Wie ein Student sich arm studierte

Von Nicole Geelhaar

Verschuldet: Wie ein Student mit Studienkredit arm wurde
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Für Thorsten S. wurde sein Studiendarlehen zum Alptraum. Er nahm zu viel Geld auf, lebte zu sorglos und dann scheiterte er an der Uni. Jetzt hat er einen Billig-Job, 20.000 Euro Schulden und wenig Hoffnung. Ein Lehrbeispiel über die Risiken eines Studentenlebens auf Pump.

Thorsten S.* sitzt auf seinem Sofa und schaut auf seinen Kontoauszug. Wie jeden Monat findet er dort eine Abbuchung von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), gut 50 Euro sind mal wieder fällig. Bis zum Herbst 2009 wurde der Betrag noch direkt von seinem üppigen Studienkredit abgezogen. Dann platzte Thorstens Traum vom Maschinenbau-Studium jäh, der bislang bequeme Geldfluss versiegte - und übrig blieb ein großer Haufen Schulden.

Sein Wunsch war es zu studieren, damit er später einen guten Job bekommt, sagt Thorsten, und dass er das Geld von der Bank gebraucht habe. "Ich habe den Kredit aufgenommen, weil mich meine Eltern finanziell nicht unterstützen konnten." Seine Eltern haben nicht viel und mussten auch noch seine zwei jüngeren Geschwister unterstützen. Sie verdienten aber immer noch zu viel, als dass Thorsten Bafög bekommen hätte. "Ich wollte neben meinem Studium arbeiten, allerdings war es nicht möglich, mir meinen kompletten Lebensunterhalt damit zu finanzieren", sagt der Ex-Student.

Also nahm er das Geld bei der staatlichen Förderbank KfW auf, 650 Euro im Monat, vorgesehen für etwa fünf Jahre Diplom-Studium. Er war optimistisch und traute sich was. Er dachte, es wäre kein Problem das geliehene Geld nach seinem Studium zurückzuzahlen. Doch dann kam alles anders. Er verbockte eine entscheidende Prüfung und musste nach dem fünften Semester abbrechen.

Ingenieure sind begehrt und gut bezahlt, darauf setzte Thorsten

Selten ist das nicht. Auch wenn der Anteil der Studenten, die einen Kredit aufnehmen, bislang nur bei fünf Prozent liegt, hat sich der Anteil seit 2006 verdoppelt. Damals führten die ersten Bundesländer Studiengebühren ein und empfehlen seitdem Kredite als klugen Weg, ein Studium zu finanzieren.


90.700 Studienkredite haben KfW und die Deutschen Bank in den vergangenen vier Jahren vergeben. KfW-Kunden sind vor allem Studienanfänger. "Ihnen ermöglicht der Studienkredit vermutlich häufig erst die Aufnahme eines Studiums", sagt Jana Hentschel-Giesa von der bundeseigenen Förderbank. Weil die Zahl der Studienanfänger derzeit steigt, verzeichne das Institut "ein großes Interesse an dem Angebot".

Thorsten setzte darauf, dass Ingenieure heißbegehrt und gutbezahlt sind. Auf das Studium konzentrieren, anstatt nebenher zu arbeiten, und später zurückzuzahlen - das kann doch kein Problem sein, dachte der Student.

Und so sind die Kredite ja gedacht. Frauke Plaß von der Deutschen Kreditbank sagt: "Gerade wenn mit der Aufnahme eines Studienkredits der Abschluss schneller erreicht werden kann, da der Kunde mehr Zeit in das Studium investieren kann und keiner Nebentätigkeit nachgehen muss, ist eine Finanzierung durchaus sinnvoll."

Abbrechen ist ärgerlich - und mit 20.000 Euro Schulden ein großes Problem

Thorsten S. ist gelernter Industriemechaniker, aber er wollte mit dem Ingenieur-Studium noch eins drauf setzen. Doch die Anforderungen, die das Studium voller Physik und Mathe stellt, hatte er falsch eingeschätzt. "Ich hatte zum Schluss einfach viel zu viele Prüfungen auf einmal, da ich in den ersten Semestern zu viel aufgeschoben habe", sagt er. Ein Abbruch ist immer ärgerlich, eine Niederlage - aber mit 20.000 Euro Schulden wird er zu einem großen Problem.

Das Deutsche Studentenwerk, das sich als Anwalt der Studenten versteht, warnt davor, ein Studium ausschließlich mit einem Kredit zu finanzieren. "Die Verschuldungsgefahr ist einfach zu groß", sagt Studentenwerks-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

Thorsten plagen jetzt große Selbstzweifel. Hätte er doch auf die eine oder andere Vorlesung verzichten sollen, um Geld zu verdienen, wie andere Studenten auch? Oder hätte er doch sparsamer leben können? "Anstelle eines WG-Zimmers hätte ich mir lieber ein Zimmer im Studentenwohnheim genommen. Vielleicht hätte ich auch auf einige Kinobesuche oder Abende in Cocktailbars mit meinen Freunden verzichten sollen." Aber Freunde treffen, sich eine Wohnung mit anderen teilen - war das nicht das Studentenleben, ist das denn zu viel verlangt?

*Name geändert

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13.10.2010 von John_Smith: Interessanter Aufruf

Passt irgendwie zum Thema :-) http://www.youtube.com/watch?v=54O9GNmMs30 Die Studenten haben fast keine Möglichkeit sich ohne Studienkredit und arbeit durchzuschlagen... mehr...

08.09.2010 von k4l: nt

warum verbaut sich deutschland einfach so die bildung. gehoert es nicht zu einer aufgeklaerten und (hoch *hust*)entwickelten gesellschaft recht auf freie bildung? des weiteren zahlt ein akademiker spaeter eh mehr steuern als [...] mehr...

08.09.2010 von Emmanutelle: Darlehen

Dass die Oma nur 500 EUR Rente bekommt, ist eine andere Frage :-). Auch meine ich hier nicht zehn verschiedene Studiengänge und unendliche Studienzeiten. Ein BAföG-Empfänger kann schließlich auch nicht ewig munter rumstudieren, [...] mehr...

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Der Artikel ist im Rahmen eines Lehrprojekts an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Zusammenarbeit mit SPIEGEL ONLINE entstanden. Das Projekt leiteten Professor Andreas Schümchen und Initiator Roman Przibylla.

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