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04.09.2010
 

Richtig bewerben

Ein Stipendium, das zu mir passt

Absolventen in Bonn: Ein Stipendium erleichtert den Weg zum AbschlussZur Großansicht
dpa

Absolventen in Bonn: Ein Stipendium erleichtert den Weg zum Abschluss

Stipendium - das klingt nach Elite, hartem Auswahlverfahren und Eignungstests. Stimmt auch. Wer aber eine passgenau Bewerbung einreicht, verbessert seine Chancen ungemein. Aber wie müssen Lebenslauf, Empfehlung und Motivationsschreiben eigentlich aussehen?

Nicht allzu viele schaffen es in den erlauchten Kreis. Von den gut zwei Millionen Studenten in Deutschland bekommen gerade mal 60.000 ein Stipendium - das sind knappe drei Prozent. Manche kriegen nur ein bisschen Büchergeld, manchen wird der Lebensunterhalt finanziert.

Was also tun, um dazu zu gehören? Wie sieht eine gute Bewerbung für ein Stipendium aus?

Problem Nummer Eins: Das Angebot ist kaum zu überblicken. Es gibt etliche Stipendien, die von Stiftungen und Unternehmen angeboten werden. Vom Staat bezahlt werden die Stipendien der sechs parteinahen Stiftungen, der Stiftungen von Wirtschaft und Gewerkschaften, der beiden kirchlichen Förderwerke und der Studienstiftung des deutschen Volkes. Und auch das Stipendienprogramm von Bundesbildungsministerin Annette Schavan soll kommen, wenn auch weitaus weniger umfangreich als geplant. Kleinere Stiftungen werden meist privat finanziert. Der Bundesverband deutscher Stiftungen kennt gut 1500 Stipendiengeber. Unterstützer sind Stiftungen großer Unternehmen, zahlungskräftiger Mäzene und zunehmend auch die Unis.

Hier bringt es nichts, sich bei möglichst vielen wahllos nach dem Schrotflinten-Prinzip zu bewerben. Entscheidend sei, dass angehende Studenten sich bei Förderern bewerben, die zu ihnen passen, sagt Rainer Jung von der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Düsseldorf.

Als erstes muss man Kontakte knüpfen. "Am wichtigsten ist der persönliche Aspekt, dass man Leute kennenlernt, die mit der Stiftung in Verbindung stehen", sagt Jan Bruckmann, der ein Buch zum Thema geschrieben hat und Stipendiat der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung war. Solche Leute sind an den Hochschulen oder in Regionalgruppen der Stiftungen zu finden. Gerade ehemalige Stipendiaten können einem dabei wichtige Tipps für ein späteres Auswahlgespräch geben.

Spitzennoten reichen oft nicht

Großen Wert legen Stiftungen darauf, dass Bewerber sich leistungsbereit zeigen und für die Ziele der Stiftung einsetzen. "So ist es auch bei der Hans-Böckler-Stiftung. "Gute Leistungen und gesellschaftliches Engagement: Wer diese Voraussetzungen mitbringt, hat gute Chancen, ein Stipendium zu erhalten", erklärt Jung. Denn die Noten entscheiden nicht allein. Es zählt auch etwas, dass sich der Bewerber engagiert, etwa in Gewerkschaften, Parteien, Jugendorganisationen oder der Hochschulpolitik. Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Bonn achtet bei Auslandsstipendien auf das Engagement "über die Grenzen des eigenen fachlichen Horizonts hinaus", sagt Sprecherin Alexandra Helm.

Die schriftliche Bewerbung besteht meist aus Lebenslauf, Motivationsschreiben und Gutachten. Der Lebenslauf solle ähnlich aufgebaut sein wie bei einer Praktikums-Bewerbung, sagt Bruckmann. Allerdings sollte man den Schwerpunkt eher auf persönliche Faktoren setzen - also etwa die Leitung einer Jugendfreizeit oder das Singen im Kirchenchor, wenn man sich bei einer kirchlichen Stiftung bewirbt.

Bruckmann empfiehlt: Im Motivationsschreiben müssen Bewerber die Verbindung herstellen "zwischen dem, was man in der Vergangenheit geleistet hat und dem, was man in der Zukunft erreichen möchte". Es sollte herausstellen, inwiefern eine Förderung beim Erreichen der persönlichen Ziele hilft. Der Gutachter sollte nach dem Lesen von drei Dingen überzeugt sein: Erstens, dass der Bewerber weiß, welche Vorteile ihm das Stipendium bietet. Zweitens, dass Förderer und Bewerber sich gut ergänzen. Und drittens, dass der Bewerber sich Ziele gesetzt hat, die er erreichen kann.

Was muss im Empfehlungsschreiben stehen?

Auch Zeugnisse und Leistungsnachweise dürfen in der Bewerbung nicht fehlen. Sie sollen die gemachten Aussagen belegen. In Gutachten muss die fachliche Qualität bezeugt werden. Oft ist die Suche nach einem geeigneten Gutachter schwierig. "Da ist viel Fingerspitzengefühl nötig", sagt Bruckmann. Professoren sollte man eventuell schriftlich mitteilen, was für das Gutachten wichtig ist und wo die eigenen Qualifikationen liegen. Für eine Bewerbung um ein Auslandsstipendium muss zum Beispiel drinstehen, dass der Bewerber sich für Sprache, Kultur oder Religion des Landes interessiert.

Ist die erste Hürde geschafft, folgen meist die Auswahlgespräche. Seltener sind Klausuren, wie sie die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung als zusätzliches Prüfungselement ansetzt. "In den Interviews geht es stark um persönliche Eigenschaften", sagt Bruckmann. Wichtig ist hierbei, dass man Motivation, Eigenständigkeit, Teamfähigkeit und Kommunikationstalent zeigt. Oft gibt es eine Gruppendiskussion, die das Sozialverhalten beleuchten soll.

Dann warten, warten, warten. Bis die ersehnte Zusage kommt - oder eben die Absage. Doch auch die ist kein Grund zum Verzweifeln. Es gibt viele Anbieter von Stipendien, bei denen Bewerber es versuchen können. Sie richten sich vor allem an angehende Studenten und Erstsemester. Sie müssen sich nur trauen und die Mühe machen, sich zu bewerben.

Von Berit Schmidt, dpa/otr

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