16. Juli 2002, 14:44 Uhr

Stipendien in Serie

Firmengründung im Jahr 2008

Von Britta Heidemann

Umweltschutztechnik studiert Patrick Schultz in Stuttgart, gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes. Als Grüner hat der Stipendiat bereits für den Bundestag kandidiert und klare Pläne für die Zukunft: Im Jahr 2008 will er mit Freunden eine eigene Firma gründen.

Patrick Schultz: "Nicht des Geldes wegen bei der Stiftung"

Patrick Schultz: "Nicht des Geldes wegen bei der Stiftung"

"Mein Abi war recht gut, also hat mich die Schule vorgeschlagen". Ein einziges Understatement ist dieser Satz: Patrick Schultz hat das Hermann-Hesse-Gymnasium in Calw immerhin mit einem Notendurchschnitt von 1,0 abgeschlossen. Und im Jahr 2008 will er sein eigener Chef in einem Unternehmen werden.

Die Studienwahl stand für Patrick Schultz noch vor dem Schulabschluss fest: "Ich interessiere mich für Themen wie Umwelt und Technik, also habe ich mich für den Studiengang Umweltschutztechnik in Stuttgart entschieden." Unterdessen ist der 24-Jährige bereits im Hauptstudium - Umweltströmungsmechanik und Wasserwirtschaft, Siedlungswasserbau und Umweltplanung stehen auf dem Stundenplan. Über den Studienverlauf muss er der Stiftung jedes Semester Bericht erstatten, ist mit den Vertrauensdozenten "eigentlich ständig im Gespräch".

Der Kontakt zu anderen Stipendiaten ist dagegen eher unregelmäßig: "Ich habe es noch nie geschafft, bei einer der Sommeruniversitäten dabei sein zu können, da ich in den Semesterferien immer Prüfungen habe." Auch bei den monatlichen Stammtischen der Stipendiatengruppe in Stuttgart ist er selten dabei.

Schon seit 1996 bei den Grünen

Die weitere Karriere ist schon geplant: Nach dem Studienabschluss in den USA möchte Patrick Schultz mit drei Freunden zusammen im Jahr 2008 die Firma "mpgc" (für Mirko, Patrick, Guido und Claus) gründen. Mit "environmental engineering & consulting" wollen sie ihr Geld verdienen. "Das war so eine Idee aus einer Bierlaune heraus - wir kamen darauf, dass es am schönsten wäre, unser eigener Chef zu sein."

Der Zeitpunkt ist wohl überlegt: "Wir gehen alle drei erstmal ins Ausland, studieren dann zu Ende, promovieren noch oder sammeln noch ein wenig Berufserfahrung - und dann haben wir 2008", so Patrick Schultz.

Wenn er nicht unverhofft noch anderswo gebraucht wird. Denn für "Bündnis 90/ Die Grünen" engagiert er sich schon seit 1996, gründete 1997 die Grün-Alternative Jugend in Calw, wurde kurz darauf in den Kreisvorstand der Partei gewählt, wiederum kurz darauf zum Bundestagskandidaten im Wahlkreis Calw/Freudenstadt.

Im März 1998 landete er auf Platz 16 der grünen Landesliste in Baden-Württemberg. Zwar war der Einzug in den Bundestag unwahrscheinlich (die Grünen hätten rund 18 Prozent erzielen müssen), doch verschaffte er sich Respekt bei der Opposition. Die Kreisnachrichten Calw schrieben gar, er habe "dem übermächtigen Mandatsträger der Union" Paroli geboten und Punkte verbucht.

Patrick Schultz ist sich der Außenwirkung seines Tuns durchaus bewusst. Das gilt auch für das Stipendium: "Ich bin nicht des Geldes wegen bei der Stiftung, sondern aus anderen Gründen", sagt er freimütig, "das macht sich schließlich gut im Lebenslauf, und später wird man in dieses Alumni-Netz eingebunden".

Alle Informationen zur Studienstiftung auf einen Blick:

Bewerbungen, Anforderungen, Auswahltermine

Studienstiftung des deutschen Volkes e.V.

Gerhard Teufel, Generalsekretär der Studienstiftung

Gerhard Teufel, Generalsekretär der Studienstiftung

Die Studienstiftung des deutschen Volkes wurde 1925 in Dresden gegründet. Sie ist nicht nur das älteste, sondern auch das größte deutsche Begabtenförderungswerk: Im Jahr 2000 wurden 5500 Stipendiaten und 600 Promovenden gefördert - an Universitäten, Fachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen.

"Das Förderungsprogramm unterstützt und ergänzt die akademisch-wissenschaftliche Ausbildung und zielt auf Weltoffenheit, Interdisziplinarität und die Vermittlung von Schlüssel- und Zusatzqualifikationen für die spätere Tätigkeit", schreibt die Stiftung. Sie wird als eingetragener Verein finanziert vom Bund, von den Bundesländern und den Kommunen, vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, einer Vielzahl von Stiftungen und mehr als 6000 privaten Spendern.

Bewerbung

Eine Selbstbewerbung ist grundsätzlich nicht möglich. Vorschlagsberechtigte (Schulleiter, Hochschullehrer) sollen Studierende an Hochschulen bis maximal zum 7. Studiensemester, an Fachhochschulen bis zum 4. Studiensemester vorschlagen. Die Kandidaten müssen die deutsche Staatsangehörigkeit oder den Status gemäß §8 Bafög haben. Sie werden ausgesucht bei einer Auswahltagung (jeweils von Freitag bis Sonntag).

Anforderungen

"Von den Bewerbern wird erwartet, dass sie sich durch Leistung, Initiative und Verantwortung auszeichnen, dass sie darüber hinaus Aktivitäten und vitale Interessen, sie sich nicht auf das Studienfach beschränken, entwickelt haben und weiter aufbauen. Keine Rolle bei der Auswahl spielen wirtschaftliche und soziale Aspekte, politische Überzeugungen, Weltanschauung, Konfession und Geschlecht."

Termine

Vorschläge von Hochschullehrern sind jederzeit möglich; Schulen und Fachbereiche werden regelmäßig angeschrieben.

Anschrift

Studienstiftung des deutschen Volkes
Mirbachstraße 7
53173 Bonn
Tel.: 0228/820960
Fax: 0228/8209667
E-Mail: sdv@studienstiftung.de


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