Der Brandanschlag ist eine weitere von mehreren Straftaten, die seit dem 12. Juli die Hochschule in Atem halten. Gegen 1.30 Uhr in der Nacht zum Freitag setzten Unbekannte den privaten Wagen des Rektors in Brand. Das Auto war vor dem Haus von Rektor Dieter Timmermann geparkt und wurde weitgehend zerstört. Obwohl niemand verletzt wurde und die Feuerwehr ein Übergreifen auf weitere Wagen verhindern konnte, ist die Brandstiftung eine neue Eskalationsstufe in der Reihe der Vorfälle.
Die Vorgeschichte: Mitte Juli war am Rande einer Senatssitzung bei einem Handgemenge zwischen Protestlern, die gegen die Einführung von Studiengebühren demonstrierten, und Sicherheitskräften ein Generalschlüssel gestohlen worden. Mit dem Schlüssel lassen sich rund 10.000 Türen öffnen.
Seitdem häufen sich Zündeleien und Vandalismus. So wurden unter anderem in sechs Toiletten Brände gelegt, außerdem Papierkörbe angezündet. Das Büro eines Professors wurde mit Kuhfladen beschmutzt. Zudem wurde eine Scheibe des Hochschulrechenzentrums eingeschlagen. Bei mindestens zwei der Taten wurde der Generalschlüssel eingesetzt.
Asta distanziert sich erneut
Ob die Täter damit möglicherweise gegen die geplante Einführung von Studiengebühren protestieren wollen, ist derzeit nicht bekannt. Die Polizei ermittelt noch. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, setzten Staatsanwaltschaft und Hochschule eine Belohnung von 6000 Euro aus. Auch an der Universität Münster war es zu kleinen Bränden gekommen.
Die Bielefelder Hochschule bestätigte die Vorfälle und den jüngsten Brandanschlag auf das Auto des Rektors auf ihrer Internetseite. Als Reaktion auf den Diebstahl des Generalschlüssels habe man bereits 500 Schlösser in besonders sensiblen Bereichen und Büros ausgetauscht.
Uni-Sprecher Ingo Lohuis zeigte sich zuletzt vorsichtig mit Schuldzuweisungen. "Wir versuchen, mit Fakten zu arbeiten", sagte er. Dennoch sei es eine nahe liegende Vermutung, dass die Brandstifter und die Schlüsseldiebe aus demselben Kreis der Studentenschaft stammen, schließlich setzten die Aktionen unmittelbar nach dem Diebstahl des Generalschlüssels ein.
Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Hochschule lehnte nach dem Autobrand erneut "jegliche Form der Gewalt im politischen Diskurs" ab. Der Anschlag sei in keiner Weise zu rechtfertigen. Allerdings könnten die Hintergründe und die Motivation der Täter bei diesem Vorfall ebenso wie bei der Serie von Sachbeschädigungen im Universitätsgebäude lediglich vermutet werden. Auch sei ungeklärt, ob die Vorfälle in direktem Zusammenhang stünden.
jaf/ddp/dpa
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