Er kam vom Möbelzulieferer Süddekor, um die Katholische Universität im idyllischen Altmühltal-Städtchen Eichstätt aus dem Dornröschenschlaf zu holen - jetzt darf sich Ulrich Hemel, 51, erneut nach einem Managerjob in der Wirtschaft umsehen. Denn der vom Vatikan in Rom abgelehnte Theologe ist endgültig als Kandidat für das Präsidentenamt der Katholischen Universität (KU) Eichstätt abgeblitzt.
Ulrich Hemel: Als Eichstätter Wunschkandidat am Ende abgeblitzt
Zum 1. April sollte der klare Eichstätter Wunschkandidat sein neues Amt antreten. Bald wurde allerdings bekannt, dass der Vatikan seine Zustimmung zu der Personalie verweigert. Ein möglicher Grund: Hemels Privatleben - der Theologe ist zum dritten Mal verheiratet. Außerdem gilt er als Kritiker von Papst Benedikt XVI. So hatte Hemel kurz nach der Papst-Wahl im April 2005 in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" unter anderem gesagt, Joseph Ratzinger sei ein "wacher Geist, hochgebildet", habe sich aber "sehr deutlich an die Spitze einer konservativen Bewegung in der katholischen Kirche gesetzt und sich teilweise zu fast schon radikalen Urteilen hinreißen lassen".
Hemel gilt als brillanter Theologe und als Grenzgänger zwischen Kirche und Wirtschaft; 2003 wurde er zum "Manager des Jahres" gewählt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur DDP verlangt Hemel nun vom Bischof eine Begründung dafür, was genau seiner Ernennung zum Präsidenten der Universität Eichstätt entgegensteht. "Ich will, dass Hanke endlich Ross und Reiter nennt", sagte Hemel auf ddp-Anfrage.
Schwierige Suche nach neuen Kandidaten
Bischofssprecher Dennemarck warf Hemel am Donnerstag einen "Vertrauensverstoß" vor, da dieser mit Informationen aus einem Gespräch mit Bischof Hanke an die Öffentlichkeit gegangen sei. Die Ablehnung habe "mit der Lebensführung von Professor Hemel nichts zu tun", versicherte Dennemarck. Ebensowenig hänge sie mit einem vom Vatikan verweigerten "nihil obstat" ("es steht nichts entgegen") zusammen.
Bischof Hanke teilte als Begründung lediglich mit, es habe sich nicht das "wechselseitige Vertrauen entwickeln können". Das sagte gleichlautend auch Stefan Schieren, der die Universität kommissarisch leitet. Die Hochschulleitung äußerte Bedauern, "dass öffentlich der Eindruck entstanden ist, dass die Autonomie der Universität gefährdet wäre". Das Verfahren sei "unglücklich gelaufen", erklärte Schieren, "natürlich sind wir in Probleme geraten. Es wird jetzt schwierig, neue Kandidaten zu finden."
Vor allem der Regensburger Oberhirte Gerhard-Ludwig Müller habe Hemel abgelehnt und in Rom interveniert, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Nach ihren Informationen hatte der Vatikan die Grundordnung der Universität, in der das Wahlverfahren geregelt ist, nicht genehmigt. Demnach verlangt der Vatikan, dass fortan nicht nur der Bischof, sondern der Papst der Wahl eines Eichstätter Uni-Präsidenten zustimmen muss.
Dass Vatikan über eine neue Grundordnung mehr Einfluss an der Hochschule zu gewinnen anstrebt, wollte der kommissarische Unileiter Stefan Schieren nicht bestätigen. Die Katholische Universität muss sich nun auf eine langwierige Suche nach einem neuen Präsidenten einstellen: "Der Hochschulrat besteht aus 16 vielbeschäftigten Personen", sagte Schieren. Es müsse darauf hingearbeitet werden, diesen Prozess künftig stärker ineinander greifen zu lassen. Zum weiteren Vorgehen werde es Gespräche zwischen der Hochschulleitung, dem Hochschulrat und dem Träger der Universität geben.
Ablehnung trifft die Eichstätter Uni schwer
Zuvor hatte die Verzögerung bei der Ernennung des neuen Unichefs auch die Eichstätter Unileitung überrascht: "Wir hatten erwartet, dass die Ostertage der Grund für die Verzögerung seien", erklärte KU-Sprecher Constantin Schulte-Strathaus im April auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Die Trägerstiftung der Universität habe die Personalie eingängig geprüft, bevor sie nach Rom geschickt wurde. Auch Ulrich Hemel zeigte sich damals überzeugt, dass die Bestätigung noch eingehen werde.
Uni Eichstätt: Vorläufig kopflos
Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ist einzigartig im deutschen Sprachraum. Die Hochschule hat acht Fakultäten; derzeit werden rund 50 Fächer gelehrt. Die etwa 4600 Studenten werden von 120 Professoren und mehr als 200 wissenschaftlichen Mitarbeitern betreut. Die Universität wird zu etwa drei Vierteln vom Land Bayern, zu einem Viertel von den bayerischen Bischöfen finanziert.
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