Rekordjagd an den deutschen Hochschulen: Die Zahl der Studienanfänger ist zum aktuellen Wintersemester erneut gestiegen, vor allem wegen der extrem starken Abitur-Jahrgänge. Zum laufenden Semester fingen bundesweit 334.000 junge Menschen an zu studieren - gut sechs Prozent mehr als im Vorjahr, wie eine Umfrage der Wochenzeitung "Die Zeit" bei den statistischen Landesämtern ergab. So viele waren es noch nie.
Wie schon im Vorjahr steigt die Zahl der Erstsemester um sechs Prozent
Die offiziellen Zahlen will das Statistische Bundesamt am kommenden Montag bekanntgeben. Werden die Angaben bestätigt, so sind an den deutschen Hochschulen zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder mehr als zwei Millionen Studenten eingeschrieben. Im vergangenen Wintersemester hatte der Zuwachs der Erstsemester schon einmal sechs Prozent betragen; davon hatten besonders die Ingenieurfächer profitiert.
Geburtenzahlen: Seit 1990 fast stetiger Rückgang
Im September hatte sich die OECD gesorgt, dass die Zahl der Akademiker in Deutschland zu langsam steige - langsamer als in den meisten anderen Mitgliedsstaaten. Über Jahre deutete vieles darauf hin, dass Abiturienten die Lust auf ein Studium vergeht. So ermittelte das Hochschul-Imnformations-Systems, dass jeder dritte Abiturient die Eintrittskarte für die höchsten deutschen Bildungsstätten erst einmal ungenutzt lässt - meist weil er sich von einem Studium nicht viel verspricht. Noch im vergangenen Jahr gab es im Vergleich zu 2003 bundesweit zwar 17 Prozent mehr Abiturienten, die Zahl der Studienanfänger hielt damit aber nicht Schritt.
Doppelte Abi-Jahrgänge nahen
Entscheidend ist allerdings nicht allein, ob Abiturienten studieren wollen - sondern mehr noch, ob sie es auch dürfen, ob also die Bundesländern für genügend Kapazitäten sorgen. Dass sich in diesem Wintersemester rund sechs Prozent mehr Studenten eingeschrieben haben, liegt wohl auch an zusätzlich geschaffenen Plätzen. Im Hochschulpakt hatten Bund und Länder Ende 2006 vereinbart, bis 2010 eine Milliarde Euro für 90.000 Extra-Studienplätzen auszugeben - das Geld scheint anzukommen, wo es hin soll.
Ein großer Brocken kommt in den nächsten Jahren mit den doppelten Abiturjahrgängen auf die deutschen Hochschulen zu: Flächendeckend haben fast alle Länder, in denen Schüler zuvor 13 Jahre bis zum Abitur brauchten, auf zwölf Jahre umgestellt. Von 2011 bis 2013 werden die "Turbo-Abiturienten" an die Unis und Fachhochschule drängen.
Jahrelang waren die Anfängerzahlen an den Hochschulen deutlich hinter den Prognosen der Kultusministerkonferenz (KMK) zurückgeblieben. Für dieses Jahr rechnete die Ministerrunde laut Nachrichtenagentur dpa richtig: Die KMK hatte den Erstsemester-Zuwachs um sechs Prozent erwartet.
Zum Teil prozentual zweistellige Zuwächse
Laut "Die Zeit" melden viele Bundesländer zum aktuellen Wintersemester zweistelliges Wachstum bei den Anfängerzahlen. Besonders zugelegt haben etwa das Saarland (plus 18 Prozent), Hessen (plus 17 Prozent) und Hamburg (plus 10 Prozent). Weiter heißt es, Länder mit Studiengebühren verzeichneten ebenso starke Zuwächse wie Länder ohne Campusmaut.
Studienanfänger-Quote: Der Trend des Vorjahres setzt sich fort
In Nordrhein-Westfalen, das mit 475.400 in diesem Wintersemester erneut die meisten Studenten stellt, stieg die Zahl der Erstsemester an Unis um 5,8, an Fachhochschulen um 8,9 Prozent. Dem Bundestrend folgte in NRW die Zahl der Studenten in technischen Fächern: Bei den Studiengängen Maschinenbau und Verfahrenstechnik gebe es einen Anfänger-Rekordzuwachs von gut 20 Prozent zum laufenden Wintersemester, meldete das NRW-Wissenschaftsministerium.
Die Hochschulen in Niedersachsen verzeichnen in diesem Jahr gegenüber 2007 insgesamt einen Anfängerzuwachs von 2,5 Prozent. Die Fachhochschulen konnten gleich um 15 Prozent zulegen.
cht/dpa/AP
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