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29. April 2012, 23:03 Uhr

Mexiko

Polizei nimmt mehr als 200 Studenten fest

Studentenunruhen im Südwesten von Mexiko: In der Stadt Morelia protestieren Demonstranten gegen die Räumung von Uni-Wohnheimen - und haben sich Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Beamten greifen hart durch.

Morelia - Die Razzien überraschten die Bewohner mitten in der Nacht: Einsatzkräfte der Polizei haben im mexikanischen Bundesstaat Michoacán nach Straßenprotesten in mehreren universitären Unterkünften mehr als 200 Studenten festgenommen. Die Demonstranten hatten unter anderem Polizeiwagen in einer belebten Straße der Stadt Morelia in Brand gesetzt. Sie wollten sich so Zugang zu Wohnheimen verschaffen, die zuvor von der Polizei geräumt worden waren.

Mit den Demonstrationen wollen die Studierenden die Regierung dazu auffordern, mehr Geld für die Wohnheime der Universitäten bereitzustellen.

Wie CNN Mexiko meldet, gehen die Proteste von einer universitären Gemeinschaft namens "Coordinadora de Universitarios en Lucha" (CUL) aus, also etwa: "Komitee von Studenten im Kampf". Der Meldung zufolge fordert die Gruppe finanzielle Unterstützung vom Staat für ihre Bewegung, die bedürftige Jugendliche, die zum Studium nach Morelia kommen, mit Unterkünften und Lebensmitteln versorgt.

Laut einem Bericht des "Latin American Herald Tribune" habe es bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zahlreiche Verletzte gegeben, darunter Dutzende Studenten sowie Einsatzkräfte, auch von Feuerwehr und medizinischen Notdiensten. Die Polizei habe unangekündigt mit einer Einheit von 200 Beamten das Wohnheim Nicolaita gestürmt, das bedürftigen Studierenden Unterkünfte biete. Ein ähnlicher Einsatz sei zeitgleich im Wohnheim Dos de Octubre durchgeführt worden. Die Razzien eskalierten in gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen unter anderem Tränengas, Stöcke und Steine zum Einsatz kamen. Die Polizei setzte der Konfrontation nach zwei Stunden mit der Verhaftung von rund 200 Studierenden ein Ende, viele von ihnen aus anderen mexikanischen Bundesstaaten, heißt es in dem Bericht.

Der Gouverneur von Michoacán, Fausto Vallejo, mahnte laut Nachrichtenagentur Reuters, man solle sozialen Kampf nicht mit illegalen Handlungen verwechseln. "Wir haben in Michoacán Gesetze, an die wir uns halten müssen."

kha/bos/Reuters

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