Es geht schleppend voran beim "Deutschlandstipendium": Im ersten Jahr seit Einführung des Programms haben lediglich 5400 Studenten von der Begabten-Förderung profitiert. 47 Prozent der Geförderten sind Frauen, 7 Prozent Ausländer, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Für das Programm haben die Hochschulen 3,4 Millionen Euro von privaten Sponsoren eingeworben.
Das Programm ist eines der Prestige-Projekte von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Studenten, die als besonders begabt ausgewählt wurden, bekommen 300 Euro, jeden Monat, unabhängig vom eigenen Einkommen und dem der Eltern, je zur Hälfte bezahlt vom Bund und von privaten Geldgebern, Firmen und Stiftungen. "Eine neue Stipendienkultur" sollte so entstehen, in der die Leistung der Studenten anerkannt werde, das hatte Schavan beim Start des Programms gesagt.
Ihre Staatssekretärin im Bildungsministerium, Cornelia Quennet-Thielen, variierte die Parole jetzt nur leicht und sprach vom "Beginn einer neuen Stipendienkultur" - das Programm komme gut an. So wertete ihr Haus die aktuellen Zahlen.
Die SPD hingegen bezeichnete das Programm als Flop. Die Stipendienzahl bleibe meilenweit hinter den Erwartung zurück, sagte der Abgeordnete Klaus Hagemann. Statt neuer Förderkultur mit 160.000 Stipendien, die einmal angedacht gewesen waren, seien es bislang gerade 5400. Bereits im ersten Jahr waren im Bundeshaushalt sieben Millionen Euro für das Programm bewilligte Mittel verfallen. Das drohe sich im laufenden Jahr zu wiederholen.
SPD-Forderung: Deutschlandstipendium geordnet abwickeln
Seit dem Sommersemester 2011 läuft das Programm. Die meisten Stipendiaten studierten Ingenieurwissenschaften (27 Prozent), Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (25 Prozent) sowie Mathematik oder Naturwissenschaften (23 Prozent).
Staatssekretärin Quennet-Thielen sagte auch: "Befürchtungen, wonach nur Studierende aus bessergestellten Elternhäusern gefördert und die Natur- und Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften durch die Mittelgeber über Gebühr bevorzugt würden, haben sich als grundlos erwiesen." Auch die Behauptung, nur Hochschulen in wirtschaftsstarken Regionen würden genügend Förderer finden, sei falsch.
Anders sieht es SPD-Politiker Hagemann: Ihm zufolge sind unter den Stipendiaten lediglich 1276 Bafög-Empfänger. Damit bleibe ihr Anteil unter den Stipendiaten unterdurchschnittlich. Das Stipendium verstärke tendenziell die soziale Schieflage unter den Studenten. Das Stipendienmodell von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sollte wie zuvor schon das nordrhein-westfälische Vorläuferprogramm geordnet abgewickelt und das Geld stattdessen den Studienförderwerken der Stiftungen zugewiesen werden, forderte er. Im NRW-Programm wurden 2010 und 2011 insgesamt 2600 Stipendien vergeben. Es sollen keine weiteren hinzukommen, 2014 läuft das NRW-Stipendium aus.
Der studentische Dachverband fzs sieht das Programm ebenfalls als gescheitert an: " Eine Förderung von monatlich 300 Euro, wie sie das Deutschlandstipendium vorsieht, ist lediglich ein Bonus für Gutgestellte und stellt keine eine Unterstützungsleistung für Schlechtergestellte dar", so fzs-Vorstandsmitglied Salome Adam. Studenten, die nebenbei arbeiten müssten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, hätten kaum die Möglichkeit, so gute Noten zu bekommen, dass es für das Stipendium reicht.
otr/dpa/AFP
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