Ab durch den Kamin: Uni will Studiengebühren verheizen

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Studiengebühren sollen die Lehre verbessern. In der Not hat die Uni Hohenheim eine aparte Idee: Sie will damit große Etatlöcher stopfen - und vor allem Heizkosten decken, die das Land nicht bezahlt. Wütende Studenten rebellieren gegen das Verfeuern ihrer Euros.

Es hätte so schön sein können. Im Dezember zeigte sich die Universität Hohenheim ganz von ihrer generösen Seite und machte ihren Studenten ein Angebot: Mit 200.000 Euro aus Studiengebühren sollten die Studenten eigens erdachte Projekte bezahlen dürfen. Als Siegeridee prämierte eine Jury aus Studenten am Ende eine Website, die präzise aufschlüsseln soll, wofür Hohenheim die Studiengebühren ausgibt. Motto des Wettbewerbs: "Dein Wille geschehe."

Schloss-Universität Hohenheim: Malerisch, aber teuer zu beheizen
Universität Hohenheim

Schloss-Universität Hohenheim: Malerisch, aber teuer zu beheizen

Das war vergangene Woche. Und diese Woche entscheiden die Hohenheimer Studenten erneut über Geld, bei einer Abstimmung am Mittwoch und Donnerstag. Doch im Vergleich zum vorweihnachtlichen Ideenwettbewerb geht es diesmal nicht um Peanuts: Die Uni-Leitung plant, 1,6 Millionen Euro aus dem Gebührensäckel in den Uni-Haushalt 2009 fließen zu lassen - und will so in erster Linie ihre teure Heizkostenrechnung begleichen.

Dafür sind Einnahmen aus der Campusmaut aber überhaupt nicht gedacht. Sie sollen zu Verbesserungen der Lehre führen, etwa zu einer besseren Betreuung. So jedenfalls lautet das ewige Mantra der Gebührenfans unter Deutschlands Wissenschaftsministern, auch des baden-württembergischen Ministers Peter Frankenberg (CDU). An den Hochschulen waren in den vergangenen zwei Jahren schon ausgesprochen kreative und eigenwillige Interpretationen zu besichtigen, was sich aus ihrer Sicht auch noch alles unter Verbesserung der Lehre verbuchen ließe - aber das Verheizen der Studenten-Euros zählt gewiss nicht dazu.

Tiefe Löcher im Uni-Etat

500 Euro pro Semester müssen auch die Studenten in Hohenheim zahlen. Insgesamt kommen dort jährlich etwa fünf Millionen Euro zusammen. Jetzt ist der Asta empört über einen "Wortbruch sondergleichen, wie wir es noch nie erlebt haben", so der Asta-Vorsitzende Stefan Haffke. Bislang pflegen Uni-Leitung und Studentenvertreter in Hohenheim ein recht kooperatives Verhältnis. Eine Kommission aus Studenten, Mitarbeitern und Fakultätsdekanen entscheiden mit darüber, was aus Studiengebühren bezahlt werden darf. Haben die Studenten etwas einzuwenden, setzt sich Rektor Hans-Peter Liebig auch persönlich mit ihnen zusammen.

Als beim jüngsten Treffen im Dezember alle strittigen Punkte abgearbeitet waren, schob Liebig noch einen Punkt hinterher: Im Haushaltsentwurf für 2009 fehlten 3,2 Millionen Euro. Die Hälfte werde er an den drei Fakultäten der Uni einsparen, erklärte er. Ein Betrag von 1,6 Millionen Euro allerdings sollten die Studenten mit ihren Gebühren beisteuern, schildert Stefan Haffke das Ergebnis der Zusammenkunft. Uni-Sprecher Florian Klebs bestätigt das. "Wenn wir nicht zustimmen, müssen wir mit Einschnitten rechnen", zitiert Studentenvertreter Haffke den Rektor.

Größtes Problem sind laut Uni-Sprecher Klebs die hohen Energiekosten. 1,2 Millionen Euro haben Strom und Heizung die Uni 2008 gekostet. Das Land Baden-Württemberg hatte in den vergangenen zwei Jahren einen Zuschuss von jährlich 600.000 Euro gegeben, um das Uni-Gemäuer im Schloss Hohenheim - malerisch, aber wenig energieeffizient - warm zu halten. Diese Mittel aber hat das Land Ende 2008 gestoppt.

Mitarbeiter sollten sich "ein Heizöfchen daneben stellen"

Mit diesem Problem steht die Universität Hohenheim nicht allein. In den vergangenen Jahren hatte das Wissenschaftsministerium je sechs Millionen Euro für die Heizung seiner Universitäten überwiesen. Jetzt sei damit Schluss, bestätigte Marion Jung, Sprecherin des Ministeriums, SPIEGEL ONLINE. Die Universitäten im Ländle darben außerdem, weil durch den sogenannten Solidarpakt die Landeszuwendungen seit bald zwölf Jahren auf dem Niveau von 1997 eingefroren ist. Das Land zahlt lediglich tarifliche Lohnsteigerungen und beteiligt sich an der Exzellenzinitiative, über die einigen Universitäten zusätzliches Geld erhalten.

Gebührenprotest in Ulm (Januar 2007): Scheite und Schelte für die Uni
DPA

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Weil das Land jetzt auch noch den Heizungsbonus gestrichen hat, bleibt nur eisernes Sparen. Die zur Elite-Uni gekrönte Konstanzer Hochschule etwa verfiel zwischen Weihnachten und dem 6. Januar in einen kurzen Winterschlaf. Um an den Heizkosten zu sparen, sperrte die Bibliothek für knapp zwei Wochen ihre Türen zu. Ersparnis: 60.000 Euro. In Ulm und Freiburg wurden ebenfalls Gebäudeteile nicht beheizt, wer trotzdem kam, sollte sich "warm anziehen" (Ulm) oder "ein Heizöfchen daneben stellen" (Freiburg). Allein Tübingen heizte die Feiertage über durch. Stuttgart dagegen drehte die Thermostate ebenso herunter wie Mannheim.

Baden-Württemberg ist stolz auf seine Ingenieurskunst, den Dialekt - und schon berüchtigt für die absonderliche Idee, mit Studiengebühren die Heizungen zu befeuern. Im Winter 2006 kam zunächst die Freiburger Universität auf die Idee, mit Studentengeld ihr Heizöl zu bezahlen. Erst nach Protesten kassierte die Uni den Plan wieder ein. Auch die Unis in Ulm und Mannheim erwogen allerlei haushälterische Tricks. Nach wütenden Protesten war es still geworden um die Idee, Studiengebühren durch den Kamin zu jagen oder in Beton zu gießen - bis zum aktuellen Revival in Hohenheim.

"Wir brauchen mehr Geld vom Land"

Am Mittwoch und am Donnerstag will der Asta alle Hohenheimer Studenten in einer Urwahl darüber entscheiden lassen, ob der Großteil von 1,6 Millionen Euro im laufenden Jahr buchstäblich verheizt werden soll. Stimmen die Studenten gegen den Plan der Leitung, dann "ist der Rektor im Wort", sagt Uni-Sprecher Klebs.

Drückt Rektor Liebig die Gebührenverwendung nicht doch durch, bestimmt letztlich der Universitätsrat als Aufsichtsgremium, wie es weitergeht. Das elfköpfige Gremium, in dem Externe die Mehrheit haben, könnte entscheiden, dass die Gebühren auch gegen den Willen des Rektors und der Studenten verwendet werden, um Haushaltslöcher zu stopfen und die Uni zu wärmen.

Das müsse man dann eben hinnehmen, sagt Uni-Sprecher Florian Klebs. "Wir wären darüber aber nicht glücklich, das ist nichts, was wir dauerhaft möchten." Woher das Geld zum Heizen eigentlich kommen muss, darin sind sich Klebs und der Asta-Vorsitzende Haffke einig: "Wir brauchen mehr Geld vom Land."

Das Wissenschaftsministerium mauert bisher. Man werde sich mit den Universitäten "auseinandersetzen", so das dürre Statement. Ob es für das laufende Jahr einen Zuschuss zu den Energiekosten geben werde oder nicht, wollte die Sprecherin des Ministeriums nicht sagen. Sie verwies lediglich auf derzeit sinkende Energiekosten und auf vage "Einsparpotentiale".

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Uni fragt Studenten: Wohin mit dem Gebührengeld?