Abschlussarbeit: Sechs Tipps für den großen akademischen Wurf

Von Philipp Braun

Sobald die Frist einmal läuft, packt viele Examenskandidaten das große Heulen und Zähneklappern. Wie man sich, sein Thema und einen Betreuer findet, Fachliteratur statt "Feuchtgebiete" liest und die Aufschieberitis in den Griff bekommt - ein Routenplaner.

1. Themenfindung - wer Visionen hat, sollte ins Archiv gehen

Momentan befindest du, lieber Absolvent in spe, dich mit deiner Arbeit noch ganz am Anfang. In dieser sehr frühen Phase hast du bestenfalls eine vage Vision, wie dein Gesellenstück aussehen soll. Dabei gilt, frei nach Helmut Schmidt: Wer Visionen hat, sollte ins Archiv gehen. Es empfiehlt sich ein Blick ins lehrstuhleigene Archiv (oder der Gang in die Bibliothek): Hier kannst du Abschlussarbeiten der vergangenen Jahre einsehen und bekommst einen Eindruck, wie Qualität, Länge und Struktur aussehen könnten.

Bibliothek (an der Uni Köln): Ab ins akademische Archiv
DPA

Bibliothek (an der Uni Köln): Ab ins akademische Archiv

Als erster Zugang sind speziell Dissertationen hilfreich, weil sie in der Regel den aktuellen Forschungsstand widerspiegeln. Du solltest, falls du den Verfasser der jeweiligen Arbeit nicht persönlich kennst, herauszufinden versuchen, ob der Autor nun eher links vorn oder rechts hinten im Taxi sitzt - auch wenn das nicht zwangsläufig etwas mit der Qualität der Abschlussarbeit zu tun haben muss.

Die Wahrheit ist jedoch: Sehr gute Arbeiten inspirieren meist zu einer recht passablen eigenen Idee, schlechte Arbeiten verwirren unnötig, kosten Zeit und lassen die Vision Abschlussarbeit ins Stocken geraten. Je nach Studienrichtung können zudem Fachzeitschriften, Fachmedien oder ganz normale Medien helfen. Oftmals gibt ein "Zeit"-Dossier eine Anregung, die sehr wertvoll sein kann.

Nach so viel Einstiegslektüre sollte nun deine Vision zu einem konkreten Vorhaben gereift sein, du kannst dich dem ersten echten Anstieg widmen: der Literaturrecherche.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Wer keine Erfahrung hat mit Abschlussarbeiten, sollte nicht darüber schreiben
pumpkin79 28.08.2008
Mit Interesse habe ich obigen Artikel gelesen, da ich selber jahrelang als Mitarbeiter Seminar- und Diplomarbeiten betreut und bewertet habe - und nicht zuletzt habe ich auch im Studium welche geschrieben. Was der Autor allerdings an Vorschlägen unterbreitet, ist leider fernab jeglicher Realität und teilweise, man verzeihe meine Wortwahl, etwas dummes Geschwätz. Wie kann der Autor als Tipp geben, sich Bücher für die Literaturrecherche vorzunehmen, wo doch Forschung zu 99% nicht über Bücher, sondern Artikel in referierten Zeitschriften läuft? Wie kann ein Tipp lauten, die Einleitung als erstes zu schreiben, wo man doch zu diesem Zeitpunkt gar nicht wissen kann, zu welchen Erkenntnissen die Arbeit am Ende kommt? Auch die Praxis des Exposé-Schreibens ist an vielen Universitäten nicht gefragt, zudem ist es auch nicht so schlimm wie beschrieben, einen Professor für seine Abschlussarbeit zu bekommen wie beschrieben, und ich komme von einer Fakultät mit mehr als 4000 Studierenden und einem sehr ungünstigen Studenten-Betreuer-Verhältnis. Hinzu kommt die Anforderung, die der Autor stellt, nämlich den großen akademischen Wurf zu landen. Wer die Latte so hoch setzt, kann nur scheitern, denn einem Studenten ist es einfach nicht möglich, etwas auf dem Niveau eines referierten Artikels zu schreiben (wenige Ausnahme mögen die Regeln bestätigen). Sonst wäre es wohl nicht sonderlich schwer, Forschungsleistungen wie die an der Uni zu erbringen. Meine Erfahrung legt folgende Tipps nahe: Intensive Literaturrecherche, vor allen in englischsprachigen Journals. Gerne auch Versuche, Forscher einmal interviewen zu können, das hilft ungemein. Rechtzeitiges Erstellen einer flexiblen Gliederung. Dabei Schwerpunkte setzen: Erstelle ich eine eigene Empirie, habe ich Ideen für ein Modell, am besten quantitativ? Und wenn ja, habe ich Hoffnung, überhaupt eine Lösung zu bekommen? Beginn des Schreiben mit dem Literaturüberblick. Regelmäßiger Kontakt zum Betreuer, immer Auszüge zum Lesen mitbringen. Die Arbeit immer gleich richtig formatieren. Einleitung und Fazit zum Ende schreiben. Viel Erfolg!
2. wenig hilfreich bis grotesk
johann76!!! 28.08.2008
Am schlimmsten finde ich, dass der Autor versucht, seine (im Kern z.T. evtl. ja gar nicht unbedingt nur falschen) Tipps, als allgemeingültig zu verkaufen. Zwar mag manches für eine geisteswissenschaftliche Wissenschaftskultur zutreffend sein, für empirisch orientierte Fächer ist aber das Meiste völlig unsinnig. Es ist traurig, dass hier scheinbar die Vorstellung zugrunde liegt, Wissenschaft bestehe darin, in Bibliotheken aus alten Büchern abzuschreiben. So funktioniert moderne Forschung nicht. Und der Vorschlag, ein „Zeit“-Dossier als Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Arbeit zu wählen, ist geradezu grotesk. Von peer-reviewed Journals scheint der Autor noch nie gehört zu haben. Meinen Studierenden würde ich jedenfalls dringend davon abraten, sich an diesen „Tipps“ zu orientieren.
3. Danke
WebFritzi 06.11.2008
Ganz eurer Meinung. Aber was erwartet man von Spiegel-Redakteuren... Die haben ja eh keine Ahnung von Wissenschaft.
4. Weltfremd
altbauer 02.04.2009
Auch ich teile die Einschätzung, dass diese Ratschläge von einem eher Unbedarften stammen. Wer eine wissenschaftliche Arbeit mit der Einleitung beginnt, der kann eigentlich schon aufgeben, denn das funktioniert nicht. Wie man eine Arbeit schreibt und organisiert findet man z.B. hier recht gut beschrieben und erklärt: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LITERATUR/
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