Absolventen vermieten ihre Gesichter: Kratzen ist schlecht fürs Geschäft
Sie tragen ihre Absolventenhaut zu Markte: Ein Jahr lang wollen zwei britische College-Abgänger ihre Gesichter zu Werbeflächen machen, um ihre Schulden aus Studiengebühren abzustottern. Für welche Firmen sie zum Blickfang werden, ist ihnen egal. Ein Modell, das sich bislang rentiert.
Gegen Bezahlung haben schon viele Studenten ihre Autos in rollende Litfaßsäulen verwandelt, T-Shirts mit Firmenlogos tragen die meisten freiwillig. Sogar gesponserte Tattoos mit Markennamen hat es bereits gegeben. Zwei Absolventen des Selwyn College aus Cambridge wollen jetzt eine der letzten Marktlücken schließen: Sie vermieten ihr Gesicht als Werbefläche.
Ross Harper, 21, und Ed Moyse, 22, heißen die geschminkten Uni-Abgänger, der eine hat im Sommer in Neuro-, der andere in Wirtschaftswissenschaft abgeschlossen. Seit Anfang Oktober bieten sich die Briten auf der Website Buymyface.com als lebende Anzeigetafeln an. "Das Wichtigste war, dass wir uns das Kratzen abgewöhnen", erzählt Ross an einem Tag, an dem er für ein Web-Portal für Arbeitssuchende wirbt.
Ein Jahr lang wollen Ross und Ed ihr Antlitz vermieten. Ihr Ziel ist es, mit den Einnahmen aus der Aktion ihre Studienschulden zu begleichen, die sich bei beiden zusammen auf 50.000 Pfund, also rund 57.500 Euro, belaufen. Ross ist begeistert vom Erfolg ihrer Aktion: "In den ersten 20 Tagen haben wir 4.500 Pfund verdient." Für ihn und Ed ist das Gesichtbemalen derzeit der einzige Job, sagt der Absolvent. "Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist schwierig, kaum jemand von unseren Freunden hat direkt nach dem Abschluss eine Stelle bekommen."
Jeden Morgen schminken sie sich gegenseitig
Sie hätten bereits drei Jobangebote bekommen, sagt Ross, doch zunächst wollten sie sich ganz ihrer Geschäftsidee widmen. Jeden Morgen malen sie sich gegenseitig die tagesaktuelle Werbung auf, im Lauf des Tages machen sie Beweisfotos und stellen sie ins Netz. Ein Kalender auf ihrer Website zeigt, welche Firma wann ihr Geldgeber ist.
Ob Ross und Ed das gleiche Motiv tragen oder zwei verschiedene, dürfen die Unternehmen entscheiden. Abgesehen von Anstößigem und Beleidigendem würden sich die Freunde alles auf Stirn, Mund und Nase malen, sagen sie. Theoretisch könne man sogar einem Freund zum Geburtstag gratulieren oder einen Heiratsantrag veröffentlichen. Bezahlt von einem Wettanbieter besuchten Ross und Ed am Wochenende zum Beispiel das Fußball-Derby zwischen Manchester United und Manchester City - mit einer Wettquote für den ManCity-Sieg auf Wangen und Kinn.
60 Pfund für einen Tag Werbung auf Absolventenhaut
Nur ein britisches Pfund verlangten die Kumpels für die ersten Anzeigen, doch seitdem stiegen die Preise kontinuierlich - nach einem System, das die Freunde nicht verraten wollen. Viele britische Medien haben schon über sie berichtet, darunter die britische BBC, was die Preise in die Höhe getrieben haben dürfte. Derzeit kostet die Tagesreklame 60 Pfund. Außer englischen und irischen Firmen soll sich bereits ein japanisches Unternehmen um den Werbeplatz auf Absolventenhaut bemüht haben. "Die Zukunft von Buymyface ist international", glaubt Ross.
Die Gesichter gemietet hat bisher unter anderem der Internetspiele-Anbieter Skillpod Media. "Ich habe die innovative Idee gemocht", sagt Firmenchef Mark van Diggelen, der für die Werbung 17 Pfund bezahlt hat. "Wer weiß, vielleicht wird Buymyface ja zur nächsten großen Seite für virales Marketing?"
Nicht die erste Anzeige auf einer Studenten-Stirn
Zumindest das Leben von Ross und Ed hat die ungewöhnliche Aktion bereits durcheinandergewirbelt. "Wir verbringen jetzt fast unsere gesamte Zeit zusammen", sagt Ross, schließlich werden die beiden stets im Doppelpack gebucht. "Besonders seltsam ist es, wenn wir unsere Freundinnen treffen, die an unterschiedlichen Unis studieren. Dann fühlt sich einer von uns immer wie das fünfte Rad am Wagen."
Ganz neu ist Werbung im Gesicht nicht. Zumindest mit der Idee, die Stirn von Studenten zu vermieten, wurde in Großbritannien bereits im Jahr 2003 experimentiert. Als Teil einer Fallstudie zahlte eine Werbeagentur Hochschülern damals 88 Pfund pro Woche, wenn sie mindestens drei Stunden täglich einen Schriftzug trugen.
Den Ansatz der "ForeheADS"-Kampagne erklärte die Agentur Cunning in ihrem Resümee: "Wir fragten uns, wie albern es wäre, Studenten beim Rückzahlen ihrer Darlehen zu helfen, indem wir sie zu menschlichen Reklametafeln machen. (...) Wir wussten, dass es provokant und polarisierend sein würde, doch das war der Punkt. Es ging darum, auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen, indem wir eine Debatte auslösen." Apropos gesellschaftliches Problem: An den Studentenprotesten gegen höhere Studiengebühren haben sich Ed und Ross nicht beteiligt. Mit dem medienwirksamen Gesichtbemalen begannen sie erst nach ihrem Abschluss.
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- Homepage von Buymyface.com
- Fotogalerie auf Buymyface.com
- Kalender auf Buymyface.com
- Fallstudie der Werbeagentur Cunning (PDF)
- BBC-Artikel über buymyface.com
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