Akademischer Grad: Bayerns Kampf um den Doktortitel

Die Bundesregierung will pragmatisch sein: weg mit dem Doktorgrad aus Personalausweis und Reisepass. Doch Bayerns Politiker, allen voran Dr. Beckstein, fühlen sich verpflichtet, den schmucken Titel zu retten - schließlich handele es sich um eine deutsche Tradition.

Dr. jur. Günther Beckstein könnte bald seinen Titel los sein - jedenfalls auf dem Papier. Der Entwurf der Bundesregierung für ein neues Passgesetz sieht vor, künftig alle Doktortitel aus Pässen und Personalausweisen zu streichen. Da kann für Bayerns Innenminister keine Ausnahme gelten. Auch 20 andere Abgeordnete allein aus der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag wären betroffen.

Minister Beckstein: Nicht ohne meinen Doktor
DDP

Minister Beckstein: Nicht ohne meinen Doktor

Dr. Beckstein schrieb daraufhin an Dr. Wolfgang Schäuble, den Bundesinnenminister: Ein Doktorgrad "sei nicht nur Ausdruck einer besonderen wissenschaftlichen Leistung; er ist vielmehr auch im täglichen Gebrauch zur höflichen Anrede üblich". Auch Bayerns Bundesratsministerin Emilia Müller zeigte sich pikiert. Es entspreche "der deutschsprachigen Kulturtradition und jahrelanger Verwaltungspraxis", dass der Doktorgrad zusammen mit dem Familiennamen in Pässe und Personalausweise eingetragen werde.

Die von Müller beschriebene Tradition ist erst vor knapp 20 Jahren in das Passgesetz aufgenommen worden. Ein großer Verwaltungsaufwand, denn die Behörden müssen beispielsweise ausländische Doktorgrade erst entsprechend überprüfen. Doch seit 1988 wird er als einziger akademischer Titel eingetragen.

Dabei ist Doktor nicht gleich Doktor. Eine Promotion in der Zahn- oder Humanmedizin dauert oft nur wenige Monate - und kann schon während des Studiums begonnen werden. Absolventen anderer Fächer schreiben mehrere Jahre an ihrer Dissertation und beginnen erst nach dem Examen. Und dann gibt es noch den Ehrendoktor, den Dr. h.c.

Akademiker ohne Promotion haben in der Pass-Diskussion das Nachsehen. Diplomphysiker oder Professoren können sich ihre Titel allenfalls auf die Visitenkarte drucken. Einfacher ist es in direkter bayerischer Nachbarschaft: In Österreich können alle akademischen Grade im Pass eingetragen werden, sogar die Standesbezeichnung "Ingenieur" . Stolze 869 Titel gibt es in der Republik Österreich zu erlangen - in der Titelverliebtheit spiegelt sich das Erbe der Donaumonarchie.

Bundesratsministerin Müller hofft auf Unterstützung: Die CSU-Politikerin geht davon aus, dass heute im Bundesrat auch andere Bundesländer den bayerischen Antrag zum Erhalt des Doktor-Titels unterstützen. Schließlich müsse diese akademische Qualifikation in Personaldokumenten und "im täglichen Leben" sichtbar werden.

may/AP/ddp/dpa

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