Alternativen zu Powerpoint: Bye, bye Folien

Folie für Folie, Chart für Chart - es gibt Alternativen zu Powerpoint, allerdings kennt sie kaum jemand. Dabei sind sie oft kostenfrei und viel hipper, cooler, jünger. Schüchterne Studenten könnten sich allerdings überfordert fühlen.

Alternativen zu Powerpoint: Hipper, cooler, jünger Fotos
Corbis

Einige Studenten tüfteln lange an der perfekten Powerpoint-Präsentation, den Studenten Philipp von Hammerstein, 20, beeindruckt das nicht. Er findet diesen Vortragsstil sogar ziemlich langweilig. Folie für Folie, Chart für Chart. "Meine Zuhörer brauchen jedes Mal 30 Sekunden, um das Blatt durchzulesen", sagt Philipp, der an der Privat-Universität WHU in Vallendar BWL studiert. "Zeit, in der sie mir nicht zuhören."

Für seine Präsentationen an der Uni suchte er im Netz nach Alternativen und fand Prezi. "Tolle Sache", lautet sein Fazit nach rund 15 Präsentationen.

Das webbasierte Programm folgt nicht dem klassischen Präsentationsansatz der Diashow, sondern setzt auf eine Art virtuellen Rundgang durch eine Mindmap. Statt Folien gibt es eine unbegrenzt große Leinwand, auf der sich Elemente frei verteilen lassen. "Diese Auffassung von der Präsentation als unbegrenzte Ideensammlung ist das wirklich Neue an Prezi", sagt Dorothee Wiegand von der Computerzeitschrift "c't".

Das Ergebnis erinnert an eine Filmvorführung

In der Praxis sieht die Arbeit mit Prezi vor allem bunt aus: Der Nutzer kann Fotos, Texte oder Videos auf die Präsentationsfläche ziehen. Die Elemente lassen sich drehen, verschieben und in der Größe verändern. Das Ergebnis erinnert an eine Filmvorführung: Wie bei einer Kamerafahrt schwenkt das Programm von Aspekt zu Aspekt und zoomt je nach Bedeutung der einzelnen Punkte stärker herein. Ein Nachteil: Es gibt keine direkte Excel-Anbindung. "Tabellen lassen sich nicht so bequem einbinden", erklärt Wiegand.

Prezi ist im Prinzip kostenlos, allerdings sind die Vorträge dann im Netz frei einsehbar. Wer die Öffentlichkeit ausschließen will, muss die "Enjoy"-Variante für rund 43 Euro pro Jahr kaufen. 117 Euro kostet die Offline-Version für den Desktop.

Das Prinzip der "Zooming Presentation" verfolgt auch ein kostenloses Add-on namens pptPlex für Powerpoint. Das Programm an sich kostet allerdings 189 Euro. Microsoft bietet in seinem Onlinedienst Windows Live aber auch eine abgespeckte und kostenlose Web-Version von Powerpoint an. Frei verfügbar sind auch OpenOffice oder LibreOffice mit den klassischen Präsentationsfunktionen.

"Zooming Presentations" eigenen sich besonders für kreative Branchen

Bei Programmen à la Powerpoint könne man sich an den Folien entlanghangeln, sagt Philipp von Hammerstein. Bei Zooming-Presentations müsse der Vortrag freier und flexibler gestaltet werden. "Der Redner muss sich in seinem Thema sehr gut auskennen." Wer beim Vortragen schüchtern sei, für den seien solche Programme weniger geeignet.

Dorothee Wiegand sieht die Grenzen von Zooming Presentations auch in der Zielgruppe: Diese Art der Präsentation sei "hipp, cool und jung", sagt sie und eigne sich daher eher für für kreative Branchen, beispielsweise in der Werbung. Eine Business-Präsentation mit vielen Zahlen würde sie damit eher nicht machen.

Dafür könnten sich neben Powerpoint auch Programme wie SlideRocket oder Zoho Show eignen, die ebenfalls browserbasiert arbeiten und in der Basisvariante nichts kosten. Das Computer-Magazin "PC Welt" hat beide Programme getestet, wobei SlideRocket als "Rundum-Sorglos-Paket" besser abschnitt. Bemerkenswert sei, dass das in der Basisversion kostenlose Programm Analysen anbietet, um die Effektivität von Präsentationen zu messen. So könne man Umfragen zu einzelnen Präsentationen erstellen und nachverfolgen, wer wieviel Zeit auf jeder Folie verbracht habe.

Bei beiden Programmen können Nutzer Präsentationen aus Powerpoint importieren, SlideRocket integriert außerdem Daten von Twitter oder anderen Netzwerken und Diensten. Zoho Show ist nur für den privaten Gebrauch kostenlos. Sie bleibt dem Test zufolge hinter Powerpoint und SlideRocket zurück, was den Funktionsumfang betrifft. Dennoch habe es sich zu einem starken Programm für die gängigsten Aufgabenstellungen entwickelt: "Wer eine solide Präsentationssoftware ohne zu viele Funktionen und Schnickschnack sucht, wird hier ausgezeichnet bedient."

Von Kathrin Streckenbach, dpa/fln

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insgesamt 97 Beiträge
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1. Bitte mehr Inhalt!
rugall70 16.04.2011
Wenn der Inhalt nicht stimmt, nutzt die schönste Verpackung nichts. Natürlich sollen Inhalte ansprechend verpackt sein. Aber dass manch ein Student oder Referent heute mehr Zeit in die Verpackung investiert, das tut den Inhalten nicht eben gut. Eine wirklich gute Rede braucht übrigens überhaupt keine Präsentation a la Powerpoint oder Prezi. Stellen wir uns Martin Luther King bei seiner großen Rede vor dem Lincoln Memorial vor: "I have a dream", ruft er emphathisch der Menge zu. Und dann: -Klick- "Bitte das nächste Bild."
2. Ergänzung
Darth Manfred 16.04.2011
es gibt außerdem noch magicpoint (evtl. mit ewipe) und die latex Klasse 'beamer', um Präsentationen zu erstellen. Das ist zwar vielleicht rein optisch nicht ganz so "hipp und cool", aber wer irgendetwas technisches studiert, sollte vor allem kompetent wirken und latex muss man als Student ja eh können.
3. Naja...
theodorant12 16.04.2011
Schön das es anscheinend gute Alternative gibt, aber nach meiner Erfahrung beherrschen die meisten Leute einfach nicht grundlegendste Vortragsregeln oder Techniken. Man kann es ihnen meist nicht verübeln, da sie es nicht oder nur unzureichend gelernt haben, aber da hilft dann auch kein "hippes" Programm. Office's PP verbessert sich ständig und bietet tolle Funktionen. Eine Folie voll mit Text wie die Person im Artikel hatte, sollte es ohnehin nicht geben. Genau aus diesem Grund, dass niemand zuhört was erzählt wird. Dieses Problem muss man nunmal kreativ übergehen.
4. LaTeX
peterbruells 16.04.2011
Zitat von Darth Manfredes gibt außerdem noch magicpoint (evtl. mit ewipe) und die latex Klasse 'beamer', um Präsentationen zu erstellen. Das ist zwar vielleicht rein optisch nicht ganz so "hipp und cool", aber wer irgendetwas technisches studiert, sollte vor allem kompetent wirken und latex muss man als Student ja eh können.
Sorry, aber das ist Unsinn. Die Mehrheit der Studenten muß kein LaTeX können, die Grundfunktionen, die die meisten brauchen, werden von den gängigen Textverarbeitungsprogrammen beherrscht. Als Vorteil kann man verbuchen, daß LaTeX zwingt Stile und logische Auszeichnungen zu verwenden, anstatt dass man sich als Typograf versucht. Ist aber manchmal auch ein Nachteil, denn die üblichen 08/15 article-12pt-Times-Roman-Artikel mag man auch irgendwann nicht mehr sehen. Und nein, ich habe nichts gegen LaTeX - Ich setze es seit Ende der 80er kontinuierlich ein, sowohl privat als auch beruflich.
5. Auch ein LaTeX-Fan
yetanotherdude 16.04.2011
Zitat von Darth Manfredes gibt außerdem noch magicpoint (evtl. mit ewipe) und die latex Klasse 'beamer', um Präsentationen zu erstellen. Das ist zwar vielleicht rein optisch nicht ganz so "hipp und cool", aber wer irgendetwas technisches studiert, sollte vor allem kompetent wirken und latex muss man als Student ja eh können.
Also ich finde z.B. diese Kügelchen von beamer, die anzeigen, an welcher Stelle des Vortrags man sich befindet, schon ziemlich cool. Die sehen nach verflucht viel Detailarbeit aus, aber kommen in Wirklichkeit vollautomatisch auf die Folien.
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