Anatomie-Panne in Köln: Uni will besser mit Leichen umgehen
Medizinstudenten hatten an den Leichen Präparieren geübt - doch dann ließ das anatomische Institut der Hochschule die Körperspenden monatelang nicht bestatten. Drei Leichen kann sie nicht einmal mehr identifizieren. Nun gelobt die Uni Besserung.
Die Universität Köln hat den Überblick über die Leichen am anatomischen Institut verloren - und will sich nun bessern. "Wir nehmen uns dieser Sache hundertprozentig an und werden alles tun, um einen würdevollen Umgang mit den Toten zu garantieren", sagte Thomas Krieg, Dekan der Medizinischen Fakultät. Wie SPIEGEL ONLINE berichtete, wurden Dutzende Leichen, die dem Institut zu Lehrzwecken gespendet wurden, nicht oder zu spät bestattet. Derzeit müssten noch 27 Leichen beigesetzt werden, sagte der Dekan.
In drei Fällen konnte die genaue Identität der Toten bisher nicht festgestellt werden, teilte die Uni mit. In Köln werden jedes Jahr rund hundert Körperspenden aufgenommen; Medizinstudenten lernen an den Toten, wie der menschliche Körper aufgebaut ist.
Das Durcheinander im Institut ist nach Aussagen des Dekans in den vergangenen zwei Jahren entstanden. Es sei durch einen Amtswechsel in der Anatomie im vergangenen Herbst ans Licht gekommen. Patrick Honecker, Pressesprecher der Uni, glaubt aber daran, alle gelagerten Leichen noch identifizieren zu können. "Wir sind jetzt schon sehr weit", sagte er über die Sichtung der Unterlagen.
Die Universität hatte vorsorglich die Staatsanwaltschaft informiert. Eine Störung der Totenruhe und eine Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener ist aber nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht gegeben. Parallel prüft die Hochschule disziplinarische Konsequenzen. Künftig sollten mehrere Personen den Umgang mit den Leichen kontrollieren, sagte Dekan Krieg. Die Universität solle nicht wegen eines pietätlosen Verhaltens in Verruf geraten. "Die Ordnung wird in den nächsten Wochen wieder grundsätzlich hergestellt", sagte er.
son/dpa/dapd
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