Plagiatsaffäre: Uni-Prüfer votieren einstimmig gegen Schavan

Sieben zu null - so eindeutig fiel das Votum im Promotionsausschuss der Uni Düsseldorf aus: Die Prüfer des Gremiums empfahlen nach SPIEGEL-Informationen einstimmig, ein Verfahren gegen Annette Schavan einzuleiten. Am Ende könnte die Bildungsministerin ihren Doktortitel verlieren.

Annette Schavan: Ministerin im Titelkampf Zur Großansicht
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Annette Schavan: Ministerin im Titelkampf

Es sieht nicht besonders gut aus für Annette Schavan (CDU): Bei der Prüfung ihrer Doktorarbeit auf mögliche Plagiate steuert die Universität Düsseldorf derzeit auf eine Aberkennung des Doktorgrades zu. Der zuständige Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät empfahl nach SPIEGEL-Informationen auf seiner Sitzung am 12. Dezember einstimmig, ein solches Verfahren zu eröffnen - das Votum fiel sieben zu null aus.

Das Gremium verzichtete darauf, zusätzlich zu der Expertise seines Vorsitzenden, der Schavan eine "leitende Täuschungsabsicht" attestiert hatte, weitere Gutachten einzuholen. Mehrere Mitglieder des Ausschusses sind auch im Fakultätsrat vertreten, der auf seiner Sitzung am 22. Januar über den weiteren Fortgang befinden soll. Schavan wehrte sich nach Informationen des SPIEGEL ihrerseits mit einem Gegengutachten und einer 15-seitigen Stellungnahme, in der sie die Vorwürfe zurückweist.

Die Vorprüfer aus der Promotionskommission halten die Vorwürfe gegen Schavan offenbar für schwerwiegend und ausreichend stichhaltig - sonst hätten sie den nächsten Schritt kaum empfohlen. Am Ende könnte Schavan dann ihren Titel verlieren, wogegen sie auf juristischem Weg vorgehen könnte.

Ob es so weit kommt, ist allerdings offen. Die Uni veröffentlichte auf ihrer Internetseite bislang lediglich eine kurze Erklärung, darin heißt es: Der Fakultätsrat werde sich am 22. Januar mit der Frage befassen, "ob die von der Kommission ermittelten Befunde als schwerwiegend genug betrachtet werden können", um ein solches Verfahren zu eröffnen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes solle das nicht in öffentlicher Sitzung geschehen. Schavan hat die Plagiatsvorwürfe stets bestritten und angekündigt, sie werde kämpfen.

otr

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1.
frubi 21.12.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSieben zu null - so eindeutig fiel das Votum im Promotionsausschuss der Uni Düsseldorf aus: Die Prüfer des Gremiums empfahlen nach SPIEGEL-Informationen einstimmig, ein Verfahren gegen Annette Schavan einzuleiten. Am Ende könnte die Bildungsministerin ihren Doktortitel verlieren. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/annette-schavan-promotionskommission-votierte-einstimmig-a-874190.html
Frohe Weihnachten, Frau Ministerin. Ob Herr Guttenberg eine SMS erhalten hat?
2. Och Joh!
Dr. Fuzzi 21.12.2012
Das sehr eindeutige Votum des Promotionsausschusses der Uni Düsseldorf scheint deutlich zu machen, das die seinerzeitige Arbeit der Frau Schavan höchst lax oder gar unfähig von ihrem Doktorvater und Co. geprüft wurde, gleichwohl diese die Aufgabe vorgegeben hatten und darin gebildet sein sollten. Es stellt sich daher die Frage: werden nun alle abgelegten Promotionen bei diesem Doktorvater noch einmal durchleuchtet? Wenn Nein, was zu vermuten ist - warum nicht, es besteht doch nun auch ein begründeter Zweifel an der Kompetenz dieses Professors und der daraus folgenden Promotionen!
3. erare humanum est
nomadas 21.12.2012
Es wäre das AUS für Annette. Die, ach so edle, konservative Ober- Katholikin, einst kurz davor, in Stuttgart Nachfolgerin von Teufel zu werden. CDU-Stv. von Angie, der Kanzlerin. Das ganze Leben "dem Land" gewidmet, auf der belle étage - und jetzt so was! Wenn der Dr. weg sein sollte, ist sie es auch. Die beiden gehen dann zusammen, von der Bühne. Kein edler Abgang! Ein Buch schreiben wäre dann was.
4. Armselig ...
kapitaennemo 21.12.2012
Es ist schon peinlich, was die Uni Düsseldorf (genauer gesagt diese ominöse "Kommission") und etliche Medien da für eine Hexenjagd veranstalten. Die Fachbereichsräte sind immer schon, gerade seitens der Studenten, politisch links stehend. Auch bei Professoren engagieren sich hier eher die, die großes Interesse an Selbstinszenierung in der Hochschulpolitik haben; meist eben solche Kollegen, die in der Forschung weniger engagiert sind (mal vornehm ausgedrückt). Betrachtet man die Stellen, wo "Plagiarismus" vorgeworfen wird, fällt durchweg auf, dass es minder schwere Fälle sind, wo allenfalls unsauber Zitiert wurde. In keinem Falle wird sich die "Geistige Arbeit" anderer zu eigen gemacht. Dass nun ausgerechnet die oben skizzierte Klientel eine Hetzjagd veranstaltet auf einen politischen Gegner hat für mich einen ganz hässlichen Beigeschmack. Hat sich die Linke Fraktion noch nicht wirklich von ihrer STASI-Vergangenheit gelöst? Das Vorgehen gleicht einer Hexenverbrennung. Anonyme Anschuldigungen, Scherbengerichte, wer "Plagiatoren" verteidigt ist wohl selber einer (wurde mir schon vorgeworfen!), usw. -- es ist höchste Zeit, diesen Spuk zu beenden.
5. Das sieht nicht gut aus ....
KingTut 21.12.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSieben zu null - so eindeutig fiel das Votum im Promotionsausschuss der Uni Düsseldorf aus: Die Prüfer des Gremiums empfahlen nach SPIEGEL-Informationen einstimmig, ein Verfahren gegen Annette Schavan einzuleiten. Am Ende könnte die Bildungsministerin ihren Doktortitel verlieren. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/annette-schavan-promotionskommission-votierte-einstimmig-a-874190.html
.... für die Bildungsministerin. Angesichts eines derart eindeutigen Votums des Promotionsausschusses kann ich mir nicht vorstellen, dass sie die auf sie zukommende Lawine noch stoppen kann. Inwieweit danach juristische Schritte sinnvoll sind, kann ich nicht beurteilen. Aber wer weiß, vielleicht hat sie ja noch ein paar Asse in der Hinterhand. Leid tut sie mir trotz allem.
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